Wirtschaft

Wirecard-Chef tritt ab Markus Braun wird so nicht davonkommen

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Götterdämmerung für Markus Braun.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Abgang von Wirecard-Gründer Braun ist feige: Erklärungen für den milliardenschweren Bilanzskandal bleibt der Ex-Dax-Chef schuldig, Verantwortung übernimmt er nicht. So billig wird er sich nicht aus der Affäre ziehen können. Für sein womöglich kriminelles Handeln wird er geradestehen müssen.

Aus und vorbei. Alles Lavieren, Rausreden und Zurückschießen nützt nichts mehr: Markus Braun, der wohl umstrittenste Chef eines Dax-Konzerns, geht bei Wirecard von Bord - endlich. Dass der Gründer von Deutschlands Vorzeige-Fintech kapituliert und geschlagen das Feld räumt, ist für Braun eine persönliche Niederlage. Für den Konzern ist es eine längst überfällige Gelegenheit, der Kontrolle des übermächtigen Firmengründers zu entkommen und einen dringend nötigen Neuanfang zu machen.

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Aber ein Befreiungsschlag ist das weder für Wirecard noch für Braun. Das ganze Ausmaß des gigantischen Bilanzskandals wird erst langsam sichtbar. Und Braun hat sich zwar bei allen "Aktionären, Kunden, Partnern und Mitarbeitern für die Turbulenzen der letzten Wochen und Monate" entschuldigt. Doch weder trägt er zur Aufklärung bei, noch übernimmt er auch nur einen Hauch von Verantwortung für das Desaster, das auf seine Kappe geht.

Sein unrühmlicher Abgang schafft keine Transparenz, es stärkt kein Vertrauen. Man kann es nicht anders sagen: Braun stiehlt sich feige davon, nachdem ihn die Investoren vom Hof gejagt haben. Er hinterlässt bei Wirecard ein Trümmerfeld, das andere aufräumen müssen. Doch davonkommen wird er damit nicht.

Braun war ahnungslos oder kriminell

Die in Panik flüchtenden Anleger haben ihr Urteil längst gefällt: 80 Prozent ist der Wirecard-Kurs seit seinem Offenbarungseid abgerutscht, wonach ein Viertel des Geldes bei Deutschlands Vorzeige-Fintech gar nicht existiert. "Beyond Payments" (auf Deutsch: Mehr als Zahlungsverkehr) - wer hätte gedacht, dass der Wirecard-Slogan zu dem Konzern, den Braun geschaffen hat, einmal auf so fatale Weise passen würde. Denn ums Bezahlen im Internet geht es bei Wirecard längst nicht mehr. Der Dax-Shootingstar ist unter Braun offenbar zum Bilanzjongleur geworden.

Braun hat in den vergangenen Monaten immer neue Nebelkerzen geworfen, um diesen Tag der Wahrheit zu vermeiden. Er hat Besserung gelobt, schon im April einen Teil seiner Macht abgegeben und eine Compliance-Abteilung eingerichtet. Aber Antworten darauf, was er und Wirecard in Zukunft besser machen wollten, blieb er schuldig. Noch im Rücktritt setzt er auf die bekannte Masche: Braun stilisiert sich selbst und Wirecard zum Opfer von Betrügern. Über sein eigenes Versagen verliert er dagegen kein Wort.

Dabei gibt es nun kaum noch Zweifel: Die Banken auf den Philippinen, die im Mittelpunkt des Bilanzbetrugs stehen, haben mitgeteilt, dass es die Konten, auf denen Wirecard angeblich fast zwei Milliarden Euro bunkerte, nie gab. Es bleiben also nur zwei Möglichkeiten: Entweder gab es bei Wirecard einen katastrophalen Kontrollmangel und Braun war ein Möchtegern-Manager - wie soll man es sonst nennen, wenn ein Dax-Vorstand nicht weiß, dass es ein Viertel seines Geldes gar nicht gibt? Oder Braun hat von dem Bilanzbetrug in Asien gewusst und ihn vertuscht - dann wäre er ein Betrüger.

Zerbricht Wirecard am Bilanzskandal?

Egal ob Braun nur ahnungslos oder schon kriminell war: So oder so ist er verantwortlich für das, was unter seiner Führung passierte, auch wenn er mit dem Finger auf andere zeigt. Mindestens werden ihm diese Botschaft wütende Investoren per Schadenersatzklage überbringen. Und vielleicht sogar Staatsanwälte mit einem Haftbefehl.

Wirecard selbst könnte an diesem Vermächtnis seines Ex-Chefs zerbrechen. Braun hat nicht nur die Aktionäre in die Irre geführt. Mit seinem feigen Abgang lässt er auch seine Mitarbeiter im Stich. Sie müssen die Suppe für sein Versagen auslöffeln. Wenn die Abschlussprüfer von Ernst & Young nicht schnellstens den Jahresabschluss von Wirecard bestätigen, können die Banken dem Münchner Unternehmen den Geldhahn zudrehen und Kredite in Höhe von zwei Milliarden Euro kündigen.

Laut Wirecard laufen angeblich "konstruktive Verhandlungen" mit den Geldgebern. Trotzdem sind die Anleger verunsichert. Wer kann es ihnen nach dem monatelangen Vertuschungsmarathon von Markus Braun verdenken? Nur eines kann ihnen Hoffnung geben: Jetzt wo Markus Braun weg ist, hat Wirecard vielleicht noch eine Chance.

Quelle: ntv.de