Fußball

"Legen alles in dieses Spiel" Schneider zählt Tedesco trotz Gnadenfrist an

74bcc5bb28e0367a1239647fa66f9823.jpg

Auf Schalkes neuen Sportvorstand Jochen Schneider wartet erstmal keine leichte Aufgabe.

(Foto: www.imago-images.de)

Kaum im Amt, schon muss Schalkes neuer Sportvorstand weitreichende Entscheidungen fällen: Trainer Domenico Tedesco darf bleiben - zumindest vorerst. Tönnies plaudert derweil aus, wem der Bundesliga-Klub den Tipp zur Verpflichtung Jochen Schneiders zu verdanken hat.

Schwarzes Sakko, schwarzer Pullover, weißes Hemd und ernste Miene - Jochen Schneider demonstrierte die schwierige Lage auch durch sein Äußeres. "Wir müssen nicht um den heißen Brei herumreden, wir sind im Kampf um den Klassenerhalt", sagte der neue Sportvorstand des FC Schalke 04 bei seiner Vorstellung in der Gelsenkirchener Arena. Diesen Kampf tritt der 48-Jährige zusammen mit Trainer Domenico Tedesco an. Es war Schneiders erste Entscheidung von Gewicht, mit dem umstrittenen Trainer weiterzumachen - zumindest bis zum Freitag, wenn der Tabellen-14. bei Werder Bremen (20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) antritt. "Er ist ein wunderbarer Trainer, wir mögen und schätzen uns sehr. Es geht jetzt darum, eine Trendwende herbeizuführen", erklärte er.

1cfd61a53eb0d4ac05c1ab5adc1f5c71.jpg

Domenico Tedesco muss sich im Trainer-Amt bewähren.

(Foto: www.imago-images.de)

Für den angeschlagenen Tedesco, der aus den letzten sechs Bundesligaspielen nur zwei Punkte holte, gibt es aber keine Jobgarantie bis zum Saisonende, sondern eine Bewährungsprobe. "Ich bin ein großer Freund von Kontinuität, aber Kontinuität darf nicht die Ziele gefährden", betonte Schneider, der keine "Fristen setzen", aber auch "keine Lippenbekenntnisse" abgeben wollte: "Interessant ist nicht, was in den nächsten drei, vier Wochen, sondern was am Freitag passiert. Wir legen alles in dieses Spiel." Auch Aufsichtsratchef Clemens Tönnies wies auf die prekäre Realität hin. "Wer jetzt nicht von Krise redet, der verkennt die Lage."

Tedesco hat für Bremen "freie Hand"

Tedesco, dessen Elf bei der 0:4-Niederlage am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf einen fürchterlichen Eindruck hinterlassen und im Anschluss von den eigenen Fans angefeindet worden war, bekommt eine weitere Chance. Und er erhält totale Handlungsfreiheit in der Vorbereitung auf die Partie. Tedesco muss notwendige personelle Konsequenzen ziehen und Profis, die der Situation psychisch oder physisch nicht gewachsen sind, auf die Bank oder Tribüne setzen. Schneider sagte: "Jeder Trainer muss freie Hand haben."

Wieviel Geduld er mit Tedesco haben wird, blieb offen. Entscheidend dürfte vor allem die Art und Weise sein, wie sich die Mannschaft an der Weser präsentiert. Ein zweites Spiel wie gegen Düsseldorf könnte das Ende für Tedesco bedeuten, der als Jugendtrainer beim VfB Stuttgart einst unter Schneider arbeitete. Wahrscheinlich aber werden auch noch die Champions-League-Partie in Manchester am kommenden Dienstag (21 Uhr) und das Heimspiel gegen RB Leipzig (16. März, 15.30 Uhr, beide im Liveticker bei n-tv.de) abgewartet. Dann ist Länderspielpause.

Huub Stevens: "Das ist ein Guter"

Jahrhunderttrainer und Aufsichtsratsmitglied Huub Stevens redete ein gewichtiges Wort bei der Verpflichtung Schneiders mit. Er kennt den neuen Schalker-Sportvorstand von gemeinsamen Tätigkeiten in Stuttgart. Tönnies, der Chef des Kontrollgremiums, sagte: "Huub hat in seiner unnachahmlichen Art gesagt: "Das ist ein Guter". Wenn wir den kriegen können ..." Zuvor hatte Tönnies "in sein Netzwerk hineingeguckt" und Schneider als Topkandidaten identifiziert, um den Verein "zu führen, zu leiten und zu lenken". Schneider habe "sofort Ja gesagt", als er das Angebot bekam, berichtete Tönnies.

imago39161626h.jpg

Huub Stevens hatte ein gutes Wort für Schneider eingelegt.

(Foto: www.imago-images.de)

Der Kampf um den Klassenverbleib hat für Schneider absolute Priorität. Doch er kündigte auch an, das Leitungsteam durch einen Sportdirektor und einen vornehmlich für die Kaderplanung zuständigen Technischen Direktor zu erweitern. In den nächsten Wochen werde er eine Bestandsaufnahme vornehmen, Gespräche mit den Verantwortlichen des Nachwuchszentrums "Knappenschmiede" habe er bereits geführt.

Heidel verließ sinkendes Schiff überraschend

Der bisherige Sportvorstand Christian Heidel hatte am 23. Februar nach dem 0:3 des Revierclubs beim FSV Mainz 05 seinen Rückzug spätestens zum Saisonende angekündigt und lässt sein Amt nun ruhen. "Der Rücktritt kam für uns überraschend", sagte Tönnies, der Heidel rund drei Jahre zuvor aus Mainz geholt hatte. Vor einer Woche hatten die Königsblauen Schneider verpflichtet, der zuletzt Leiter Sport und Internationalisierung beim Liga-Rivalen RB Leipzig war und im Revier einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 erhält. Der studierte Betriebswirt begann seine Tätigkeit im Fußball 1999 beim VfB Stuttgart als Assistent des damaligen Sportvorstands Rolf Rüssmann. 2004 wurde er bei den Schwaben zum Sportdirektor befördert und arbeitete unter anderem mit Horst Heldt und Fredi Bobic zusammen. 2015 wechselte er als Leiter Global Soccer zur Red Bull GmbH, bevor er im Juli 2017 nach Leipzig wechselte.

Quelle: n-tv.de, jho/dpa/sid

Mehr zum Thema