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Allein, allein? Mesut Özil hat sich durch die "Erdogan-Affäre" auch beim DFB nicht gerade beliebt gemacht.
Allein, allein? Mesut Özil hat sich durch die "Erdogan-Affäre" auch beim DFB nicht gerade beliebt gemacht.(Foto: dpa)
Dienstag, 12. Juni 2018

Kein "Maulkorb" von Bierhoff: Özil will Erdogan-Schweigen nicht brechen

Teammanager Oliver Bierhoff versucht kurz vor dem Abflug der DFB-Elf nach Russland erneut, die Wogen um die "Erdogan-Affäre" zu glätten. Dabei kritisiert er Mesut Özils Verhalten ebenfalls - und sagt, Löw könnte sogar seine Aufstellung überdenken.

Manager Oliver Bierhoff übt sich zurzeit als Feuerwehrmann, da er verzweifelt versucht gegen den Flächenbrand "Erdogan-Affäre" anzukämpfen. Hilfe von Mesut Özil erwartet er allerdings nicht. Der Weltmeister werde sein Schweigen zum Foto-Thema auch während der WM in Russland mit dem Auftaktspiel der DFB-Elf am Sonntag (17 Uhr im Liveticker bei n-tv.de sowie im ZDF) gegen Mexiko nicht brechen, sagte Bierhoff der "Bild"-Zeitung: "Das ist seine Aussage. Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht."

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Dabei wäre eine öffentliche Entschuldigung Özils nach den Bildern mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus DFB-Sicht die Ideallösung, um die leidige Angelegenheit endlich zu beenden. Doch Özil, erklärte Bierhoff, sei nun mal "noch nie ein Freund vieler Worte" gewesen, sondern "eher verschlossen". Und so nahm die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw "Erdo-Gate" am Dienstagmittag im Flieger nach Russland als Ballast mit zur Mission Titelverteidigung.

Ändert Löw nun seine Aufstellung?

Bierhoff glaubt sogar, dass Löw die Sache bei seinen Aufstellungs-Überlegungen berücksichtigen könnte. Löw treffe zwar keine populistische Entscheidung, "um jemanden zufriedenzustellen, sondern hat nur das sportliche Wohl im Auge. Aber ein kleiner Aspekt kann dies natürlich schon sein", sagte er.

Der DFB-Direktor ließ durchblicken, dass er sich von Özil eine ähnliche Reaktion wie von Ilkay Gündogan erhofft hätte, der nach den Erdogan-Fotos öffentlich um Verständnis geworben hatte. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verlange immer "mündige Spieler. Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut", sagte er: "Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt, sie kennt er aus Erfahrung."

"Diskussion über Integration nicht beendet"

Grundsätzlich nahm Bierhoff Özil und Gündogan erneut in Schutz. "Sie haben einen Fehler gemacht. Aber für uns zählt vor allem die Intention. Sie war nicht bösartig, nicht politisch getrieben, sondern naiv, gedankenlos", sagte der 50-Jährige, der für die Kritik von DFL-Präsident Reinhard Rauball am Vorgehen des DFB ("Thema unterschätzt") kein Verständnis hat. "Die öffentlichen Äußerungen von einem Mitglied unserer Delegation haben mich etwas irritiert", sagte er. Rauball gehört wie DFB-Präsident Reinhard Grindel oder EM-Botschafter Philipp Lahm der offiziellen deutschen Reisegruppe an. Diese hofft nach den Pfiffen gegen Gündogan bei der WM-Generalprobe in Leverkusen bei der WM auf die "positive Unterstützung unserer Fans", wie Bierhoff meinte.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die engen Kontakt zur Mannschaft pflegt, hatte bereits um Nachsicht geworben. Als Ausrede für mögliche schwache Leistungen in Russland dürfe das Thema nicht herhalten, betonte Bierhoff. "Ich mache mir weniger Sorgen generell um die Mannschaft, sondern eher um die beiden Spieler. Es beschäftigt Mesut und Ilkay schon sehr." Er gehe aber nicht von einem Rücktritt des Duos aus. "Sie freuen sich auf die WM, sie freuen sich darauf, für Deutschland zu spielen", sagte er. Auch, dass Löw freiwillig auf beide verzichten könnte, schloss Bierhoff aus: "Dafür gibt es keine Anzeichen."

Als "Maulkorb" für die Öffentlichkeit will Bierhoff seine Äußerungen nicht missverstanden wissen. "Es ist ganz klar, dass die Diskussion über Integration nicht beendet sein kann - auch nicht über das Foto. Wir müssen uns im DFB diesem Thema weiter stellen und es aufarbeiten."

Quelle: n-tv.de