Wirtschaft

Kolonnen auf der Autobahn Schenker testet Lkw der Zukunft

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Wenn Lkw in geringem Abstand hintereinander fahren können, sparen sie Kraftstoff.

(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)

Dicht an dicht sollen sie fahren, autonom und vernetzt: Bahn-Tochter Schenker schickt ab 2018 selbstfahrende Lkw-Kolonnen versuchsweise auf die Autobahn. Experten zufolge verspricht die Technik erhebliches Einsparpotenzial.

Der Transport von Waren auf unseren Straßen und Autobahnen scheint mittlerweile vorsintflutlich: Das wachsende Aufkommen von Lastwagen hemmt den Verkehrsfluss, belastet Mensch und Umwelt und erhöht das Unfallrisiko. Doch moderne Technik verspricht Abhilfe: Derzeit basteln bereits verschieden große Hersteller an selbstfahrenden Lastwagen, welche einige der genannten Probleme beheben sollen.

Dass die Entwicklung zum autonomen Lkw-Verkehr unabwendbar ist, darin sind sich die meisten Experten einig. Eine Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) geht davon aus, dass sich der Lkw-Verkehr in den kommenden zehn Jahren grundlegend verändern wird. Entscheidend dafür werden neue technologische Innovationen sein wie das autonome Fahren und miteinander kommunizierende Fahrzeuge.

Einen Schritt in diese Richtung macht bereits die Bahn-Tochter Schenker, die ab kommendem Frühjahr auf deutschen Autobahnen einen Versuch mit elektronisch unterstützten Kolonnenfahrten starten will. Teststrecke wird die Autobahn 9 zwischen Nürnberg und München. Dort sollen zunächst unbeladene Lkw in geringem Abstand hintereinander fahren, später dann mit Ladung.

Windschatten spart Kraftstoff

Bei dem Projekt arbeitet Schenker mit dem Lkw-Hersteller MAN und der Hochschule Fresenius zusammen. Das Bundesverkehrsministerium fördert den Versuch mit zwei Millionen Euro, wie die drei Partner mitteilten. MAN werde die nötigen "modernen Versuchsfahrzeuge" bauen. So könne der Lkw-Hersteller "erstmals im realen Logistikalltag mit Berufskraftfahrern" das vernetzte Kolonnenfahren ausprobieren.

Zwar sollen die Lkw automatisiert fahren, in der Kabine sollen aber nach wie vor zur Sicherheit ein Fahrer sitzen. Die an dem Projekt beteiligte Hochschule Fresenius soll die Auswirkungen der neuen Technik auf den Menschen in der Fahrerkabine erforschen.

"Die Hightech-Trucks halten sicheren Abstand und kommunizieren miteinander", erklärte Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Wenn Lkw in geringem Abstand hintereinander fahren können, ist den Angaben zufolge durch das so erzeugte "Windschattenfahren" eine Kraftstoff-Einsparung von insgesamt bis zu zehn Prozent erreichbar. Damit ist dann auch eine Einsparung der CO2-Emissionen verbunden.

Jobs in der Logistikbranche in Gefahr

Von dem Einsatz moderner Technik erwarten die Experten von PwC enorme wirtschaftliche Vorteile. Betriebskosten können etwa durch den geringeren Bedarf an Fahrern gesenkt werden: "Wenn der notwendige regulatorische Rahmen geschaffen wird, werden in zehn Jahren keine Lkw-Fahrer mehr für Langstrecken benötigt", so Dr. Gerhard Nowak, Geschäftsführer von Strategy& und Co-Autor einer entsprechenden PwC-Studie. Allerdings kämen die menschlichen Fahrer noch zum Einsatz, sobald die Lastwagen in urbanen Gebieten unterwegs seien oder wenn es um lokale Auslieferungen gehe.

Einsparpotenzial gibt es auch bei Kosten für Kraftstoff und Wartung. Auf diese Weise sollen die Betriebskosten von Lastwagen bis zum Jahr 2030 um fast 30 Prozent gesenkt werden können, heißt es. Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass künftig weit weniger Lkw-Fahrer als heute benötigt werden. Ob dies zu massiven Jobverlusten in der Branche mit mehreren hunderttausend Beschäftigten führen wird, ist aber noch offen. Denn derzeit herrscht in Deutschland sogar ein Nachwuchsproblem bei Berufskraftfahrern.

Quelle: n-tv.de