Fußball

Schalke geht gegen Fortuna unter Tedesco rutscht endgültig in die "Misere"

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Ein Häufchen Elend - die Schalker.

(Foto: www.imago-images.de)

Mit einer uninspirierten und ideenlosen Vorstellung gegen den Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf schlittert der FC Schalke 04 tief in die Krise. Die Fans kündigen der sportlichen Führung die Gefolgschaft. Offen bleibt die Frage nach Trainer Tedescos Zukunft.

Die Botschaft kam vor Spielbeginn. Sie kam von den Fans aus der Nordkurve, die genau genommen gar keine Kurve ist. Und sie war eindeutig: "Wir woll'n Euch kämpfen sehen", skandierte die blau-weiße Kundschaft von der vollbesetzten Stehtribüne. Zu tief saß noch immer der Frust, den der lahme Auftritt und die peinliche 0:3-Niederlage der Gelsenkirchener Kicker in der Vorwoche in Mainz am Schalker Markt ausgelöst hatte. Doch wer die Hoffnung hatte, dass damit der Tiefpunkt erreicht und nach dem Rücktritt von Manager Christian Heidel endlich Besserung in Sicht sei, sah sich knapp zwei Stunden später getäuscht. Der FC Schalke 04 unterlag am 24. Bundesliga-Spieltag daheim mit - wie sinnig - 0:4 (0:1) erstaunlich hoch gegen den Gast aus Düsseldorf und stürzt damit endgültig in eine tiefe Depression. "Es ist nur schwer in Worte zu fassen, was hier passiert", sagte nach Spielschluss Daniel Caligiuri. "Ich verstehe nicht, was mit uns los ist." Und fast reflexartig redete er weiter: "Am Trainer liegt es aber nicht. Für dieses Auftreten stehen die Spieler in erster Verantwortung."

Viel helfen dürfte dieses verbale Palliativ kaum. Denn greifen die üblichen Mechanismen der Branche, dann wird Domenico Tedesco wohl die letzten Tage seines Daseins als Trainer des FC Schalke 04 erleben. Die Vorstellung seiner Mannschaft geriet in diesem zum Wendepunkt ausgerufenen Match viel zu blutleer. Erschreckend die Ideenlosigkeit, überraschend die Mutlosigkeit eines zutiefst verunsicherten blau-weißen Kollektivs. Was die Knappen den 60.322 Zuschauern an diesem trüben Ruhrpott-Nachmittag anboten, war sehr nahe am Offenbarungseid.

Dabei hatte Tedesco noch unter der Woche "echte Kerle" gefordert, die eine entsprechende Mentalität an den Tag legen. Herausgekommen war die höchste Pflichtspiel-Niederlage in der Ära Tedesco und im 21. Versuch endlich der erste Sieg für Trainer Friedhelm Funkel gegen die Blau-Weißen. "Das war natürlich extrem schlecht heute. Wir waren leblos, schon nach wenigen Ballkontakten sehr nervös und haben wahnsinnige Ballverluste gehabt durch Bälle, die wir so nicht spielen sollten", so Tedesco nach dem fünften sieglosen Ligaspiel in Serie und der bislang schlechtesten Schalker Spielzeit seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung.

Hämische Gesänge der Ultras

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Strahlende Gesichter beim Gegner aus Düsseldorf.

(Foto: www.imago-images.de)

So kam es, dass alle vier Gegentreffer letztlich demselben Muster entsprangen. Fehlpass im Mittelfeld, rasches Umschalten des Gegners, der seine wenigen sich bietenden Chancen höchst effektiv ausnutzte. Beim ersten Mal war es noch ein von Matija Nastasic verschuldeter Handelfmeter, den Dodi Lukebakio nach 35 Spielminuten verwandelte, bei den Treffern zwei, drei und vier durch Dawid Kownacki (62.), Benito Raman (68.) und noch einmal Kownacki (84.) wurde die Schalker Defensive ausgespielt. Es war aus Sicht der Hausherren zum Gruseln, doch die Fans hatten da schon längst von Frust auf Zynismus umgeschaltet. "Oh, wie ist das schön", klang es hämisch aus dem Ultra-Block. Auf Schalke riecht es nach Schwefel, und niemand sollte es für Parfüm halten.

