Wirtschaft

Kreditvergabe wird lockerer Chinas Wachstumseinbruch ist eine Warnung

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Chinas Wirtschaft wächst weiter, doch das Tempo wird geringer.

(Foto: REUTERS)

Den Corona-Schock hat Chinas Wirtschaft schnell verarbeitet, ein rasantes Wachstum folgte. Doch nun verliert die Erholung deutlich an Fahrt - das dürfte weltweit zu spüren sein.

China war das erste Land, dessen Konjunktur sich nach dem Corona-Einbruch rasant erholte. Andere Länder folgten später. Deshalb ist es kein gutes Zeichen, dass das Wirtschaftswachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt deutlich an Tempo verliert - denn das zeigt, wohin die konjunkturelle Reise weltweit geht.

Chinas Wachstum hat sich im zweiten Quartal wahrscheinlich auf etwa 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr verlangsamt und könnte sich im dritten Quartal auf etwas über 6 Prozent und im letzten Quartal 2021 auf bis zu 5 Prozent abschwächen. Das sagte Wang Yiming, ein Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der chinesischen Notenbank People's Bank of China (PBoC) in einem Interview mit staatlichen Medien und bereitete damit die Öffentlichkeit auf offizielle Daten vor, die am Donnerstag veröffentlicht werden.

Zur Einordnung: Chinas Wirtschaft war im ersten Quartal noch um mehr als 18 Prozent gewachsen - im Jahr zuvor hatte die Pandemie einen heftigen Einbruch verursacht. Es war klar, dass sich dieses Tempo nicht halten lässt. Doch die Stärke der Bremsung kommt unerwartet. Ökonomen gehen zwar allgemein davon aus, dass das Wachstum weitergehen wird. Exporte und Immobilieninvestitionen sind immer noch die Hauptstützen für die Wirtschaft, während die Erholung des Konsums und der Investitionen im verarbeitenden Gewerbe noch schleppend verläuft. Mit dem Fortschreiten von Chinas Impfprogramm dürfte aber der Konsum mehr Schwung gewinnen, heißt es.

Doch Chinas Notenbank hat in der vergangenen Woche den Banken mehr Freiraum für Kreditvergabe geschafft - ein deutliches Zeichen, dass die PBoC der Konjunktur einen größeren Schub verleihen will. Banken müssen ab Donnerstag weniger Kapital als Mindestreserve halten. Damit sollen rund eine Billion Yuan (umgerechnet knapp 130,4 Milliarden Euro) an Liquidität freigesetzt werden.

"Höhepunkt des Wachstums überschritten"

China veröffentlicht in den nächsten Tagen nicht nur Zahlen zum Wirtschaftswachstum, sondern auch zur Handelsbilanz, zu den Einzelhandelsumsätzen und zur Industrieproduktion. Angesichts der plötzlichen Lockerung der Geldpolitik wird erwartet, dass diese eher unerfreulich sind. "Die Erwartungen in Bezug auf Chinas Aussichten haben sich im vergangenen Monat aufgrund einiger enttäuschender Teildaten eingetrübt, die durch die Tatsache verschlimmert wurden, dass der Höhepunkt des Wachstums nach der Pandemie-Erholung überschritten wurde", so die Analysten von der australischen Bank Westpac.

Das Münchner Ifo-Institut hatte zuletzt die Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr auf 3,3 Prozent gekürzt - vor allem wegen Engpässen bei der Lieferung von Vorprodukten wie Chips für die Autoindustrie. Das Vorkrisenniveau könnte die Wirtschaft nach Einschätzung der Ifo-Experten Anfang des kommenden Jahres erreichen. Sie sind damit pessimistischer als Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der zuletzt ein Plus von bis zu 4 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Zudem warnte Ifo-Chef Clemens Fuest vor einem Rückschlag bei der Konjunkturerholung, falls die Corona-Infektionszahlen wegen der neuen Delta-Variante wieder kräftig steigen.

Quelle: ntv.de, jga/DJ/rts

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