Wirtschaft

Teuerste Medizin der Welt? Die Eine-Million-Dollar-Therapie

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Luxturna könnte mit über einer Million Dollar das teuerste Medikament der Welt werden.

Es ist ein Heilsversprechen: Eine Pharma-Firma hat womöglich ein Mittel gegen eine seltene Form erblicher Blindheit gefunden. Doch aus reiner Nächstenliebe hat sie das Wunder-Medikament nicht entwickelt. Es bringt Gesellschaft und Politik an ihre Grenzen.

Luxturna, ein kleines Fläschchen mit klarer Flüssigkeit, könnte womöglich tausenden Menschen weltweit das "Licht" in ihren Augen zurückgeben. Das behauptet jedenfalls die Firma Spark Therapeutics aus Philadelphia, die das Mittel entwickelt hat. Vor wenigen Tagen hat die US-Medikamentenbehörde FDA es genehmigt. Luxturna ist damit die weltweit erste zugelassene Gentherapie für eine Erbkrankheit.

Doch nicht für alle wird sich der Traum vom Sehen erfüllen. Denn Luxturna könnte gleichzeitig noch einen zweiten Rekord brechen - den für das teuerste Medikament der Welt. Offiziell will Spark den Preis für Luxturna erst im Januar verkünden. Doch wohin die Reise geht, ist klar: "Wir glauben der Wert einer solchen Therapie liegt über einer Million Dollar", sagte Firmenchef Jeff Marrazzo der "Financial Times".

Profite mit blinden Kindern

Dass Spark für sein vermeintliches Wundermittel solche Preise aufrufen kann, liegt daran, dass die Firma gezielt an einer Nischenkrankheit forscht. Luxturna soll gegen sogenannte Lebersche Kongenitale Amaurose (LCA) helfen, auch frühkindliche Netzhautdystrophie genannt. Mutationen am RPE65-Gen lösen dabei eine Funktionsstörung an der Netzhaut aus. Die Betroffenen kommen bereits sehbehindert auf die Welt und erblinden im Laufe des Lebens meist vollständig. Die Krankheit wird vererbt und galt bisher als unheilbar.

Weltweit sind laut Spark nur bis zu 6000 Menschen davon betroffen, 1000-2000 in den USA. Lediglich 10-20 Babys werden dort jedes Jahr mit der Krankheit geboren. Auch wenn es nur wenige Patienten gibt, sind sie für Spark potentielle Profitbringer: Die Betroffenen leben in finanzstarken westlichen Gesundheitssystemen. Die Krankheit tritt überdurchschnittlich häufig bei Kindern und Jugendlichen auf und verursacht daher großes Leid. Und ihre Eltern sind deshalb hochmotiviert, im Zweifel auch selbst für ein besseres Leben ihrer Kinder zu zahlen.

Nicht aus reiner Nächstenliebe forscht Spark an der Krankheit. Die Firma spricht nicht von Patienten, sondern von der betroffenen "Population in den USA, Europa und ausgewählten zusätzlichen Märkten im amerikanischen und asiatischen Raum". Die neu zugelassene Gentherapie der Firma stößt an ethische Grenzen: Was ist der Gesellschaft die Gesundheit eines einzelnen Menschen wert? Und wie viel dürfen Firmen daran verdienen?

Was ist ein Menschenleben wert?

Die Frage stellt sich nicht nur bei Luxturna. Eine Reihe schwer heilbarer Krankheiten wie bestimmte Krebsarten oder Morbus Hunter könnte künftig mithilfe maßgeschneiderter Gentherapien geheilt werden. Doch die Pharmafirmen, die daran forschen, lassen sich ihre Erfindungen wie Spark teuer bezahlen: Gilead rechnet für seine neuste Pille gegen Hepatitis C etwa 1000 Dollar ab. Novartis verlangt für sein Blutkrebs-Medikament Kymriah knapp 400.000 Euro.

Spezialmedikamente können auch ohne bahnbrechende neue Forschung äußerst lukrativ sein. US-Hedgefonds-Manager Martin Shkreli, der inzwischen wegen Anlegerbetrug verurteilt wurde, hat das perfide Geschäftsmodell perfektioniert: Er kaufte die jahrzehntealten Patente an einem Aids-Medikament auf und erhöhte den Preis um 5000 Prozent. Das brachte ihm den Titel "meistgehasster Mann Amerikas" ein.

Umstritten ist zudem, wie erfolgreich vermeintliche Wunder-Behandlungen wie Luxturna wirklich sind. "Es ist verlockend, es eine Heilung zu nennen, aber das ist es nicht wirklich, oder zumindest noch nicht", sagte Steve Pearson, Chef der NGO ICER, die den Wert von Medikamenten ermittelt, der "Financial Times". "Spark verdient eine Menge Anerkennung für seine langen Studien, aber es gibt Hinweise von ähnlichen Behandlungen, dass der Effekt mit der Zeit nachlässt".

Quelle: n-tv.de

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