Wirtschaft

Rezession unter Erdogan Türkische Wirtschaft schrumpft

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Handels- und Wirtschaftsmacht in Turbulenzen: In der Türkei sieht sich die Bevölkerung mit steigenden Preisen und nachlassender Wirtschaftskraft konfrontiert.

(Foto: REUTERS)

Wie geht es weiter mit der Türkei? Über dem aufstrebenden Schwellenland ziehen dunkle Wolken einer schweren Konjunkturkrise auf. Die Wirtschaftsleistung geht im Frühjahr insgesamt weiter zurück. Analysten sehen auch Präsident Erdogan in der Verantwortung.

Die Konjunkturkrise in der Türkei verschärft sich: Im ersten Quartal verringerte sich die Wirtschaftskraft gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf Jahressicht um 2,6 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut mitteilte. Im Vergleich zum Vorquartal hellte sich die Lage im Frühjahr leicht auf. Beobachter verweisen hier jedoch auf einen möglichen Strohfeuereffekt durch eine erhöhte Kreditvergabe durch staatliche Banken. Diese Konjunkturspritze habe zu dem Anstieg um 1,3 Prozent zum Vorquartal beigetragen, hieß es.

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Insgesamt setzt der türkischen Konjunktur derzeit vor allem der Verfall der Landeswährung Lira zu. Dazu kommen eine anhaltend hohe Inflation sowie Flauten in der Baubranche und der Industrie. Der Kurs der Lira geriet zuletzt erneut unter Druck, unter anderem wegen Spannungen mit den USA. Hier belastet unter anderem der Streit um die Beschaffung des russischen Raketenabwehrsystems S-400 die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Partnern.

Sorgen um die Unabhängigkeit der Notenbank lösen zusätzliche Verunsicherung aus. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuletzt erneut den Zinskurs der Währungshüter kritisiert. Aus der Sicht ausländischer Investoren erschüttern solche verbalen Einmischungsversuche aus der Politik einen der Grundpfeiler der Stabilität im türkischen Finanz- und Wirtschaftssystem.

Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen sinkt. Die politischen Turbulenzen nach den jüngsten Kommunalwahlen tragen nichts dazu bei, das Misstrauen auszuräumen. Die Aufsehen erregende Entscheidung der obersten Wahlbehörde in Ankara, die Bürgermeisterwahl in Istanbul nach dem Sieg der Opposition auf Antrag der Regierungspartei AKP von Präsident Erdogan für null und nichtig zu erklären, hatte Zweifel am Fortbestand demokratischer Grundwerte in der Türkei ausgelöst.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,16

Investoren fürchten vor allem unsichere Verhältnisse mit zunehmenden Einmischungsversuchen der Politik. Die türkische Wirtschaft war bereits vergangenes Jahr in die Rezession gerutscht. Der Wert der Lira zum Dollar ist seit Ende 2017 um 36 Prozent eingebrochen, was dazu beitrug, die Inflation nach oben zu treiben.

Die Bevölkerung leidet unter steigenden Lebensmittelpreisen. Mit dem Absturz der Lira werden Waren aus dem Ausland - wie etwa Medikamente, Konsumelektronik oder auch Kraftstoffe und Lebensmittel - immer teurer. Für türkische Firmen und Banken, die sich in ausländischen Währungen verschuldet hatten, steigt zugleich die Schuldenlast massiv an. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, ausländische Investoren bemühen sich, ihr Geld außer Landes zu bringen. Die Unzufriedenheit wächst.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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