Wirtschaft

Air Berlin fährt Achterbahn Hobby-Zocker entdecken Börsen-Zombies

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Börsen-Zombies sind keine Seltenheit.

(Foto: REUTERS)

Seit Jahren ist Air Berlin pleite. Dennoch rast der Aktienkurs plötzlich um mehr als 500 Prozent in die Höhe, um dann wieder in die Tiefe zu rauschen. Auch bei Arcandor und Wirecard gibt es wilde Kursturbulenzen. Was ist da los?

Der Internet-Flashmob hat die Aktien deutscher Pleitefirmen entdeckt - mit Air Berlin, Arcandor und Wirecard wird jetzt wild spekuliert. Die Methode: Hobby-Zocker verabreden sich in Foren etwa auf der Internet-Plattform Reddit, um Aktien zu kaufen, um damit gemeinsam den Kurs nach oben zu treiben. Beim amerikanischen Videospiele-Händler Gamestop war das besonders eindrucksvoll gelungen, die Aktien haben nach einer wilden Achterbahnfahrt seit Jahresbeginn unter dem Strich immer noch rund 2000 Prozent an Wert gewonnen.

Air Berlin
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In Deutschland war das Phänomen der "Meme-Aktien" spätestens mit der Kursexplosion bei Windeln.de angekommen. In den vergangenen fünf Tagen hatte sich der Wert fast vervierfacht, heute ging es allerdings zeitweise um mehr als 30 Prozent nach unten.

Nun sind auch Firmen an der Reihe, die längst pleite sind. Mit ihnen lässt sich besonders gut zocken, da sie nur Cent-Beträge kosten. Also schossen die Aktien von Air Berlin gestern mehr als 500 Prozent nach oben, obwohl das Unternehmen seit 2018 insolvent ist. Dann ging es vom Höchststand bei etwa 4 Cent für die Aktien wieder steil bergab. Heute geht das Börsen-Kasino munter weiter. Der Spaß ist erst dann beendet, wenn sich die Initiatoren der Rally verabschiedet haben und die Kurse nach unten rauschen, weil die Masse der Zocker zum Ausgang drängt.

Totgesagte leben länger

Bei Arcandor sind die Kursbewegungen weniger wild, aber dennoch stattlich. Kosteten die Aktien am Montag noch rund 2,8 Cent, liegt der Preis nun sieben Prozent im Plus bei 3,4 Cent. Kursgewinn seit Jahresbeginn: Rund 20 Prozent. Die ehemalige Karstadt-Mutter ist seit 2009 insolvent.

Und Wirecard? Die Aktien der Skandal-Firma dümpelten lange um den Kurs von 33 Cent herum, als sie gestern plötzlich rund 80 Prozent auf 60 Cent nach oben rasten. Mittlerweile sind sie auf rund 45 Cent gefallen.

Bleibt die Frage, warum die Firmen überhaupt noch an der Börse sind. Der Grund: Unternehmen verschwinden nicht automatisch vom Aktienmarkt, wenn sie pleite sind. Dafür muss ein sogenanntes Delisting beantragt werden. Oft lassen sich Insolvenzverwalter damit Zeit. Und selbst wenn der Antrag beim Börsenbetreiber gestellt ist, kann es lange dauern, bis der Schritt vollzogen ist. Und für Hobby-Trader ergibt sich so die Möglichkeit, eifrig mit Börsen-Zombies zu zocken.

Quelle: ntv.de

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