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Über Transfusionen werden den Patienten die gentechnisch veränderten, weißen Blutkörperchen zugeführt.
Über Transfusionen werden den Patienten die gentechnisch veränderten, weißen Blutkörperchen zugeführt.(Foto: AP)
Donnerstag, 31. August 2017

Lebendes Medikament gegen Krebs: USA erteilen erste Zulassung für Gentherapie

Lange wurde geforscht, nun ist es soweit: Ein neue Krebstherapie, bei der das Immunsystem gentechnisch unterstützt wird, ist in den USA zugelassen. Die effektive, aber sehr teure Methode darf allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden.

Die USA haben erstmals eine genverändernde Behandlungsmethode von Blutkrebs zugelassen. Die nationale Arzneimittelbehörde FDA würdigte die Genehmigung der Kymriah genannten Therapie als "historisch". Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hält das Patent am "lebenden Medikament".

Die Herstellung der "lebenden Medikamente" ist nur in Speziallaboren möglich.
Die Herstellung der "lebenden Medikamente" ist nur in Speziallaboren möglich.(Foto: AP)

Kymriah wurde in den USA für bis zu 25 Jahre alte Patienten mit Akuter Lymphatischer Leukämie zugelassen. Es handelt sich um einen neuen Ansatz, der voll personalisiert ist und die eigenen T-Helferzellen des Patienten nutzt. Demnach werden die als T-Zellen bekannten weißen Blutzellen des Erkrankten entnommen und in einem Labor gentechnisch verändert: So sollen sie, zurück im Körper des Patienten, die Krebszellen angreifen.

"Mit der Möglichkeit, die körpereigenen Zellen eines Patienten zu reprogrammieren, um eine tödliche Art von Krebs zu bekämpfen, stoßen wir zu einer neuen Grenze in der medizinischen Innovation vor", wurde FDA-Kommissar Scott Gottlieb in einer Mitteilung zitiert.

Erfolgsquote von 83 Prozent

Bislang wurden zu Studienzwecken 63 Patienten mit Kymriah behandelt, in 83 Prozent der Fälle konnte eine vollständige Remission festgestellt werden. In den USA soll die Kymriah-Behandlung nach Angaben von Novartis 475.000 Dollar (knapp 400.000 Euro) kosten. Ein Antrag für die EU-Zulassung der Therapie wird für Ende des Jahres erwartet. Ohne Risiken ist die Therapie allerdings nicht: Fieber, Schüttelfrost, Atembeschwerden und Hautausschläge - sind alles Nebenwirkungen der starken Zytokin-Freisetzung, die durch den Zerfall der Krebszellen entsteht.

Als Vorreiter der Therapiemethode gilt der Wissenschaftler Carl June von der Universität von Pennsylvania. Der bekannteste Patient ist das inzwischen zwölfjährige Mädchen Emily Whitehead, das im Alter von sechs Jahren behandelt worden war. Sie gilt seitdem als geheilt.

Quelle: n-tv.de

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