Wirtschaft

Leopoldina schlägt 100 Euro vor Höherer CO2-Preis soll Ampel Geld bringen

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Wenn der CO2-Preis steigt, werden Benzin und Diesel teurer.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Nach dem Umweltbundesamt dringt auch der Leopoldina-Präsident darauf, dass die neue Regierung umweltschädliche Subventionen streichen soll. Haug kritisiert die drei Ampel-Parteien dafür, dass noch kein höherer CO2-Preis verabredet wurde. Er selbst schlägt 100 Euro pro Tonne vor.

Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Gerald Haug, dringt auf deutlich höhere CO2-Preise. "Sorgen wir dafür, schnell einen CO2-Preis von 100 Euro pro Tonne zu bekommen", sagte Haug dem "Spiegel" - derzeit sind 25 Euro pro verursachter Tonne CO2 beim Handel mit Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas zu bezahlen. Gleichzeitig sollten klimaschädliche Subventionen abgebaut werden, um den finanziellen Spielraum der neuen Bundesregierung zu erhöhen. "Dann ist wieder Geld in der Kasse", sagte Haug. Davon sollten 50 Prozent an die unteren 30 Prozent der Einkommensbezieher gehen, um einen sozialen Ausgleich für die höhere CO2-Bepreisung zu schaffen. Die andere Hälfte solle in eine nachhaltige Infrastruktur investierte werden, verlangte der Wissenschaftler.

Haug kritisierte, dass sich SPD, Grüne und FDP bislang nicht zur weiteren Entwicklung des CO2-Preises geäußert haben. "Das muss sich ändern", forderte er im "Spiegel". Er betonte, die CO2-Bepreisung sei national wie international das entscheidende Instrument, um beim Klimaschutz voranzukommen.

Verkehrs-Subventionen auf dem Prüfstand

Bei der neuen Bundesregierung plädierte der Leopoldina-Präsident sowohl für eine Bündelung von Kompetenzen in einem Klimaministerium als auch für ein Klimakabinett, um unter Leitung des Bundeskanzlers die mit dem Thema in Verbindung stehenden Fragen zu koordinieren. Aufgabe des Klimaministeriums würde es dabei sein, "als vordenkende Einrichtung Perspektiven und Details" zu erarbeiten. Zweifel äußerte Haug, ob global das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. "Schon jetzt liegen die Temperaturen auf der Erde um 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau", gab er zu bedenken. Er spreche daher lieber vom Zwei-Grad-Ziel, das noch zu erreichen sei, "weil wir das noch einhalten könnten, wenn wir uns jetzt wirklich anstrengen".

Am Vormittag hatte das Umweltbundesamt (UBA) vorgerechnet, dass die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen in Deutschland finanzielle Spielräume in Milliardenhöhe für mehr Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit erschließen könnte. Einer UBA-Studie zufolge gab es in Deutschland 2018 umweltschädliche Subventionen im Gesamtvolumen von mindestens 65,4 Milliarden Euro. Davon entfielen 47 Prozent allein auf den Verkehrsbereich, 39 Prozent auf den Energiesektor, 9 Prozent auf die Land- und Forstwirtschaft sowie rund 5 Prozent auf Bauen und Wohnen.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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