Wirtschaft

Schwimmende LNG-Terminals Spezialschiffe sollen russisches Gas ersetzen

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Auf sogenannten FSRU wird Flüssiggas angelandet, zwischengespeichert und wieder gasförmig gemacht.

(Foto: picture alliance / AA)

Bis Deutschlands Flüssiggas-Terminals fertig sind, wird es noch Jahre dauern. Die Übergangslösung: schwimmende Plattformen. Litauen etwa hat sich damit bereits von russischem Gas unabhängig gemacht.

Als erstes EU-Land ist Litauen seit dem Wochenende unabhängig von russischem Gas. Der gesamte Bedarf werde nun über das schwimmende Flüssiggas-Terminal importiert, das Litauen schon seit Jahren nutzt, verkündete die Regierung stolz. Frankreich besitzt bereits vier stationäre LNG-Terminals und verhandelt nun offenbar mit Totalenergies über den Bau einer schwimmenden Anlage in Le Havre. In Deutschland hat Hamburg den Finger für ein schwimmendes Terminal gehoben. Und auch Wilhelmshaven bewirbt sich um den Import von Flüssiggas - in einem ersten Schritt über eine sogenannte "Floating Storage and Regasification Unit" (FSRU).

Wie dieser englische Fachbegriff für die Terminals schon sagt, wird auf solchen Spezialschiffen Flüssiggas aus Tankern aufgenommen, zwischengelagert und wieder gasförmig gemacht. LNG ist tiefgekühltes, unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas, das sich per Schiff transportieren lässt und so eine Alternative zu Pipeline-Gas bildet. Von LNG-Terminals wird das Gas per Rohr in die nächstgelegene größere Fernleitung weitergeleitet.

Um ebenfalls unabhängig von russischem Gas zu werden, plant Deutschland nun zwei stationäre LNG-Terminals, über die bis zu 20 Prozent des hiesigen Gasverbrauchs gedeckt werden sollen. Verflüssigt kann Deutschland Gas künftig etwa auch aus den USA und Katar importieren. Bisher lohnten sich solche Terminals finanziell nicht, Russlands Angriff auf die Ukraine änderte jedoch nicht nur die Preise, sondern auch den politischen Willen. Der Bau der Terminals dauert allerdings Jahre, mindestens bis 2024.

Als Übergangslösung schweben Wirtschaftsminister Robert Habeck nun die schwimmenden LNG-Terminals vor. Die Bundesregierung arbeitet daran, noch in diesem und im nächsten Jahr mehrere solche Spezialschiffe in Deutschland in Betrieb zu nehmen. Die Energiekonzerne RWE und Uniper hätten sich in ihrem Auftrag eine Option auf drei schwimmende Terminals gesichert.

48 schwimmende Terminals weltweit

Die mobilen Terminals sind zurzeit begehrt. Christian Breuel von der Schulte Group, einer Hamburger Reederei mit langjähriger Erfahrung im Management von LNG-Tankern, ist trotzdem "optimistisch, ein solches Spezialschiff noch vor Beginn des nächsten Winters in Deutschland betriebsbereit zu haben", wie er dem "Handelsblatt" sagte. Weltweit gebe es 48 FSRU, die sich zumindest zum Teil auch kurzfristig chartern ließen. Es handele sich um eine "schnell zu installierende, temporäre Lösung". Die Reederei verweist auf Litauen.

Die schwimmenden Terminals sollen eine Übergangslösung bleiben, weil sie deutlich mehr Energie brauchen und damit mehr CO2 ausstoßen und teurer sind als stationäre, wie der Sprecher des Verbands Zukunft Gas ntv.de erklärt. Denn beim Erwärmen des Gases, um es wieder zu verflüssigen, würden auf schwimmenden Terminals Gasbrenner genutzt; bei stationären lasse sich dagegen Abwärme von Industrieanlagen einsetzen.

Wegen der nötigen Infrastruktur ist russisches Gas deutlich schwerer zu ersetzen als Öl und Kohle. Deutschland hat seinen Gas-Anteil aus Russland nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits von 55 auf 40 Prozent gesenkt. Bis zum Sommer 2024 hält Habeck es für realistisch, dabei quasi ganz unabhängig von Russland zu werden - je nachdem, wie stark der Verbrauch gesenkt wird und wie schnell die erneuerbaren Energien ausgebaut werden.

Habecks Parteifreund Ulf Berner, Vorsitzender der Grünen im Wilhelmshavener Stadtrat, ist nicht ganz so begeistert von der Idee der Spezialschiffe in seiner Stadt: "LNG ist für uns hochkritisch, weil es ja auch um Frackinggas geht, das in seiner Gewinnung und Wirtschaftlichkeit unterirdisch ist", sagte er Deutschlandfunk Kultur. "Da könnten wir auch Kohle verbrennen." Wenn die Bundespolitik ein Ausstiegsdatum beziehungsweise Umstiegsdatum auf Biogas, sozusagen Bio-LNG nenne, könne man "eventuell die Kröte schlucken". Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies von der SPD versprach demnach: "Der Weg, den wir jetzt schaffen, über die Terminals, ist ein Weg, der uns die Option eröffnet, über diesen gleichen Import morgen auch 'grünes Gas' zu importieren."

Quelle: ntv.de, mit dpa

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