Wirtschaft

"Meistgehasster Mann Amerikas" Hedgefondsmanager Shkreli verurteilt

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Shkreli (l.) mit seinem Anwalt Brafman.

(Foto: dpa)

Weil er ein Medikament um 5000 Prozent verteuerte, wurde Martin Shkreli in den USA zur Hassfigur. Das beeinträchtigt auch einen Prozess gegen ihn wegen Finanzbetrugs. Doch am Ende jubelt der 34-Jährige trotz Verurteilung.

Der hochumstrittene US-Pharma- und Hedgefondsmanager Martin Shkreli ist von einem Gericht in New York wegen Finanzbetrugs verurteilt worden. Der 34-Jährige kam dennoch relativ glimpflich davon. Die zwölfköpfige Jury verwarf nach fünfwöchigem Prozess und fünftägigen Beratungen mehr als die Hälfte der Anklagepunkte gegen Shkreli, darunter einen besonders gravierenden Vorwurf der Verschwörung zum Betrug mit Hilfe von Telekommunikationsmitteln.

Das Urteil bedeutet deshalb, dass dem Investor die ursprünglich über ihm schwebende potenzielle Haftstrafe von 20 Jahren nicht mehr droht. Sein Anwalt Ben Brafman deutete an, dass Shkreli möglicherweise gar nicht ins Gefängnis müsse. Das Strafmaß wird erst zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Shkreli reagierte euphorisch auf das Urteil: "Ich bin entzückt, dass die Jury ihre Arbeit getan hat", sagte er. Er bezeichnete sich als Opfer "einer Hexenjagd von epischen Proportionen". Der 34-Jährige wurde unter anderem für schuldig befunden, durch Aktienmanipulationen den Wert zweier von ihm früher geleiteter Hedgefonds aufgebläht zu haben. Die US-Behörden hatten ihm zudem vorgeworfen, Investoren an der Nase herumgeführt und ihre Mittel zweckentfremdet zu haben.

Zur Hassfigur in den USA war der Jungunternehmer aber geworden, weil er als Gründer des Pharmalabors Turing Pharmaceuticals den Preis des Entzündungs-Medikaments Daraprim - das unter anderem Aids-Patienten helfen soll - schlagartig von 13,5 auf 750 Dollar pro Pille anhob. Das entspricht einem Aufschlag von mehr als 5000 Prozent.

Die Empörung war riesig, die BBC bezeichnete ihn als "meistgehassten Mann Amerikas", die "Washington Post" als "Staatsfeind Nummer 1". Dieser Skandal war aber nicht Gegenstand des jetzigen Prozesses. Allerdings wurde der Prozess in Brooklyn durch Shkrelis schlechtes Image erschwert. So dauerte es Tage, die Jury zu besetzen, weil etliche Kandidaten keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen den Angeklagten machten.

Auch Shkreli selbst sorgte für einen Eklat: Er äußerte sich so lange abfällig über die Staatsanwaltschaft, bis die Richterin ihm einen Maulkorb verpasste.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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