Wirtschaft

Zwangsarbeit und Paramilitärs? VW verteidigt Werksverträge mit Uiguren

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Saic Volkswagen soll ein Abkommen mit Paramilitärs haben, die hinter den Zwangslagern für Uiguren in China stehen.

(Foto: Zhang haiyan - Imaginechina)

Nach der Militäroffensive in Syrien muss VW Pläne für ein neues Werk in der Türkei auf Eis legen. Nun bringen Enthüllungen über chinesische Internierungslager für Uiguren den weltgrößten Autohersteller abermals in Erklärungsnot. VW versichert, keiner seiner Arbeiter dort stehe unter Zwang.

Nach den jüngsten Enthüllungen um die systematische Unterdrückung der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang hat der Automobilhersteller VW den Produktionsstandort seines Werkes in der Provinzhauptstadt Urumqi verteidigt. Die Entscheidung für die seit 2013 bestehende Fabrik sei "auf Grundlage rein wirtschaftlicher Überlegungen gefällt" worden, erklärte der Konzern.

Alle Mitarbeiter des Werks besäßen einen direkten Arbeitsvertrag mit dem Joint Venture von VW und dem chinesischen Konzern Saic Volkswagen. "Wir gehen davon aus, dass kein Mitarbeiter unter Zwang arbeitet", betonte VW weiter. VW gehe von einer weiteren wirtschaftlichen Stärkung Westchinas aus und halte daher weiterhin an dem Werk in Urumqi fest, erklärte das Unternehmen. Überdies werde das Engagement von VW in der Region ausgeweitet.

Der Autohersteller aus Wolfsburg war nach den internationalen Medienenthüllungen vom Sonntag über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen Angehörige der Uiguren und anderer Minderheiten in Xinjiang inhaftiert und überwacht werden, in die Kritik geraten. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, Saic Volkswagen habe ein Abkommen "mit einer paramilitärischen Truppe, die eine treibende Kraft hinter den Internierungen sein soll", geschlossen. Kritikern zufolge "mache der Konzern sich mitschuldig an einem der wohl größten Menschenrechtsverstöße dieser Zeit", schrieb die Zeitung weiter.

VW: Arbeitsverträge verbessern soziales Umfeld

VW betonte, alle Mitarbeiter nach Qualifikation einzustellen - "unabhängig von Alter, religiöser Überzeugung oder ethnischer Zugehörigkeit". In dem VW-Werk in Urumqi seien rund 25 Prozent der 650 Mitarbeiter Angehörige von Minderheiten. Dies entspreche dem Anteil der Minderheiten in der Stadt.

"Volkswagen ist sich der Lage in der Region bewusst", erklärte das Unternehmen. "Wir beobachten die Entwicklungen und beziehen uns dabei auf die öffentlich zugänglichen Berichte der Vereinten Nationen." Ziel von VW sei es, "dass mit Arbeitsplätzen für alle Volksgruppen das soziale Umfeld für die Menschen in Urumqi verbessert" werde. Erst im April hatte VW-Konzernchef Herbert Diess in einem Interview mit der BBC für Irritation gesorgt. Er wisse nichts von Zwangslagern für Uiguren, hatte er gesagt.

Volkswagen steht bereits wegen eines geplanten neuen Werks in der Türkei in der Kritik. Nach der türkischen Militär-Offensive in Nordsyrien hatte der Konzern die Pläne zunächst auf Eis gelegt. Allerdings erwarten Regierungsstellen in Ankara weiterhin eine Zusage. VW will bis Ende des Jahres entscheiden, ob das türkische Werk gebaut wird oder nicht. 

Quelle: ntv.de, mau/AFP