Wirtschaft

Wirecard-Geheimpapier enthüllt EY hat etliche Warnsignale übersehen

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EY will davon nichts wissen und weist den Vorwurf des Fehlverhaltens zurück.

(Foto: imago images/Hannelore Förster)

Eigentlich sollte der Untersuchungsausschuss im Fall Wirecard Licht ins Dunkel bringen. Doch ausgerechnet der Bericht von Wirtschaftsprüfer Wambach über die Arbeit von EY wird der Öffentlichkeit bislang vorenthalten. Jetzt sind die 168 Seiten einsehbar.

Das "Handelsblatt" hat den als geheim eingestuften Sonderbericht zur Arbeit der Wirtschaftsprüfgesellschaft EY bei Wirecard im Wortlaut veröffentlicht. Das Team um Martin Wambach geht darin mit EY hart ins Gericht. Die Wirtschaftsprüfer, die bei Wirecard seit 2009 die Bilanzen prüften, hätten zahlreiche Warnsignale übersehen, heißt es in dem Bericht, der sich mit dem größten Wirtschaftsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt.

Demnach legt die Analyse der Sonderermittler auch nahe: Hätte EY konsequent nach den Normen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) geprüft, wären Geschäftsgebaren möglicherweise viel früher aufgedeckt worden. Die Wirtschaftsprüfer hätten schon 2015 "wesentliche Defizite in der Buchhaltung" gefunden, die als "Fraud-Indikatoren" einzuschätzen gewesen seien und "von einem Abschlussprüfer als solche gewürdigt werden hätten können".

Im 168 Seiten umfassenden "Wambach-Bericht" finden sich laut "Handelsblatt" Sätze wie: "Von EY war keine Diskussion und Plausibilisierung dieser Auffälligkeiten erkennbar." In den EY-Dokumenten sei weder "die notwendige kritische Grundhaltung" noch die aus der speziellen Lage resultierende "höhere Risikoeinschätzung eines Abschlussprüfers" erkennbar gewesen.

Konkret benennt das geheime Dossier hierfür etwa, dass EY bei der besonders kritisch einzustufenden Übernahme der indischen Hermes-Gruppe "im Wesentlichen auf mündliche und schriftliche Erklärungen der möglicherweise unter Verdacht stehenden Personen" vertraut habe und bei einem wichtigen Kaufvertrag mit der Al-Alam-Gruppe aus Dubai offenbar nicht bemerkt habe, dass im Vertrag anstelle von Al Alam sechsmal der Name eines anderen Unternehmens stand.

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EY will von all dem nichts wissen und weist den Vorwurf des Fehlverhaltens zurück. "Entsprechend der IDW-Prüfungsstandards lässt eine Beurteilung in Rückschau gerade keinen Rückschluss auf Fehlverhalten des Abschlussprüfers zu", sagt ein Sprecher dem "Handelsblatt". Hinzu komme, dass die Ermittlungsbeauftragten bei ihrer Arbeit nur einzelne Aspekte der Prüfungshandlungen von EY betrachten konnten. Die Prüfer von EY hätten "nach bestem Wissen und Gewissen" gearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt trotz aller Relativierungsversuche aktuell gegen zwei EY-Prüfer wegen des Verdachts auf Beihilfehandlungen. Außerdem hat die Aufsichtsbehörde APAS eine Untersuchung eingeleitet, die Mitarbeiter könnten ihre Zulassung verlieren. Momentan ist allerdings noch nicht klar, ob und falls ja, in welcher Höhe EY für die entstandenen gigantischen Schäden haften könnte. Denn die Wirecard-Aktien, die Rekordstände von fast 200 Euro erreicht hatten, sind heute nur noch einige Cent wert und Spielball von Spekulanten.

Quelle: ntv.de, jki

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