Technik
Das neue iPad Pro 10.5 hat im Test überzeugt, ist aber teuer.
Das neue iPad Pro 10.5 hat im Test überzeugt, ist aber teuer.(Foto: kwe)
Dienstag, 20. Juni 2017

Größer, besser, teurer: Das neue iPad Pro ist ein starkes Stück

Von Klaus Wedekind

Mit dem neuen iPad Pro hat Apple seine Tablet-Version der Zukunft präsentiert. Sein volles Potenzial kann das Gerät zwar erst mit iOS 11 zeigen, doch es kann auch schon vor dem Update mit deutlichen Verbesserungen beeindrucken.

Wer ein zwei oder drei Jahre altes iPad besitzt, hat eigentlich wenig Grund, sich ein neues zu kaufen, solange das Gerät hauptsächlich auf der Couch genutzt wird. Wenn man im Internet surft oder Videos anschaut, merkt man einem iPad sein Alter selten an - dazu sind sie einfach zu gut. Prima für den Nutzer, schlecht für Apple, das so natürlich weniger Tablets verkaufen kann. Mit dem ersten iPad Pro hat das Unternehmen daher versucht, verstärkt Profis anzulocken, doch mehr als ein Nischenprodukt war das 12,9-Zoll-Monster mit Eingabestift dann doch nicht. Mit dem folgenden iPad Pro in der üblichen 9,7-Zoll-Größe hat sich das schon geändert. Es war quasi gleichzeitig ein neues Top-Air-Modell für die Couch, aber auch stark genug für höhere Ansprüche. Noch viel professioneller aber zeigt sich das neue iPad Pro, das es weiter mit 12,9-Zoll-Display gibt und in völlig neuer Größe mit 10,5-Zoll-Bildschirm. Dieses Modell hat n-tv.de getestet.

Größer und moderner

Oben das ältere Modell mit 9,7-Zoll-Display, unten das neue iPad Pro.
Oben das ältere Modell mit 9,7-Zoll-Display, unten das neue iPad Pro.(Foto: kwe)

Obwohl das Display fast 20 Prozent mehr Fläche als das des 9,7-Zoll-Vorgängers hat, ist das neue iPad Pro nur rund 1 Zentimeter länger und 4 Millimeter breiter. Der Grund: Der Rahmen um den Bildschirm ist deutlich schmaler, wodurch das neue iPad auch moderner aussieht. Probleme, es zu halten, gibt es nicht. Der Daumen kann auch ins Display greifen, es erkennt, dass es sich nicht um eine Eingabe handelt. Mit rund 470 Gramm ist das Gerät auch angenehm leicht geblieben.

Der Bildschirm selbst ist noch einmal ein gutes Stück besser als das bereits außergewöhnlich gute Display des iPad Pro 9.7. Im direkten Vergleich kann es deutlich heller leuchten und zeigt etwas kräftigere Farben und Kontraste. Die wichtigste Veränderung fällt allerdings zunächst gar nicht auf: Apple hat die Bildwiederholfrequenz von 60 auf 120 Hertz verdoppelt. Das merkt man beispielsweise beim schnellen Scrollen durch Texte oder Menüs, was erkennbar flüssiger aussieht. Auch bei Spielen oder Filmen macht sich die erhöhte Rate bemerkbar. Das Display arbeitet aber nicht permanent in Höchstgeschwindigkeit, es passt die Frequenz je nach Anforderung selbstständig an.

Stift gleitet wie über Papier

Pencil (109 Euro) und Tastatur-Cover (180 Euro) gehören nicht zum Lieferumfang.
Pencil (109 Euro) und Tastatur-Cover (180 Euro) gehören nicht zum Lieferumfang.(Foto: kwe)

Einen größeren Unterschied machen die beschleunigten Bildwiederholungen beim Einsatz des Eingabestifts Apple Pencil. Eine Verzögerung ist jetzt nicht mehr erkennbar und die Illusion, einen echten Stift zu führen, so fast perfekt. Ein tolles Werkzeug ist der Pencil für Grafiker oder Nutzer, die künstlerisches Talent haben. Er ist aber auch sehr hilfreich bei Feinheiten in der Bild- oder Videobearbeitung. Leider gehört der Stift nicht zum Lieferumfang, er kostet 109 Euro extra.

Bei der Arbeit mit Fotos und Filmen zeigt sich auch die enorme Leistungsfähigkeit des neuen A10X-Chips. Schnitt mit mehreren 4K-Spuren oder der Umgang mit großen, mehrschichtigen Bilddateien sind für ihn ein Kinderspiel. Was der Prozessor auf dem Kasten hat, lassen auch Benchmarks erahnen, in denen er grafisch sogar das neue MacBook Pro übertrifft. Noch wirkt das neue iPad Pro etwas übermotorisiert, erst wenn entsprechende Spiele oder AR-Anwendungen kommen, muss der A10X an seine Reserven gehen. Die Akku-Laufzeit leidet unter der Leistungssteigerung nicht. Das Gerät setzt seine Kräfte sehr dosiert ein, wodurch das neue Pro etwa so ausdauernd wie sein Vorgänger ist.

iOS 11 macht viele iPads besser

Auch die Kameraausstattung des neuen iPad Pro kann sich sehen lassen. Auf der Rückseite sitzt die 12-Megapixel-Kamera des iPhone 7. Das dürfte vor allem bei AR-Anwendungen ein Vorteil sein, wer möchte, kann mit dem Tablet aber auch richtig gute Fotos und Videos aufnehmen. Bei Videochats profitieren die Nutzer jetzt von einer deutlich besseren 7-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite.

Mit diesen technischen Verbesserungen ist das iPad Pro schon ein sehr interessantes Gerät für Nutzer, die mit ihrem Tablet etwas mehr tun wollen als zu surfen und Inhalte zu konsumieren. Wer bereits ein Air oder ein neueres iPad besitzt und sich nicht eingeschränkt fühlt, kann sich das Geld für ein Upgrade aber noch sparen - immerhin kostet das günstigste 9,7-Zoll-Modell 730 Euro. Denn mit iOS 11 erhalten auch diese iPads sehr interessante neue Produktiv-Funktionen. Dazu gehören unter anderem ein Dock, ein Dateimanager oder echtes Drag-and-Drop.

Quelle: n-tv.de

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