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Neue Stufe der Eskalation Gorillas kündigt streikenden Fahrern

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Die Gewerkschaft Verdi beschreibt die Arbeitsbedingungen im Online-Lebensmittelhandel als "prekär".

(Foto: imago images/Michael Gstettenbauer)

Seit Wochen streiken die Fahrradkuriere des Blitzlieferdienstes Gorillas für bessere Arbeitsbedingungen. Die Geschäftsführung will das nicht länger billigen und kündigt allen Beschäftigten fristlos, die sich an den Streiks beteiligt haben. Die Begründung: die Streiks waren nicht genehmigt.

Der Zehn-Minuten-Lebensmittel-Lieferant Gorillas steht seit Wochen in der Kritik und wurde in Berlin zeitweise sogar von den eigenen Fahrern bestreikt. Sie fordern unbefristete Verträge, mehr Geld und weniger Gewicht auf dem Rücken. Viele von ihnen sind seit heute arbeitslos. Laut dem Gorillas Worker's Collective, einem Sprachrohr der Fahrradkuriere, soll in drei Lagerhäusern in Kreuzberg, Mitte und Tempelhof fast die gesamte Belegschaft gefeuert worden sein.

Laut "Spiegel"-Informationen soll es der Blitzlieferdienst besonders eilig mit den Kündigungen gehabt haben: "Hiermit kündigen wir das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis außerordentlich aus wichtigem Grund fristlos", zitiert das Blatt aus den Kündigungsschreiben. Worin dieser wichtige Grund besteht? Das soll in den Schreiben unbeantwortet geblieben sein.

Angeblich seien in Telefonaten die "illegalen Streiks" als Grund angeführt worden. Das bestätigt ein Sprecher des Unternehmens auch dem "Spiegel". Nach intensiver Abwägung sehe man sich deshalb gezwungen den rechtlichen Rahmen durchzusetzen. "Das bedeutet, dass wir das Arbeitsverhältnis mit denjenigen MitarbeiterInnen beenden, die sich aktiv an den nicht genehmigten Streiks und Blockaden beteiligt, den Betrieb durch ihr Verhalten behindert und ihre KollegInnen damit gefährdet haben."

Gründer Kagan Sümer wehrt sich erst kürzlich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gegen Kritik an den Arbeitsbedingungen seines Unternehmens. "Wir beuten niemanden aus", sagte er der Zeitung. Bei Gorillas seien die Fahrer fest angestellt, inklusive Sozialversicherungen. "Damit heben wir uns bewusst von der Konkurrenz ab."

Die Gewerkschaft Verdi beschreibt die Arbeitsbedingungen im Online-Lebensmittelhandel als "prekär". Befristete Arbeitsverhältnisse erschwerten den Angestellten Zukunftsplanung und Wohnungssuche und verhinderten den Aufbau von Strukturen zur Mitbestimmung der Angestellten im Betrieb, kritisierte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Maren Ulbrich.

"Die Fahrerinnen und Fahrer stehen bei Wind und Wetter vor den Warenhäusern und warten auf die Bestellungen", sagt Ulbrich. Zugesagte Lieferzeiten von 10 oder 15 Minuten seien eine zusätzliche Herausforderung. Die Bezahlung sei außerdem weder existenzsichernd noch rentenfest. Die Gewerkschafterin fordert, dass die Online-Lebensmittelhändler in die Tarifbindung einsteigen und Löhne auch in diesem neuen Wirtschaftssegment als allgemeinverbindlich gelten müssten.

Quelle: ntv.de, jki

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