Wirtschaft

C&A macht Filialen dicht "Kartellamt befeuert Kaufhaussterben noch"

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Neuer Look oder Torschluss? Das Sterben der Innenstädte und Einkaufsmeilen schreitet mit den Filialschließungen von C&A weiter voran.

(Foto: www.imago-images.de)

Der einst stolze Modehändler C&A muss wegen schrumpfender Umsätze Filialen schließen. Wie viele, entscheidet sich noch. Ist das der Anfang vom Ende? "Allein durch Sparen wird es für C&A schwer, gegen H&M und Zalando zu bestehen", sagt Ökonom Haucap ntv.de. Hier sei auch die Politik gefordert.

n-tv.de: C&A steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Was bedeutet das für die Branche und die Kunden?

Justus Haucap: Die Versorgung der Bevölkerung mit Kleidung ist sicherlich nicht gefährdet, aber für einige Hersteller wäre es unvorteilhaft, weil dadurch die Abhängigkeit von anderen Händlern zunimmt. Für die Konsumenten wäre es weniger tragisch. Denn in diesem Segment des Handels herrscht ein sehr intensiver Wettbewerb.

Wie schlimm steht es um C&A? Nach jetzigem Stand werden 13 Filialen geschlossen, es könnten aber auch mehr werden, hat das Unternehmen eingeräumt. Spekuliert wurde bereits über das Aus von 100 Filialen in Deutschland in den nächsten Jahren - das wäre ein Viertel aller Standorte. Ist das der Anfang vom Ende für den Traditions-Modehändler?

Wie viele Filialen unrentabel sind, kann man von außen kaum beurteilen. Aber der Wettbewerbsdruck nimmt zu: Einerseits durch internationale Ketten wie H&M, Zara oder Primark, die aufgrund ihrer internationalen Präsenz in sehr vielen Ländern der Welt auch sehr großer Stückzahlen abnehmen können und so sehr günstig sind, andererseits durch E-Commerce, also Zalando und Co.

Die Sanierungspläne des Konzerns wirken mager: Filialen schließen, etwas renovieren, Mietpreissenkungen erzwingen - darüber hinaus gibt es wenig. Verdient so etwas den Namen Neustart?

Allein durch einen Sparkurs wird es für C&A schwer, im Wettbewerb zu bestehen. Die genannten internationalen Ketten H&M, Zara, Primark haben deutliche Kostenvorteile und die Internethändler erreichen heute schon viele Kunden, die dem Unternehmen dann fehlen werden.

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Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.

Vorstandschef Edward Brenninkmeijer will sich künftig auf "die Grundlagen des Handels" konzentrieren und mit "Feel-Good-Fashion" und "Qualität" punkten. Kann er den Wettbewerbern damit ernsthaft Paroli bieten?

Da bin ich weniger skeptisch. Es gibt durchaus Kunden, die auf faire Produktionsbedingungen und nachhaltige Produktionsweisen Wert legen und dafür auch zu zahlen bereit sind. Diese Kundengruppe wächst zudem und erlaubt auch höherer Margen, da es nicht auf den Cent ankommt. Ich halte es nicht für falsch, das Unternehmen in diese Richtung stärker zu repositionieren. Den Kostenwettbewerb mit Primark, H&M und Co. wird man jedenfalls nicht gewinnen können.

Ein anderer Plan ist, im Online-Geschäft besser Fuß zu fassen. Hat das Potenzial?

Das ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Allerdings muss man dafür durchaus investieren.

Der Leerstand in den Einkaufsstraßen schreitet damit weiter voran. Müssen wir uns an tote Innenstädte gewöhnen oder naht von irgendwoher Rettung?

In der Tat ist der Internethandel nicht aufzuhalten. Viele Menschen schätzen die Bequemlichkeit des Online-Shoppings. Gerade für Klein- und Mittelstädte ist das ein Problem. Allerdings ist auch die Politik gefordert. So geht das Kartellamt in Deutschland etwa ziemlich rigoros gegen Hersteller vor, die dem stationären Handel günstigere Konditionen einräumen wollen als dem Online-Handel, weil das Amt das für eine wettbewerbswidrige Praxis hält. Das befeuert natürlich die Verdrängung des stationären Handels, wenn die Hersteller dem stationären Handel nicht entgegenkommen dürfen.

Mit Justus Haucap sprach Diana Dittmer

Quelle: ntv.de