Wirtschaft

Ist Schön Retter von Galeria? "Mitarbeiter sind das Pfund, mit dem man wuchern kann"

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Der Galeria-Vorstand will Verdi zufolge ein Drittel der 131 Filialen schließen.

(Foto: IMAGO/Jürgen Ritter)

Galeria Karstadt Kaufhof rutscht von einer Krise in die nächste. Vielen Standorten droht nun schon wieder die Schließung. Obwohl der Großteil der Filialen nicht profitabel ist, glaubt Investor Markus Schön an das Konzept Warenhaus - vor allem wegen der vielen motivierten Mitarbeiter.

Der Schritt der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, eine Insolvenz in Eigenverantwortung anzumelden, gefährdet die Arbeitsplätze von 17.4000 Beschäftigten. Schließlich hat der Konzern angekündigt, einen Großteil seiner verbliebenen 131 Kaufhäuser zu schließen. Ein Lichtblick für die enttäuschten und wütenden Angestellten, die laut der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi per Gehaltsverzicht jahrelang Millionen Euro in den Konzern investiert haben, könnte Investor Markus Schön sein. Der Geschäftsführer des Online-Händlers Buero.de hat Interesse an 47 gefährdeten Filialen in mittelgroßen Städten bekundet - und das, obwohl der Großteil der Filialen nicht profitabel ist. Über einen möglichen Kaufpreis ist bislang nichts bekannt.

Seine Idee: Das, was gut ist, führt man fort, das, was weniger gut ist, verändert man. Beim Sortiment oder der Präsentation kann man laut Schön sicherlich das eine oder andere verändern. Was aus seiner Sicht allerdings nicht vernachlässigt werden darf: Man habe tolle Mitarbeiter vor Ort. "Seit Jahren hören die Angestellten, ihre Arbeit lohnt sich nicht und ist an den Standorten nicht rentabel, und trotzdem kommen sie jeden Tag motiviert zur Arbeit und ziehen richtig mit. Das ist das Pfund, mit dem man tatsächlich wuchern kann", sagt Schön ntv.

Als Retter von Galeria Karstadt Kaufhof sieht sich Schön trotzdem nicht. "Retter ist vielleicht ein bisschen viel gesagt." Er habe Interesse, 47 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof zu übernehmen, die sonst von der Schließung bedroht wären. Dass diese Standorte nicht profitabel sind, ist für Schön kein Ausschlusskriterium, das könne man ja ändern. "Wir glauben, dass unser Konzept, das wir von Buero.de dann in den stationären Handel übertragen wollen, dazu führen würde, dass man wieder ein Einkauferlebnis herstellt", sagt Schön. Dieses Erlebnis würde dann dafür sorgen, dass auch bislang wenig rentable oder unrentable Standorte deutlich an Profitabilität gewinnen.

In seiner bisherigen Karriere hatte Schön wenig Berührungspunkte mit Warenhäusern. Seit 2019 ist der Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft Schön & Co. Laut eigener Aussage verwaltet die Gesellschaft rund 700 Millionen Euro. 2020 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von rund 119.000 Euro. Erst seit dem vergangenen Jahr ist Schön auch Vorsitzender des Vorstands von Buero.de.

Beschäftigte haben klare Erwartungen

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Einen konkreten Plan, unter welcher Marke die übernommenen Standorte laufen sollen, gibt es noch nicht. "Buero.de ist sicherlich ein bisschen kurz gegriffen, da wir nicht nur Büro- und Schulbedarf anbieten wollen, sondern breiter unterwegs sein werden", sagt Schön. Auch wenn die Namensgebung bislang noch keine Rolle gespielt hat, ist sich der mögliche Investor sicher: "Uns wird etwas weniger Sperriges als Galeria Karstadt Kaufhof einfallen."

Bei Verdi heißt es, die Beschäftigten hätten klare Erwartungen. Einerseits gebe es die Forderung an den Eigentümer, dass jetzt zusätzliches Geld in das Unternehmen fließen müsse. Andererseits sollten die Verantwortlichen das Ruder rumreißen und endlich ein Warenhaus der Zukunft präsentieren. Die Beschäftigten hätten viele konkrete Vorschläge für eine erfolgreiche Zukunft gemacht, die im Management wenig Gehör gefunden hätten.

Quelle: ntv.de, jki

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