Wirtschaft

Größte Erhöhung seit 30 Jahren Fettes Lohnplus der Metaller heizt Inflation nicht an

289543928.jpg

Der Tarifeinigung waren lange und harte Verhandlungen vorausgegangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

6,5 Prozent - so eine starke prozentuale Lohnerhöhung hat die Metallbranche seit Jahrzehnten nicht gesehen. Kommt damit die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale in Gang? Ökonomen geben Entwarnung. Auf den zweiten Blick kostet der Tarifabschluss die Unternehmen viel weniger, als es angesichts der hohen Prozentzahl scheint.

Seit Monaten appellieren Politiker, Wirtschaftsverbände und Ökonomen an die Gewerkschaften, bei den Tarifverhandlungen angesichts der hohen Inflationsraten Zurückhaltung zu üben. Denn, so die Theorie der berüchtigten Lohn-Preis-Spirale, hohe Lohnsteigerungen erhöhten die Kosten für die Unternehmen, die dann wiederum ihre Preise erhöhen und die Inflation anheizen würden. Angesichtes dieser Warnungen hatte die IG Metall mit ihrer Forderung von über acht Prozent für die Tarifverhandlungen der Stahlbranche in Nordwestdeutschland für Aufsehen gesorgt. Zum Vergleich: Die Inflationsrate in Deutschland war zuletzt auf 7,9 Prozent gesprungen.

Auch wenn die Tarifparteien nach harten Verhandlungen nun die nach Gewerkschaftsangaben höchste Gehaltssteigerung seit 30 Jahren beschlossen haben, geben Ökonomen in ersten Reaktionen Entwarnung: Das kräftige Lohnplus von 6,5 Prozent plus Einmalzahlungen sei nicht dazu geeignet, eine Lohn-Preis-Spirale in Gang zu bringen. "Wenn es hier etwas zu sehen gibt, ist es ein realer Lohn-Einschnitt, aber keine Lohn-Preis-Spirale", schreibt der Düsseldorfer Ökonom Jens Südekum auf Twitter.

Da der Tarifabschluss für 18 Monate gilt, entspricht er auf ein Jahr gerechnet nur einer Steigerung um rund 4,3 Prozent. Das heißt, er gleicht nur etwas mehr als die Hälfte des Kaufkraftverlustes der Löhne durch die Inflation aus. Das sei, so schreibt der Deutschland-Chef von Oxford Economics, Oliver Rakau, auf Twitter, "sicherlich moderat".

Geringere Abschlüsse in anderen Branchen zu erwarten

Lohnsteigerungen unterhalb der Inflationsrate bedeuten zwar, dass andere Faktoren wie Energie- und Lebensmittelkosten die Preise weit stärker treiben. Der Maßstab dafür, dass von den Löhnen wirklich gar kein unerwünschter Inflationsdruck ausgeht, ist allerdings das offizielle Inflationsziel von zwei Prozent. Nur wenn die Lohnkosten der Unternehmen um diese zwei Prozent pro Jahr plus die Steigerung der Produktivität zulegen, ist die Lohnentwicklung neutral. Das bedeute, dass für die deutsche Wirtschaft "ein Lohnzuwachs von rund drei Prozent keinen Kostendruck auf die Inflation erzeugt", wie Sebastian Dullin, Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, auf Twitter ausführt.

Laut Dullin dürfte der Stahltarifabschluss auch diese Bedingung erfüllen. Denn die Metallarbeitgeber hatten im vergangenen Jahr Einmalzahlungen zusätzlich zu den Löhnen gemäß Tariftabellen gezahlt. Grundlage für die jetzt vereinbarte Tariferhöhung sind aber die Tabellenwerte, und damit niedrigere Werte als die tatsächlichen Jahreseinkommen. Außerdem tritt der Abschluss im August in Kraft und wirkt sich damit auf das Kalenderjahr gerechnet nicht voll aus. Die Lohnkosten steigen daher deutlich weniger als 4,3 Prozent pro Jahr.

Um die Inflationsdynamik nachhaltig anzufachen, ist die nordwestdeutsche Eisen- und Stahlindustrie mit ihren 68.000 Beschäftigten ohnehin zu klein. Da viele Stahlunternehmen zuletzt gut verdient haben, und zudem die IG Metall als Gewerkschaft hier eine sehr starke Position hat, hat der Tarifabschluss zudem nur eine eingeschränkte Signalwirkung. Viele Branchen dürften eher dahinter zurückbleiben. Daher, so schreibt Dullin, "sollte der jüngste Abschluss diejenigen, die eine Lohn-Preis-Spirale fürchten, eher beruhigen als alarmieren".

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen