Fußball

"Jeder Satz inhaltlich korrekt" "Impulsiver" Watzke bedauert TV-Auftritt

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So hart waren seine Aussagen doch gar nicht gemeint, rudert Watzke jetzt zurück.

(Foto: imago images/Jörg Schüler)

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schimpft vor zwei Wochen auf das Solidaritätsprinzip. Er sehe nicht ein, warum sein Verein wirtschaftlich schwächere Fußballklubs unterstützen soll. In seinen Aussagen sieht er noch immer keinen Fehler - aber in seiner Wortwahl.

Mit Verzögerung versucht Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Wogen zu glätten. Teile seiner Ausdrucksweise beim umstrittenen und viel kritisierten Auftritt in der ARD-"Sportschau" bedauerte er und zeigte sich selbstkritisch. "Ich habe mir diese Sendung noch einmal genau angesehen und muss sagen, dass jeder Satz, den ich gesagt habe, inhaltlich korrekt war. Ich hätte es allerdings freundlicher und empathischer ausdrücken können. Mea culpa!", sagte Watzke der "Bild am Sonntag". Seine Mitarbeiter wüssten, "dass ich auch mal impulsiv werden kann".

Vor zwei Wochen hatte der 60-Jährige bei einem gemeinsamen Auftritt mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet in der ARD-Sportschau zu den Folgen der Coronavirus-Pandemie für den Fußball für Irritation gesorgt und Hilfe für wirtschaftlich schwächere Klubs zunächst abgelehnt. "Und ehrlicherweise sind wir auch Konkurrenten. Und da muss man das sehr genau miteinander austarieren, was noch Wettbewerb ist und was kein Wettbewerb mehr ist", hatte Watzke unter anderem gesagt. Es "können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den vergangenen Jahren, dann im Prinzip die Klubs, die das wiederum nicht gemacht haben, dafür auch noch belohnen".

Bleiben trotzdem Gegner

Entscheidend sei für ihn "letztlich nicht, wie freundlich man etwas sagt, sondern ob es inhaltlich richtig ist. Wir können nicht unter den Tisch fallen lassen, dass die Bundesliga-Vereine auch Wettbewerber sind und bleiben. Und trotzdem sind wir natürlich solidarisch, wenn jemand unverschuldet in eine Schieflage geraten ist. Das schließt sich nicht aus", sagte Watzke nun.

Eintracht Frankfurts Sportchef Fredi Bobic sagte bei Sky Sports News HD, man solle in der heißen Phase nicht jedes Wort "auf die Goldwaage" legen. "Aki Watzke ist auch einer, der sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgeht und weiß, dass zu einem Solidargedanken gehört, dass Vereine unterschiedlich bewertet werden und der eine mehr gibt und der andere vielleicht etwas weniger."

Nicht einfach "souverän weglächeln"

Geärgert hatte Watze ein Philosoph, der in einem Sportschau-Beitrag zu Wort gekommen war. Diese habe sinngemäß behauptet, die Gesellschaft benötige den Fußball nicht, der Profifußball sei abgehoben und egoistisch. "Aber jeder Bürger, jeder Politiker, jeder, mit dem du sprichst, sagt dir, dass der Fußball ein wichtiger Kitt in unserer Gesellschaft ist. Vielleicht der Kitt, der vom Topmanager bis zur Aushilfe alle Gruppen verbindet! Wer kann das sonst?", fragte der BVB-Boss. Darüber sei er "sauer" gewesen, hätte es "souverän weglächeln müssen - aber so ein Typ bin ich einfach nicht."

Schließlich trage er Verantwortung für mehr als 150.000 Mitglieder, für die Aktionäre, "aber vor allem für 850 Mitarbeiter des BVB und deren Familien. Wir sind einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Es geht um ganz normale Arbeitnehmer, nicht um Fußball-Millionäre." Als Zeichen der Einheit des BVB werde es zunächst keine Kurzarbeit geben. "Das bedeutet für mich Verantwortung und Solidarität", sagte Watzke der "BamS". Zudem dokumentierten die BVB-Profis, Trainer und Klubverantwortlichen mit ihrem teilweisen Gehaltsverzicht ihre Solidarität. "Trotz meiner ordnungspolitischen Grundsätze können wir solidarisch sein, das haben wir in den vergangenen Wochen ja auch vielfach bewiesen", betonte Watzke.

Die Grundidee für den Hilfsfonds über 20 Millionen Euro, den der BVB gemeinsam mit den Champions-League-Teams FC Bayern München, Leipzig und Leverkusen ins Leben rief, sei von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge gekommen. "Ehre, wem Ehre gebührt", sagte Watzke.

Quelle: ntv.de, Ulli Brünger, dpa