Wirtschaft

"Meine Antwort wäre nein" Fed-Chef Powell bietet Trump die Stirn

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Sturmwolken über der Weltwirtschaft: Fed-Chef Powell nährt Fantasien auf eine Zinssenkung.

(Foto: AP)

US-Präsident Trump droht dem Chef der US-Notenbank ganz unverhohlen mit dem Rauswurf. Nun sendet Fed-Chef Powell die heiß ersehnten Signale für eine Leitzinssenkung - die erste seit mehr als zehn Jahren. Zugleich macht Powell klar, dass man ihn nicht so einfach abberufen kann.

Angesichts der wiederholten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf seinen geldpolitischen Kurs hat Fed-Chef Jerome Powell deutlich gemacht, dass er sich gegen eine mögliche Abberufung stemmen würde. "Meine Antwort wäre nein", sagte der US-Notenbankpräsident bei einer Kongressanhörung in Washington. Das Gesetz sehe eindeutig eine vierjährige Amtszeit vor - und er habe vor, dies zu erfüllen.

Trump wirft der Zentralbank und Powell seit Monaten vor, das wirtschaftliche Wachstum der USA mit Zinserhöhungen zu bremsen. Trump deutete sogar an, dass er den von ihm selbst nominierten Notenbankchef abberufen könnte.

Die unverhohlene Kritik des Präsidenten an der Fed ist dabei höchst ungewöhnlich, da die Fed unabhängig vom Weißen Haus zu agieren hat. Erst am vergangenen Freitag hatte Trump der Notenbank Inkompetenz vorgeworfen und erklärt, die US-Wirtschaft würde abgehen "wie eine Rakete", wenn die Fed die Leitzinsen senken würde.

Fed offen für Leitzinssenkung

Powell zeigte sich angesichts der Unsicherheit wegen der internationalen Handelskonflikte und einer Abkühlung der globalen Konjunktur offen für eine mögliche Senkung des Leitzinses. Dieses Argument zugunsten einer Senkung habe "an Stärke gewonnen", sagte er und bekräftigte damit eine bereits geäußerte Einschätzung.

Investoren werteten dies als klares Signal dafür, dass die Fed sich Ende Juli bei ihrer kommenden Sitzung auf eine Zinssenkung festlegen werde. Niedrige Zinsen sind das Instrument der Zentralbanken, um die Konjunktur anzukurbeln. Im vergangenen Jahr hatte die Fed den Leitzins vier Mal leicht angehoben. Er befindet sich aber immer noch auf relativ niedrigem Niveau.

Das ist eine bemerkenswerte Tonänderung. Vor zwei Monaten hatte Powell noch gesagt, dass die "jüngste Inflationsschwäche wahrscheinlich vorübergehend sein dürfte". Der nachlassende Inflationsdruck könnte es der Zentralbank erleichtern, niedrigere Zinsen zu rechtfertigen, insbesondere angesichts der zunehmenden Sturmwolken, die durch Handelspolitik und globale Wachstumsschwäche am Horizont entstehen. Die letzte Zinssenkung liegt mehr als zehn Jahre zurück - im Dezember 2008.

Investoren an den Zinsfuturesmärkten erwarten, dass die Fed ihren Leitzins, der derzeit in der Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent liegt, bei der Sitzung am 31. Juli um 25 Basispunkte senken wird. Powell wird am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats auftreten.

Handelskonflikt mit China belastet US-Konjunktur

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Der Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft lasteten weiter auf dem Konjunkturausblick, warnte Powell. Hinzu komme die Gefahr, dass sich die gedämpfte Inflation noch hartnäckiger halten könne als erwartet und sich somit nicht als vorübergehendes Phänomen erweise. Zudem hätten sich Investitionen "spürbar verlangsamt" und das Wirtschaftswachstum habe ein mäßigeres Tempo angeschlagen.

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sprach von einem "deutlichen Signal" für eine baldige Leitzinssenkung. Ökonom Michael Pond vom Finanzhaus Barclays sieht die Fed auf einen Zinsschritt zusteuern, der als Absicherung gedacht sein könne: "Falls sich die Wirtschaft abkühlt und die Fed den Zins senkt, tut sie eigentlich nichts anderes als das schwächere Wachstum auszugleichen."

Die US-Wirtschaft hatte zu Jahresbeginn zwar mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 3,1 Prozent kräftig zugelegt. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass sich das Wachstum im Frühjahr abgekühlt haben dürfte. Zur Eintrübung könnte auch der von Trump angezettelte Zollkonflikt mit China beitragen.

Quelle: n-tv.de, mau/rts/DJ

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