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Corona-App Digital-Deutschland hat versagt

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Apple und Google integrieren Corona-Tracing in die Betriebssysteme von iOS und Android.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Das Hin und Her um die Corona-App zeigt: Wenn es um die Umsetzung geht, dann versagt Digital-Deutschland - wieder einmal. Es offenbart aber auch ein anderes Problem: schlechte Kommunikation.

Würden Sie ein gebrauchtes Auto kaufen, ohne es sich anzuschauen? Sicher nein. Viele Käufer gehen lieber zum Händler ihres Vertrauens. Auch beim Thema Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf und auch hier geht ohne Vertrauen nichts. Deshalb ist es so problematisch, dass in Sachen Corona-App sowohl Politik als auch Unternehmen jegliches Vertrauen verspielt haben. Dass jetzt auch noch Apple und Google in Sachen Datenschutz die Maßstäbe setzen, ist kaum zu glauben.

Sechs Wochen sitzt Deutschland nun schon im Lockdown fest. Die Menschen wollen endlich wieder raus. Um zukünftig Ansteckungswege zu unterbinden, braucht es eine Nachverfolgung der Infektionswege - das sogenannte Tracing. Was liegt näher, als die vorhandene Technik zu bemühen, denn 60 Millionen Deutsche besitzen ein Smartphone. 95 Prozent der Geräte verfügen auch über die neueste Bluetooth-Technologie, um energiesparend permanent Daten mit anderen Geräten auszutauschen.

Anfang April präsentiert die Initiative PEPP-PT eine Lösung, die nicht nur die Nachverfolgung von Infektionen verspricht, sondern das auch noch unter Einhaltung der Privatsphäre und des Datenschutzes. Es hörte sich zu schön an, um wahr zu sein: Sollte Deutschland dieses Mal schneller sein als andere Länder? Weit gefehlt. Denn in den folgenden Tagen entbrennt ein akademischer Streit darüber, ob die Daten zentral auf einem Server oder dezentral auf den Handys gespeichert und verarbeitet werden sollen.

Gesundheitsminister Jens Spahn legt sich nach einigen Tagen auf eine zentrale Verarbeitung fest, macht jedoch die Rechnung ohne die US-Giganten. Das Ende vom Lied: Apple und Google haben inzwischen den technischen Unterbau auf ein dezentrales Corona-Tracing festgelegt und Deutschland bleibt jetzt nur noch eins: eine App programmieren, die von Apples Gnaden eingesetzt werden kann.

Mitte Mai werden Apple und Google Corona-Tracing in die Betriebssysteme von iOS und Android integrieren. Und Deutschland? Die App ist immer noch nicht da, PEPP-PT ist zersplittert. Und der Gesundheitsminister? Der findet mittlerweile eine dezentrale Datenverarbeitung besser und hat nun einen Auftrag an SAP und Telekom vergeben, heißt es in einer Presseerklärung. Der Auftrag ist aber offenbar nur eine Absichtserklärung.

Auch gibt es keinen Zeitplan und keinen Kostenrahmen. Begründung für den überraschenden Wechsel: Man wolle Partner, die groß genug seien, um mit Google und Apple auf Augenhöhe zu sprechen. Doch der Zug ist abgefahren, das Chaos perfekt.

Jetzt wird es Zeit, endlich zu kommunizieren - schnell, transparent und ehrlich. Nur dann werden die Bürger einer Corona-Warn-App auch ihr Vertrauen schenken.

Quelle: ntv.de