Wirtschaft

Nachfrage übertrifft Produktion Materialmangel plagt deutsche Industrie

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(Foto: picture alliance/dpa)

Die Auftragslage der deutschen Industrie übersteigt im März die Vorhersagen von Analysten und wächst überraschend stark. Die Produktion kommt dagegen nicht nach: Viele Firmen kämpfen weiter mit dem Mangel an wichtigen Chips. Sollte der behoben sein, prophezeien Experten einen Aufschwung.

Die deutsche Industrie hat im März den dritten Monat in Folge mehr Aufträge an Land gezogen. Die Bestellungen wuchsen vor allem wegen der stark verbesserten Nachfrage aus dem Inland und aus Übersee um 3,0 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,7 Prozent gerechnet. Im Februar hatte es ein Plus von 1,4 Prozent gegeben. Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, liegen die Bestellungen nun um 9,1 Prozent höher.

"Das sind die inzwischen wieder gewohnt guten Zahlen aus der Industrie", sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. "Gesamtwirtschaftlich waren Aufträge indes zuletzt gar nicht so sehr das Problem. Viel mehr kam die Produktion nicht nach." Grund dafür ist ein Mangel an Vorprodukten wie Halbleitern, dem zufolge viele Hersteller ihre Produktion bremsen mussten. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts klagten im April 45 Prozent der Industriebetriebe über Engpässe bei Vorprodukten - so viele wie noch nie. "Es bleibt das Dilemma, dass Aufträge schneller verteilt als abgearbeitet werden", sagte dazu der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Produktion wird dadurch nicht verhindert, eine beständig höhere Dynamik allerdings schon."

Ist der Materialmangel erst einmal behoben, dürften Sonderschichten fällig werden, um den Auftragsrückstand abzuarbeiten, ist sich Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank sicher: "Der Aufschwung wird nach Beendigung des Mangels umso stärker sein". Die Aufträge aus dem Inland legten diesmal um 4,9 Prozent zu. Das Auslandsgeschäft wuchs um 1,6 Prozent. Dabei nahmen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 0,7 Prozent zu, die aus dem restlichen Ausland um 2,2 Prozent. Gefragt waren beispielsweise Investitionsgüter wie Maschinen und Fahrzeuge: Hier zog die Nachfrage um insgesamt 2,5 Prozent an, die nach Konsumgütern sogar um 8,5 Prozent. Hersteller von Vorleistungen meldeten ein Plus von 2,8 Prozent.

Die exportabhängige deutsche Industrie kann in den kommenden Monaten von der Erholung des Welthandels von der Corona-Krise profitieren. Nach dem historischen Einbruch 2020 dürfte die Weltwirtschaft dieses Jahr um 6,0 Prozent zulegen und damit so stark wie seit 1976 nicht mehr, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) voraussagt. Treiber sollen die beiden wichtigsten Abnehmer von Waren "Made in Germany" sein: die USA und China.

Quelle: ntv.de, jhe/rts

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