FIFA will Turniere verkaufen

UEFA erwägt WM-Boykott - "Fußball gehört nicht den Investoren"

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29.07.2026 | 07:23 Uhr
FIFA-Boss Gianni Infantino empört mit Plänen, künftige Weltmeisterschaften teilweise an Investoren zu verkaufen. In Europa ist der Aufschrei riesig, die UEFA berät über einen drastischen Schritt. Auch ein früherer FIFA-Präsident ist fassungslos.

Der Weltverband FIFA und sein WM-Investorenplan halten den internationalen Fußball in Atem. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge will die Europäische Fußball-Union UEFA noch in der laufenden Woche eine Dringlichkeitssitzung abhalten, um über ihre weitere Reaktion auf die Pläne zu beraten. Laut Sky, ESPN und Bloomberg soll auch über einen möglichen Boykott der Weltmeisterschaft gesprochen werden.

Die englische "Times", der "Telegraph" und die "Financial Times" hatten berichtet, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino über eine neu zu gründende Tochterfirma namens FIFA Forward Enterprise (FFE) Anteile an der Fußball-WM an private Investoren abtreten will. Die FIFA bestätigte das Vorhaben in einer Mitteilung am Abend weitgehend. Die UEFA hatte bereits in einer ersten Stellungnahme scharfe Kritik geübt.

In Bezug auf den Bericht der "Times" schrieb die UEFA, dass damit eine Grenze überschritten werde, "die die führenden Institutionen des Fußballs niemals überschreiten dürfen. Die UEFA nimmt diese Angelegenheit äußerst ernst. Das sollten auch alle nationalen Fußballverbände tun", teilte der europäische Verband mit. "Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf - insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen."

"Fußball hat immer den Anhängern gehört"

Der italienische UEFA-Vizepräsident Gabriele Gravina unterstrich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ansa: "Wir gehen zu weit." Das über Jahre mühsam aufgebaute Gleichgewicht zwischen Fußball als Spektakel und Fußball als großer Volksleidenschaft laufe Gefahr, von einer gewinnorientierten Vision hinweggefegt zu werden. "Alle Konföderationen müssen entsprechend handeln", verlangte der frühere italienische Verbandschef. Der englische Fußball-Verband (FA) teilte dem britischen Sender BBC mit, er habe vor ihrer Veröffentlichung nichts von den Plänen der FIFA gewusst.

Auch der neue britische Premierminister Andy Burnham und der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter üben heftige Kritik. "Der Fußball gehört nicht den Investoren. Er gehört den Menschen, die die Tribünen füllen, die an den Seitenlinien stehen, Woche für Woche, bei Regen und bei Sonne", sagte Großbritanniens Regierungschef Burnham in einem Video bei Instagram. "Die WM ist kein Produkt, sie ist der großartigste Wettbewerb auf der Welt. Sie hat niemals jemandem gehört, damit man sie verkaufen kann. Der Fußball hat immer den Anhängern gehört, und er wird es auch immer."

In einem Post bei X kritisierte Blatter einmal mehr auch seinen Nachfolger Gianni Infantino und dessen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump. "Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen", schrieb der 90-jährige Schweizer. Bei den Plänen seien auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Trump einbezogen worden, hatte die "Times" berichtet.

Nach Angaben der FIFA sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt.

Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben auch weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die entweder behalten oder verkauft werden könnten.

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/dpa/sid