Wirtschaft

"Erhebliche Störungen" an Grenze London richtet sich auf Lieferkettenchaos ein

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Das Verkehrsaufkommen zwischen Dover und Calais war in der ersten Woche des neuen Jahres noch gering.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU fallen seit diesem Jahr zusätzliche Kontrollen und Zölle an der Grenze an. Anders als erwartet, hat das den Warenverkehr bislang nicht behindert. In den nächsten Wochen dürfte sich das ändern, räumt ein britischer Minister ein.

Der britische Staatsminister Michael Gove hat vor "erhebliche zusätzliche Störungen" im Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU in den kommenden Wochen gewarnt. Das werde vor allem den Hafen von Dover betreffen, wo täglich Tausende Lastwagen von Fähren ins französische Calais und andersherum befördert werden, sagte Gove.

Die Regierung werde ihre "Bemühungen verdoppeln, um die genauen bürokratischen Anforderungen zu kommunizieren, die erforderlich sind, um sicherzustellen, dass der Handel frei fließen kann", kündigte er an.

In der ersten Woche des neuen Jahres war das Verkehrsaufkommen an der wichtigsten Handelsroute des Landes noch erheblich geringer als üblich. Viele Unternehmen hatten vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase zum Jahreswechsel ihre Lagerbestände aufgestockt. Doch nun wird erwartet, dass der Handel wieder anzieht und damit die Probleme zunehmen.

Für den Handel zwischen der EU und Großbritannien fallen mit dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt zusätzliche Kontrollen und teils auch Zölle an.

Fischer, Paketdienstleister und Modeketten sind bereits von höheren Kosten durch Zollbürokratie und Zertifikate über Lebensmittelsicherheit betroffen und haben ihre Lieferungen auf den Kontinent und nach Irland teilweise eingestellt. Besonders die Fischer, die einen großen Teil ihres Fangs auf dem europäischen Markt verkaufen, leiden durch verlängerte Lieferzeiten ihrer leicht verderblichen Ware.

Eingriff in "gut geölte Lieferketten"

Der Chef des Online-Supermarkts Ocado, Stuart Rose, sagte Preiserhöhungen für die Verbraucher in Großbritannien voraus. "Sie können nicht in das 50 Jahre alte Vermächtnis einer gut geölten Lieferkette eingreifen und davon ausgehen, dass alles vom ersten Tag an wie geschmiert läuft", so Rose im BBC Radio 4.

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Er gehe kurzfristig von Knappheiten bei einigen Lebensmitteln in Großbritannien aus, eine Hungersnot werde es aber nicht geben, so Rose. Ihm zufolge kommen in der kalten Jahreszeit 50 bis 80 Prozent der Früchte und des Gemüses auf dem britischen Markt aus der EU.

Der Hafen von Dover widersprach derweil Berichten, wonach es zu Verzögerungen bei der Überfahrt kommt. Das Aufkommen sei im Januar stets geringer und der Betrieb laufe reibungslos, teilte der Hafenbetreiber mit. Viele europäische Logistikfirmen zögern jedoch wohl damit, ihre Lkw auf die Insel zu schicken, nachdem es kurz vor Weihnachten zu langen Staus gekommen war, als Frankreich wegen einer neuen Virusvariante in England seine Grenzen komplett zumachte.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa