Wirtschaft

Keine Alternative zu Shutdown Wirtschaftsweise fürchten Rezession

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Drei verschiedene Szenarien sollen die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts simulieren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Coronavirus lässt auch die deutsche Wirtschaft schwächeln - das erwarten zumindest die Wirtschaftsweisen in einem aktuellen Sondergutachten. Sie rechnen sie mit einem BIP-Einbruch zwischen 2,8 und 5,4 Prozent. Eine Alternative zum Shutdown sehen sie dennoch nicht.

Die deutsche Volkswirtschaft wird wegen der Corona-Pandemie deutlich schrumpfen. Die sogenannten Wirtschaftsweisen rechnen in einem Sondergutachten mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von im schlimmsten Fall 5,4 Prozent im Gesamtjahr. Bei einer kürzeren Dauer der Einschränkungen wegen der Krise und einer schnellen Erholung der Wirtschaft könnte das BIP demnach auch nur um 2,8 Prozent zurückgehen.

"Die wirtschaftliche Entwicklung hängt von Ausmaß und Dauer der gesundheitspolitischen Maßnahmen und der darauf folgenden Erholung ab", betonte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) aber. "Wir gehen davon aus, dass die Corona-Pandemie die Weltwirtschaft stark beeinträchtigen wird", sagte der Vorsitzende des Beratergremiums, Lars Feld. "Dabei ist die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung aufgrund der außergewöhnlichen Situation und der schwierigen Datenlage enorm."  

Die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft in der Coronakrise sind aus Sicht der "Wirtschaftsweisen" unausweichlich. Man dürfe jetzt nicht Wirtschaft und Gesundheit gegeneinander aufrechnen, sagte Feld. "Die Einsicht des Einzelnen ist sehr wichtig in dieser Situation."

Drei Szenarien

Drei verschiedene Szenarien des SVR für die wirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2020 und 2021 unterscheiden sich den Angaben zufolge darin, wie lange und in welchem Ausmaß die einschränkenden, gesundheitspolitischen Maßnahmen anhalten und wie schnell es danach zu einer Erholung kommt. In allen drei Szenarien beende die Ausbreitung des Coronavirus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein werde. Bisher hatten die Ökonomen für dieses Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent veranschlagt.

Im Basisszenario, dem nach aktuellen Informationen wahrscheinlichsten Szenario, normalisiere sich die wirtschaftliche Lage über den Sommer wieder, das BIP würde dann nur um 2,8 Prozent sinken. Zum Risikoszenario mit einem Verlauf in ausgeprägter V-Form käme es etwa bei großflächigen Produktionsstilllegungen oder länger andauernden gesundheitspolitischen Maßnahmen. Aufgrund des stärkeren Einbruchs im ersten Halbjahr ergäbe sich in diesem Szenario nach den Berechnungen der Wirtschaftsweisen 2020 ein BIP-Rückgang um 5,4 Prozent. Im Jahr 2021 könnten Aufholeffekte dafür sorgen, dass das BIP um 4,9 Prozent wachse, wozu insbesondere ein hoher statistischer Überhang beitragen würde. 

Das Risikoszenario in Form eines langen U könnte nach der Analyse der Experten eintreten, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt. Die getroffenen Politikmaßnahmen reichten dann womöglich nicht aus, um tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern. Verschlechterte Finanzierungsbedingungen und eine verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zu Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen. Das BIP würde 2020 in einem solchen Szenario um 4,5 Prozent schrumpfen, 2021 würde die Wirtschaftsleistung mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wachsen.

Quelle: ntv.de, ftü/DJ/AFP

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