Wirtschaft

Pharmakonzern Sanofi warnt Impfstoff erstmal nur für US-Bürger?

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Könnten die USA im Vorteil sein, wenn ein Impfstoff gefunden wird?

(Foto: imago images/Future Image)

Ein Impfstoff gegen das Coronavirus ist aktuell noch nicht in Sicht. Allerdings wird mit Hochdruck daran gearbeitet, doch selbst wenn er gefunden ist, wird es erstmal nicht genug für alle geben. Das Pharmaunternehmen Sanofi glaubt, US-Bürger könnten dann im Vorteil sein.

Mit Hochdruck wird in den Laboren nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. Das ist laut eines Artikels der "FAZ" allerdings gar nicht die größte Herausforderung, sondern wie viele Millionen Dosen davon produziert werden können.

Das sagte dem Bericht zufolge Paul Hudson, Vorstandsvorsitzender des französischen Pharmakonzerns Sanofi, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Der Brite zeigte sich zwar zuversichtlich, dass bald ein Impfstoff gefunden würde, wahrscheinlich von Sanofi selbst, doch die Schwierigkeit bestehe darin, ihn in riesigen Mengen zur Verfügung zu stellen.

"USA haben die Nase vorn"

Sanofi hatte angekündigt, bis zur zweiten Jahreshälfte 2021 bis zu 600 Millionen Dosen zu produzieren. Nun hat der Konzern die Zahl auf eine Milliarde Dosen im kommenden Jahr erhöht. Um das zu gewährleisten, kooperiert Sanofi mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK). Nicht die zeitlichen Fristen bereiten Hudson eigener Aussage nach Sorgen, sondern die Massenproduktion. Der Manager rief deshalb die europäischen Behörden dazu auf, die Pharmaunternehmen bei ihren Investitionen zu unterstützen. Neue Produktionsstätten, Abfüllanlagen und Verpackungsmaschinen wären nötig, noch ehe der Impfstoff überhaupt gefunden sei.

Diesbezüglich hätten die USA die Nase vorn. Ihre Behörde Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda) habe bereits Verträge für finanzielle Unterstützung mit Herstellern abgeschlossen, darunter auch Sanofi Pasteur, die Impfstoff-Tochtergesellschaft von Sanofi, die mit den Konkurrenten Pfizer, GSK und MSD zu den vier großen Impfstoffherstellern der Welt gehört, heißt es in dem Artikel weiter. "Doch all diese Impfstoffe werden in den Vereinigten Staaten hergestellt, denn Barda unterstützt sie", wird Hudson von der "FAZ" zitiert. Daher sei es gut vorstellbar, "dass die amerikanische Regierung dafür sorgt, dass die Amerikaner zuerst geimpft werden."

Kritik an EU-Kommission

Hudson forderte, Europa dürfe "nicht der Zweite auf der Liste sein, auch nicht andere Regionen mit den Schwellen- und Entwicklungsländern". Doch in Europa gebe es seiner Meinung nach "einen Mangel an Koordination". Seine Kritik ging an die EU-Kommission, sie habe bisher nicht eine Strategie wie die Vereinigten Staaten mit Barda eingeschlagen. "Das Niveau der Vorbereitung auf eine Pandemie ist in Europa sehr niedrig." Daher spreche man nun mit den Regierungen der großen Länder.

Sanofi seit zusammen mit GSK "der einzige große Akteur ist, den Europa hat." Von den fast achtzig Forschungsprojekten, die derzeit weltweit liefen, sei keines in der Lage, große Volumen zu produzieren, auch nicht die deutschen Startups Curevac und Biontech, kritisierte er die Konkurrenz. Dass Biontech eine Kooperation mit Pfizer gestartet hat, erwähnte er dabei nicht. "Wenn jemand 5, 10 oder 50 Millionen Dosen produzieren kann – so ist das ein Beitrag. Aber es reicht bei weitem nicht", so Hudson weiter.

Sanofi-Vorstandsmitglied David Loew hatte der "FAZ" schon vorher gesagt, dass ein Impfstoff im nächsten Jahr zur Verfügung stehen könnte, auch wenn er nicht voll wirksam sei. Die langen Entwicklungszeiten würden entstehen, weil Hersteller und Behörden hohe Wirksamkeitsraten anstreben. Grippe-Impfstoffe dagegen hätten im Durchschnitt nur eine Wirksamkeit von 40 Prozent, berichtete Loew, dennoch retteten sie Millionen von Menschen das Leben. So sei es auch denkbar, dass ein Impfstoff gegen Covid-19 zumindest am Anfang weit von einem hundertprozentigen Schutz entfernt sei.

Quelle: ntv.de, nan

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