Wirtschaft

Zähne zeigen vor der Wahl Schaukampf in Wolfsburg

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(Foto: imago images/Jan Huebner)

Die früher so mächtigen VW-Arbeitnehmervertreter kritisieren ein weiteres Mal Konzernchef Herbert Diess. Die Attacke erinnert an ein Schauspiel. Dass das Wolfsburger Stammwerk profitabler werden muss, ist lange bekannt.

Scheingefechte kennen keine Sieger - in Wolfsburg ist das genauso. Auch wenn einflussreiche Volkswagen-Betriebsräte noch so aufmerksamkeitswirksam gegen Konzernchef Herbert Diess vom Leder ziehen und ihm das Misstrauen aussprechen - es ändert daran nichts. Die Attacken, die die Arbeitnehmervertreter aktuell gegen Diess reiten, fußen auf der Sorge, in der eigenen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Es ist Wahlkampf in Wolfsburg. Im kommenden Frühjahr stehen Betriebsratswahlen an. Eine ganze Reihe von engagierten Arbeitnehmervertretern will der neuen Betriebsratschefin Daniela Cavallo die Aufmerksamkeit streitig machen. Zähne zeigen gehört da zum Wahlprogramm.

Der Unbill der Betriebsräte und IG-Metall-Vertreter wundert freilich nicht: Schließlich legt Konzernchef Diess den Finger in die tiefste Wunde, wenn er die Produktivität des Wolfsburger Stammwerkes als zu gering und den Konzern als zu schwerfällig kritisiert - gemessen an Konkurrenten wie Tesla zum Beispiel. Die Arbeitnehmervertreter bringt das auf die Palme. Vor allem weil Diess schonungslose Diagnose neuer Stil ist in Wolfsburg. Bislang agierte man bei VW nach dem Motto: Der Vorstand hat freie Hand - zum Beispiel für Investitionen im Ausland. Aber das Wolfsburger Stammwerk wird bitteschön nicht angepackt.

Es lief auch lange gut. Vor der Pandemie hatte der Konzern 14 Milliarden Euro Nettogewinn eingefahren. Und es sah so aus, als ob Volkswagen den Wert im laufenden Jahr sogar noch übertreffen könnte. Doch dann kamen die Absatz-Flaute in China und die Halbleiter-Krise. Weil zu wenig Elektronikbauteile beschafft werden konnten, mussten nicht wenige Bänder stillgelegt werden. Probleme, mit denen auch andere Hersteller kämpfen. Und die so für viele nicht vorhersehbar waren. Jetzt sind sie da. Und Diess muss als Buhmann dienen.

Diess-Ablöse wäre nicht ratsam

Ja, Diess gilt als Heißsporn. Einer, der Probleme ohne Umschweife anspricht. Und der es vermag zu provozieren. Wie beim Treffen mit Top-Managern des Konzerns vor ein paar Tagen im österreichischen Alpbach. Als Überraschungsgast ließ der VW-Boss, der die Produktion von Elektroautos mit Verve anzuschieben versucht, ausgerechnet einen seiner größten E-Auto-Konkurrenten per Video dazuschalten: Tesla-Gründer Elon Musk. Nicht wenige Top-Führungskräfte rieben sich verwundert die Augen. Manche sagten, sie fühlten sich vorgeführt.

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Dabei trifft Diess mit solchen Aktionen den richtigen Ton. Einen, den sie in Wolfsburg verstehen. Mit allzu vielen Nettigkeiten hatte noch keiner nachhaltigen Erfolg an der Konzernspitze.  Gebrüll und Geschrei gehört am Mittellandkanal seit jeher dazu.

Dass der VW-Aufsichtsrat den streitbaren Konzernchef, dessen Vertrag noch vier Jahre läuft, allzu schnell kalt stellt, ist kaum zu erwarten. Es wäre auch nicht ratsam. Europas größter Autohersteller steckt mitten in der größten Transformation seiner Geschichte. Ein willfähriger und auf allzu viel Sympathie bedachter Konzernlenker wäre da fehl am Platz. Es braucht einen, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und Lösungen schnell anschiebt. Diess ist so einer.

Quelle: ntv.de

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