Fußball

Hainer als Nachfolger bestätigt Uli Hoeneß tritt als Bayern-Präsident ab

Der Übervater des FC Bayern München, Uli Hoeneß, zieht sich zurück. Der langjährige Manager und Präsident kämpft in einer emotionalen Abschiedsrede mit den Tränen. Auch sein Nachfolger steht nun offiziell fest.

Uli Hoeneß kämpfte mit den Tränen. Schon zu Beginn der großen Abschiedsshow nach fast einem halben Jahrhundert als prägendste Persönlichkeit des FC Bayern presste der 67-Jährige auf dem Podium die Lippen fest zusammen. Der scheidende Präsident verneigte sich vor Tausenden Mitgliedern, die ihn mit einem donnernden und nicht enden wollenden Applaus feierten. "Vielen, vielen Dank", sagte der ergriffene Hoeneß, der tief durchatmen musste.

imago44723698h.jpg

Arjen Robben (links) und Franck Ribéry überraschen Uli Hoeneß auf der Bühne.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Ohne die Mitglieder und deren überwältigende Unterstützung, das betonte Hoeneß am Freitagabend gleich zu Beginn in der Münchner Olympiahalle, wäre er nach seiner Zeit im Gefängnis nicht mehr an die Spitze seines Herzensklubs zurückgekehrt. "Sie haben mir wunderbare Jahre geschenkt", sagte der Vereinspatron. Sein zum Nachfolger erkorener Freund Herbert Hainer konnte da einmal mehr fühlen, welchen "riesigen Fußspuren" er folgt.

"Ich habe fertig, danke"

"Uli Hoeneß, du bist der beste Mann", schallte es durch die Halle. Bei pompösen Klängen trugen die nicht mehr für den FC Bayern aktiven Topspieler Franck Ribéry (AC Florenz) und Arjen Robben (Karriereende) Meisterschale und DFB-Pokal auf die Bühne. Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic brachte deren Meistertrophäe mit. Es folgten herzliche Umarmungen mit Hoeneß. Die Überraschung sei geglückt, schwärmte Hoeneß. Frenetisch gefeiert wurde auch Oliver Kahn, der an der Seite von Sportdirektor Hasan Salihamidzic applaudierte. Der frühere Kapitän und Torhüter Kahn wird im kommenden Jahr Vorstandsmitglied und soll dann zum Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge als künftiger Chef aufgebaut werden. Kahn genoss den Riesenjubel - von Hoeneß bekam er schon vor dem Amtsantritt Aufgaben mit auf den Weg. "Da hast du viel Arbeit, um diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden", erklärte Hoeneß. Den "Bis-auf-Weiteres"-Coach Hansi Flick begrüßte Hoeneß als "Cheftrainer". "Wer den Mitgliedern so ein wunderbares Fußballspiel wie Samstag schenkt, hat diesen Beifall verdient", sagte Hoeneß.

imago44724086h.jpg

Uli Hoeneß bei seiner Abschiedsrede.

(Foto: imago images/MIS)

Später erklärte der langjährige Bayern-Boss, er trete ab, weil er an die Zukunft denke. Er habe den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen wollen. "Wenn ich vom FC Bayern träume, dann denke ich, da ist ein Tanker, der auf dem Weltmeer entlanggleitet", umschrieb es Hoeneß. "Der Tanker muss geradeaus fahren und nicht nach links schauen - und schon gar nicht nach rechts", appellierte er. Der FC Bayern muss sozial sein. Der Verein muss selbstbewusst sein - nicht arrogant", sagte Hoeneß. Er warb darum, mit seinem designierten Nachfolger Herbert Hainer und auch Kahn, der in zwei Jahren den Vorstandsvorsitzenden Rummenigge ablösen soll, "Geduld zu haben". Die Vereinsführung rief er zum Zusammenhalt auf: "Die Gegner sitzen draußen, die dürfen nicht zu Hause sein."

Hoeneß beendete seine emotionale, 18 Minuten andauernde Rede mit an den ehemaligen Bayern-Coach Trapattoni erinnernden Worten: "Es war eine wunderschöne Zeit. Das war's. Ich habe fertig. Danke."

Wenig später stand auch sein Nachfolger fest: Herbert Hainer wurde zum neuen Präsident des FC Bayern gewählt. Der 65-Jährige war zuvor lange Jahre Adidas-Chef, dem Ausrüster des Rekordmeisters.

"Irgendetwas im sozialen Bereich machen"

*Datenschutz

Beim minutenlangen Beifall der 6091 Mitglieder hatte der 67-Jährige Tränen in den Augen. Es fiel ihm auf dem Podium sichtlich schwer, die Fassung zu bewahren. "Nochmals vielen Dank für diese Zuneigung", sagte Hoeneß. Seine Frau Susi küsste er. Diese bekam von Ex-Spieler Franck Ribéry einen Blumenstrauß überreicht. Hoeneß äußerte sich nicht im Detail dazu, wie er sein künftiges Leben ohne Führungsamt beim FC Bayern führen wolle. Er werde auf jeden Fall "irgendetwas im sozialen Bereich machen".

In drei verschiedenen Positionen prägte Hoeneß den deutschen Fußball-Rekordmeister ein halbes Jahrhundert lang: erst als erfolgreicher Stürmer und Weltmeister von 1974, dann 30 Jahre als Manager und in den letzten zehn Jahren mit einer Unterbrechung wegen einer Haftstrafe als Präsident und Aufsichtsratschef. Sein Mandat im Aufsichtsrat will er bis ins Jahr 2023 weiter ausüben. In den vergangenen Tagen war Hoeneß von Größen aus dem Fußball und der Politik gewürdigt worden. Ob Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, Bundestrainer Joachim Löw oder Triple-Trainer Jupp Heynckes - alle hoben die Einzigartigkeit und Größe von Hoeneß' Lebenswerk hervor. Mit zwölf Millionen Mark Umsatz und sieben Millionen Mark Schulden legte Hoeneß als 27-Jähriger am 1. Mai 1979 als Manager beim FC Bayern los. An seinem groß zelebrierten Abschiedsabend durfte er sich einmal mehr über imposante Wirtschaftsdaten freuen. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 750,4 Millionen Euro in der abgelaufenen Spielzeit. Der Gewinn nach Steuern betrug 52,5 Millionen Euro. Mit 336,2 Millionen Euro war der Personalaufwand der größte Posten auf der Ausgabenseite.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa