Wirtschaft

Ausländischen Einfluss begrenzen Bund kauft Anteile an Rüstungsfirma

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Die ehemalige Airbus-Tochter war im September an die Frankfurter Börse gegangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast eine halbe Milliarde Euro lässt sich die Bundesregierung den Einstieg beim Konzern Hensoldt kosten. Der Bund versucht damit, die Einflussnahme aus dem Ausland auf den Hersteller von Sensorik und Verschlüsselungstechnik für den militärischen Einsatz zu verhindern.

Deutschland steigt Parlamentskreisen zufolge beim Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt ein. Die Bundesregierung ziehe die im Zuge des Börsengangs von Hensoldt vereinbarte Option und übernehme einen Anteil von 25,1 Prozent vom US-Finanzinvestor KKR, sagte eine mit den Plänen vertraute Person Reuters. Der Preis für das Paket liege bei 464 Millionen Euro - ein Aufschlag von gut einem Drittel zum Aktienkurs von Hensoldt. Zwei weitere Insider bestätigten die Einstiegspläne. Die Kaufoption läuft zum Jahresende aus.

Der Bund wolle mit der Sperrminorität ausländischen Einfluss auf die ehemalige Airbus-Tochter verhindern, was einem Rechtsgutachten zufolge nur auf diesem Weg möglich sei, hieß es in Parlamentskreisen. Sensorik und Verschlüsselungstechnik für den militärischen Einsatz gelten als Schlüsseltechnologie, vor allem für die Bundeswehr. Die Aktien sollen bei der Staatsbank KfW geparkt werden. Operativen Einfluss wolle der Bund nicht nehmen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages muss den Einstieg nur zur Kenntnis nehmen, eine formelle Abstimmung ist nicht notwendig.

Die Hensoldt-Aktie war am Freitag bereits um vier Prozent auf 13,06 Euro nach oben geschossen, nachdem Gerüchte über die Transaktion in Berlin die Runde gemacht hatten. Der mit KKR vereinbarte Kaufpreis liegt rechnerisch bei etwa 17,60 Euro je Aktie, damit aber unter dem Maximalbetrag von insgesamt 600 Millionen Euro, den der Bund und KKR festgeschrieben hatten. Beim Börsengang waren die Aktien zu 12,00 Euro ausgegeben worden.

Der US-Investor kann seine Beteiligung an Hensoldt damit von 63 auf etwa 38 Prozent reduzieren. KKR hatte den Hersteller von Hightech-Kameras für Tornado-Flugzeuge, von Panzer-Periskopen und Radarsystemen für den Eurofighter 2016 für 1,1 Milliarden Euro von Airbus übernommen. Damals hatte sich die Regierung mit einer Art "goldenen Aktie" strategischen Einfluss gesichert. Vor dem Börsengang war die Vereinbarung abgewandelt worden.

FDP kritisiert den "Premium-Preis"

Kritisch wird eine Beteiligung aus der FDP gesehen. "An der Börse wird das Aktienpaket in Höhe von 25,1 Prozent, Stand heute, mit 320 Millionen Euro bewertet. Die Bundesregierung bezahlt aber 450 Millionen Euro für das Paket", erklärte der Obmann der FDP-Fraktion im Verteidigungsausschuss, Alexander Müller. Unklar seien die Ziele des Bundes bei Hensoldt. Bei einer Beteiligung könne der Bund aber kein neutraler Einkäufer mehr sein. "Offensichtlich gab es auch keine Notwendigkeit, die Firma vor dem Zugriff anderer Nationen, wie zum Beispiel China, zu schützen. Mehrere europäische Wettbewerber kaufen Aktienpakete. Da muss der Bund nicht mit Steuerzahlergeld einen Premium-Preis zahlen", so Müller.

Die Firmengeschichte von Hensoldt reicht mehr als 125 Jahre zurück: 1892 baute der Optiker Moritz Hensoldt Zielfernrohre für die Gewehre der preußischen Armee. Inzwischen beschäftigt der Konzern rund 4400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Milliardenumsatz. Zu den Zukunftsprojekten des Unternehmens zählt die Beteiligung an der Ausrüstung des viele Milliarden Euro teuren neuen deutsch-französischen Kampfjets, des bei weitem größten europäischen Rüstungsvorhabens derzeit.

Quelle: ntv.de, jru/rts/dpa

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