Trotz UEFA-Widerstand

Wie Infantino mit seinem WM-Verkauf durchkommen könnte

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29.07.2026 | 09:21 Uhr
Geld regiert die Welt - diesen Fakt macht sich auch FIFA-Präsident Gianni Infantino zunutze. Sein Plan, die Weltmeisterschaften anteilig zu verkaufen, würde den Mitgliedsverbänden viel Geld bringen. Das dient seinem Machterhalt.

Gianni Infantino hat sich als FIFA-Präsident einmal mehr unbeliebt gemacht. Er will die kommenden WM-Turniere - Männer-, Frauen- sowie Klub-WM - verkaufen, um noch mehr Geld aus dem Fußball zu pressen. Anteile sollen an einen privaten Investor veräußert werden, der sich um die kommerziellen Aktivitäten kümmert. Die Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) würde dann alles bündeln. In Europa erzeugt das einen riesigen Aufschrei, Berichten zufolge trifft die UEFA zusammen, um über einen WM-Boykott zu debattieren.

Doch dass sich Infantino damit nach den WM-Skandalen um die Rote Karte von Folarin Balogun und sein Lieb-Kind-Getue mit US-Präsident Donald Trump mit diesen Plänen noch unbeliebter macht, ist eine eurozentristische Perspektive. Denn es gibt gute Gründe, warum Infantino mit dem WM-Verkauf durchkommen könnte.

In der Mitteilung punktet die FIFA sofort damit, jedem Mitgliedsverband Geld auszuzahlen. Sollten die Gremien dem Deal zustimmen, bekäme jeder Verband sofort 20 Millionen US-Dollar zusätzlich. Von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahres-Zyklus stiege der Betrag laut des Weltverbands zunächst auf 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar. Dazu käme optional eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen US-Dollar.

Geld als Machterhaltungsfaktor

Für kleine Verbände aus armen Regionen ist das immens. Und genau darauf baut Infantino: "Wir beabsichtigen, auch in den kleinsten und abgelegensten Teilen der Fußballwelt massiv zu investieren - in Regionen, die allzu oft vernachlässigt werden", heißt es in der FIFA-Mitteilung.

Geld ist einer der entscheidenden Machterhaltungsfaktoren für Infantino. Schon jetzt ist klar, dass er nächstes Jahr ohne Gegenkandidaten bis 2031 im Amt bestätigt werden wird. Bei den Präsidentschaftswahlen hat jeder Verband eine Stimme - auch hier unabhängig von der Größe.

Die Kritik der UEFA prallt auch deswegen an Infantino ab. Schon durch den "Fall Balogun" hat sich der Ton der Europäer nochmals verschärft. Nachdem die Sperre des US-Stürmers bei der WM infolge eines Trump-Anrufs bei Infantino ausgesetzt worden war, sprach die UEFA von der Überschreitung einer "roten Linie". Diesen Worten folgten bislang keine Taten. Einen Gegenkandidaten zu Infantino, der sich dank der WM in den USA, Mexiko und Kanada über Rekordeinnahmen in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar freuen darf, haben die Europäer nicht aufgebaut.

Wieder Kuscheln mit Trump-Familie

Dazu kommt, dass Infantino völlig unverschämt agiert. Sei es bei den horrend teuren Ticketpreisen für die WM-Spiele, die er abtat oder erst recht bei seinem Gekuschel mit Trump. Der FIFA-Friedenspreis zeigte dies eindrücklich, das Geschachere um die Rote Karte, nun die Investorenpläne - bei denen auch wieder Trump mitmischt: Die künftige Investorengruppe soll laut FIFA von Thrive Capital angeführt werden, einer Investmentgesellschaft von Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Ein Interessenkonflikt? Ach was, nicht für Infantino.

Trotz allem, der Deal ist noch nicht durch. Infantino ist schon 2018 mit einem Investoren-Deal gescheitert. Die Gremien - alle Mitgliedsverbände und der FIFA-Rat, in dem auch DFB-Chef Bernd Neuendorf sitzt -, müssen zustimmen. Wann das passieren soll, ist offen. Der nächste Kongress findet im März 2027 in Marokko statt. Während die Mitgliedsverbände vermutlich - siehe Geld - keine große Hürde sein werden, ist das beim FIFA-Rat schon fraglicher. Im Jahr 2018 hatte Infantino eine grundsätzliche Einigung über 25 Milliarden US-Dollar für eine erweiterte Klub-WM sowie eine weltweite Nations League erzielt, als mögliche Geldgeber galten damals die japanische SoftBank sowie der Staatsfonds Saudi-Arabiens. Der Deal erhielt dann aber keine ausreichende Unterstützung.

Für Infantino geht es mutmaßlich auch ganz persönlich um seine Zukunft. 2031 wird er als FIFA-Präsident ausscheiden. Sein Interesse an dem Vorsitz des neuen Unternehmens ist laut "Times" groß.

Verwendete Quellen: ntv.de, ara/sid