Wirtschaft
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Dienstag, 24. Mai 2016

62 Milliarden Dollar sind zu wenig: Monsanto lehnt Bayer-Angebot ab

Monsanto hat in Europa keinen guten Ruf. Dennoch ist Bayer überzeugt, eine Fusion mit dem US-Agrarchemiekonzern könnte der große Wurf sein und bietet 62 Milliarden Dollar. Doch Monsanto ist das zu wenig und lehnt die Offerte ab.

Der US-Saatgutriese Monsanto hat die 62 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte von Bayer zurückgewiesen. Die Offerte sei zu niedrig, teilte das Unternehmen in St. Louis mit. Das Management habe sich einstimmig zur Ablehnung des Angebots entschieden, sei aber offen für konstruktive Gespräche.

Zuvor hatte Monsanto eingeschätzt, dass zwar eine industrielle Logik in einem Zusammenschluss mit den Leverkusenern bestehe und der Deal sicher auch kartellrechtliche Hürden nehmen würde. Aber die Anteilseigner verdienten mehr als die 122 Dollar je Aktie, die Bayer biete. Händler und Analysten waren aber bereits von der Höhe des Bayer-Gebots überrascht.

Ganz offensichtlich sind die Anleger von der aktuellen Entwicklung angetan. Nach dem Kurseinbruch vom Wochenauftakt erholt sich die Bayer-Aktie um 3,2 Prozent und führt damit die Gewinnerliste im Dax an. Nachbörslich zieht die Aktie sogar noch weiter an. Auch Monsanto-Papiere verteuern sich um knapp zwei Prozent.

Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Zudem wird seit langem über mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen des Wirkstoffs Glyphosat diskutiert, den Monsanto in seinem weltweit verbreiteten Unkrautvernichter "Roundup" benutzt. Bayer hält die Image-Probleme indes für beherrschbar.

Grüne fordern Übernahme-Verbot

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Zuvor hatten die Grünen die Europäische Kommission und die Bundesregierung aufgefordert, die Übernahme zu verhindern. "Eine Marktmacht-Konzentration solchen Ausmaßes ist eine existenzielle Bedrohung der bereits eingeschränkten Wettbewerbsstrukturen im europäischen Agrarmarkt", heißt es in einem Brief der Grünen Europa-Parlamentsmitglieder Martin Häusling und Sven Giegold an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und den Präsidenten des Bundeskartellamts, Andreas Mundt.

Derzeit würden 95 Prozent des europäischen Gemüsesaatgut-Sektors von fünf Großunternehmen gesteuert, schreiben die Grünen-Politiker. "Durch den Kauf von Monsanto durch die Bayer AG wären es nur noch vier." Die Folgen wären eine eingeschränkte Saatgut- und Sortenvielfalt, steigende Abhängigkeit von wenigen Anbietern sowie steigende Preise.

Bayer-Chef deckt sich mit Aktien ein

Bayer wollte mit der Übernahme zum weltgrößten Agrarchemie-Hersteller aufsteigen. Vorstandschef Werner Baumann hatte trotz der Vorbehalte von Aktionären seine Pläne verteidigt und sich selbst mit Aktien seines Unternehmens eingedeckt. Allein seit Montag hat der erst seit gut drei Wochen amtierende Chef des Dax-Konzerns Aktien für fast eine Million Euro erworben, wie aus Stimmrechtsmitteilungen hervorgeht. Insgesamt kaufte Baumann 11.000 Bayer-Aktien.

Der Kurs der Aktien ist seit den aufkommenden Spekulationen über eine Übernahme von Monsanto kräftig gesunken. Baumann hatte am Montag für den Kauf geworben. Er zeigte sich von der industriellen Logik des Deals überzeugt und sprach von einer einzigartigen Gelegenheit.

Quelle: n-tv.de