Schon die Voraussetzungen dieser Begegnung hatten klargemacht, worum es für die in Schieflage geratenen Gelsenkirchener ging. Nach dem Match sind die Probleme noch offensichtlicher geworden. Der Aufsteiger Fortuna Düsseldorf liegt nun mit acht Punkten vor dem Vizemeister und dem Champions-League-Achtelfinalisten. Das ist die Umkehrung der Wahrscheinlichkeit im Kräfteverhältnis dieser beiden Klubs. Und während die Gäste sich nun unbeschwert in den rheinischen Karneval stürzen können, müssen sich die Blau-Weißen damit abfinden, endgültig im Abstiegskampf angekommen zu sein. Sollte Stuttgart im Sonntagsspiel gegen Hannover gewinnen, trennen die Knappen gerade noch vier Zähler vom Relegationsplatz. Und spielerisch ist keine Besserung in Sicht. "Wir sind nun definitiv drin in der Misere", so Tedesco. "Doch einen Überlebenskampf, wie ihn Fortuna bietet, habe ich bei meiner Mannschaft vermisst. Der Gegner war heute kräftiger, größer schneller.

"Ein schwerer Gang"

Die aus Schalker Sicht ungewöhnlich lange Etappe der Ruhe und des Stillhaltens ist an ihr Ende gekommen, der Kredit nach der vergangenen, so erfolgreichen Saison ist wohl endgültig aufgebraucht. Schon in Mainz gingen die Fans auf die Zäune, nach Spielende war das in Gelsenkirchen nicht anders. Immerhin muss man Tedesco zugutehalten, dass er nach dem Schlusspfiff als Erster den Weg zu den Anhängern suchte und mutig mit entschuldigender Geste vor der aufgebrachten Tribüne stand. Er wirkte sichtlich angefasst, ließ aber wütende Worte genauso über sich ergehen wie zahlreiche Bierbecher, die in Richtung Mannschaft flogen. "Das war ein schwerer Gang", sagte er, "aber es war das mindeste, sich für die Vorstellung zu entschuldigen. Die Fans waren sehr aggressiv und sehr frustriert. Aber ich kann sie verstehen."

Charakter sei nun gefragt, um sich im Abstiegskampf zu behaupten, so der Coach. Ob er allerdings derjenige sein wird, der die Mannschaft zum nächsten Spiel bei Werder Bremen am kommenden Wochenende führt, ist mindestens fraglich. Natürlich war auch die Zukunft des Coaches ein Thema. Die Frage, ob er aus freien Stücken sein Amt zur Verfügung stelle, verneinte er konsequent und mit deutliche Worten. "Ich bin keiner, der sich verpisst, sagte er im Interview beim TV-Sender Sky und verstrickte sich nicht in Satzgirlanden. Und über ein unfreiwilliges Abschiednehmen habe er sich "keine Gedanken gemacht".

Das werden nun andere tun. Auch wenn Christian Heidel bereits fort und Nachfolger Jochen Schneider noch nicht offiziell inthronisiert ist, wird intern diskutiert. Der Verein beeilte sich in einer ersten offiziellen Stellungnahme um Schadensbegrenzung. Am Dienstag, so teilte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem SID mit, werde Schneider offiziell sein Amt als Sportvorstand übernehmen. Und da die Trainerpersonalie in sein Ressort falle, werde bis dahin keine Entscheidung stehen. Am gestrigen Nachmittag jedenfalls hat unter den gebeutelten Schalker Anhängern jene Fraktion zahlenmäßig dramatisch zugenommen, die die Auffassung vertritt, dass vor einer guten Woche möglicherweise der falsche Mann seinen Posten zur Verfügung gestellt hat.

Quelle: ntv.de