Wirtschaft

Konsequenz aus Bilanzskandal Wirecard-Chef Braun tritt zurück

Im Zuge des Bilanzskandals bei Wirecard gibt es nun eine gravierende personelle Konsequenz. Mit sofortiger Wirkung tritt Konzernchef Braun zurück. Seinen Posten bei dem Dax-Unternehmen übernimmt ein erst am Vorabend in den Vorstand berufener Manager.

Der Chef des skandalumwitterten Finanzdienstleisters Wirecard, Markus Braun, ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der Schritt sei im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat erfolgt, teilte das Dax-Unternehmen mit. Interims-Chef wird demnach der erst am Vorabend in den Vorstand berufene US-Manager James Freis.

Wirecard hatte am Donnerstag seinen eigentlich für April angekündigten Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben und war nach eigenen Angaben von den Abschlussprüfern darauf hingewiesen worden, dass für die Existenz von Bankguthaben über 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten keine ausreichenden Nachweise vorlägen. Die Summe entspricht laut Unternehmen in etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme und war von Tochtergesellschaften als Garantie für das Risikomanagement von Händlern hinterlegt worden, für die Wirecard Zahlungen abwickelt.

Am Donnerstag erlitt die Wirecard-Aktie ein Kursdebakel von minus 70 Prozent. Auch am Freitag befindet sie sich im freien Fall. Die Anleger trennen sich "koste was es wolle" scharenweise von dem Papier. Der Kurs knickt um weitere gut 40 Prozent ein auf 22,68 Euro. Am Donnerstag war die Aktie noch mit gut 101 Euro gestartet, hat seitdem also fast 80 Prozent an Wert verloren.

Der nunmehr Ex-Firmenchef Braun hatte vor seinem Rücktritt versucht, den Vertrauensverlust der Anleger zu stoppen, und erklärte in einer Stellungnahme per Video, Wirecard sei womöglich Opfer eines milliardenschweren Betrugs. Es sei demnach aktuell unklar, warum die beiden Banken, die im Auftrag von Wirecard Treuhandkonten verwaltet hätten, dem Wirtschaftsprüfer EY gegenüber erklärt hätten, Bestätigungen über dort angelegte Milliardensummen seien gefälscht.

Wirecard wickelt bargeldlose Zahlungen für Händler ab, sowohl an Ladenkassen als auch online. Aktionärsvertreter hatten den Rücktritt Brauns mehrfach gefordert, um rasch für Aufklärung zu sorgen. Auch droht eine Klagewelle.

Quelle: ntv.de, cri/rts/AFP/dpa