Wirtschaft

"Fels in der Brandung" US-Firmen schaffen unerwartet viele Jobs

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Hoch hinaus geht es derzeit am US-Jobmarkt.

(Foto: REUTERS)

Die Konjunktur schafft sich langsam ab. Inzwischen trifft dies auch die USA. Doch die Unternehmen stellen noch kräftig ein. Allerdings sehen erste Experten auch ein Ende der Herrlichkeit. So deuteten Indikatoren auf eine beginnende Schwächetendenz hin.

Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Oktober unerwartet robust gezeigt. Landesweit schafften die Unternehmen 128.000 neue Stellen, wie die Regierung mitteilte. Volkswirte hatten mit nur 89.000 gerechnet. Die negativen Folgen eines längeren Streiks beim Autobauer General Motors wurden damit mehr als wettgemacht. Im August und im September entstanden in der US-Wirtschaft zudem 95.000 Jobs mehr als zunächst gemeldet.

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"Das ist ein starker US-Arbeitsmarktbericht," erklärte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensberater QC Partners. Zwar habe sich die Konjunktur auch in den USA abgeschwächt, aber die Wirtschaft wachse. "Damit bleiben die USA der Fels in der Brandung." An den Börsen legten die Kurse deutlich zu.

Die separat ermittelte Arbeitslosenquote stieg im Oktober zwar leicht auf 3,6 Prozent. Sie liegt damit aber weiter nahezu auf dem tiefsten Stand seit einem halben Jahrhundert. "Insgesamt zeigt der Trend bei der Arbeitslosigkeit weiterhin nach unten", so Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Denn es entstünden weiter mehr Stellen als Personen aufgrund der Bevölkerungsentwicklung neu auf den Arbeitsmarkt drängten. Einer Faustregel zufolge gilt ein Stellenaufbau von 100.000 im Monat als ausreichend, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten.

Die Oktober-Zahlen wurden stark von einem langen Streik bei GM beeinflusst. Der Ausstand von rund 46.000 Beschäftigten endete erst vergangenen Freitag. Streikende, die während des Umfragezeitraums keinen Lohnscheck erhalten, werden als arbeitslos gezählt. Ein Wermutstopfen bei den Zahlen ist aber die Abnahme der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe um 36.000 Stellen. "Der stärkste Beschäftigungsrückgang im verarbeitenden Sektor seit 2009 ist das einzige vermeintliche Haar in der Suppe des Berichts", meint NordLB-Analyst Bernd Krampen.

Letzter guter Bericht?

Die weltgrößte Volkswirtschaft war zuletzt trotz des Handelsstreits mit China überraschend kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt nahm zwischen Juli und September mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,9 Prozent zu. Der Konsum florierte weiter und die Exporte zogen trotz des Zollstreits an. Ein Warnsignal sind aber die Investitionen der Unternehmen: Sie brachen so stark ein wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die US-Notenbank, die Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern soll, senkte deshalb ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge auf 1,5 bis 1,75 Prozent.

Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, halten die guten Zahlen am Arbeitsmarkt inzwischen länger an als zu erwarten gewesen sei. Verschiedene Indikatoren legten aber nahe, dass eine Schwächetendenz bei der Nachfrage nach Arbeitskräften "in den Startlöchern steht". Vermutlich sei daher der Oktober-Bericht richtig gut im Vergleich zu denen, die in den kommenden Monaten kommen würden.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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