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Das iPad Pro ist fast doppelt so groß wie das iPad Air 2.
Das iPad Pro ist fast doppelt so groß wie das iPad Air 2.(Foto: kwe)

Apples neues Riesen-Tablet: iPad Pro passt in die Nische

Von Klaus Wedekind

Kann das iPad Pro einen Laptop ersetzen? Ist es einfach nur ein riesiges Tablet oder vielleicht sogar die Zukunft des Computers? n-tv.de hat getestet, was das Gerät kann, was es außergewöhnlich macht und für wen es vielleicht interessant ist.

Das iPad Pro ist nicht nur ein bisschen größer als Apples andere Tablets, es ist riesig. Sein 12,9-Zoll-Display entspricht im Hochformat etwa zwei iPad-Air-Bildschirmen im Querformat. Wuchtig wirkt das Gerät deshalb aber nicht, was vor allem daran liegt, dass es mit 6,9 Millimetern für seine Größe extrem dünn ist. Dazu ist der Rahmen um das Display fast so schmal wie beim iPad Air.

Das iPad Pro ist nur 0,8 Millimeter dicker als das iPad Air 2.
Das iPad Pro ist nur 0,8 Millimeter dicker als das iPad Air 2.(Foto: kwe)

Das große Display ist eine Augenweide. Es bietet die gleiche Pixeldichte wie der Bildschirm des iPad Air und kann ebenso hell leuchten. Auch bei Farben und Kontrasten hat Apple das hohe Niveau halten können. Die Spezialisten von "DisplayMate" bewerten das größere Display sogar noch ein bisschen besser. Getoppt wird es allerdings noch von den Bildschirmen des iPad mini 4 und des Surface Pro 4.

Kraftpaket unterm Pracht-Display

Auch unter dem gigantischen Retina-Display hat Apple bei seinem 13-Zöller geklotzt und nicht gekleckert. Das Tablet wird vom hauseigenen Chip A9X angetrieben, der nochmal deutlich schneller als der A8X des iPad Air 2 rechnet, grafisch soll das große iPad sogar doppelt so stark sein wie das 10-Zoll-Tablet. Außerdem verfügt das Pro über 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Geekbench-Vergleich reicht das für enorme 3200 Punkte pro Kern. Im Team-Work kommen die beiden A9X-Kerne auf über 5400 Punkte, was andere Tablets kaum mit acht Kernen schaffen. Und was die Grafik betrifft: Das iPad Pro lässt hier sogar das MacBook Pro alt aussehen.

Das iPad Pro wiegt mehr als 700 Gramm.
Das iPad Pro wiegt mehr als 700 Gramm.(Foto: kwe)

So ausgestattet bewältigt es den Alltag natürlich völlig problemlos. Das Gerät zeigt aber auch bei den aufwändigsten Spielen oder sehr anspruchsvollen Grafik-Programmen nicht die geringste Schwäche. Wie leistungsfähig das iPad Pro ist, lässt sich erahnen, wenn man sieht, wie mühelos es ohne Verzögerungen 4K-Videos in iMovie verarbeitet. Der Akku hält dabei allerdings nicht ganz so lange durch wie beim iPad Air 2, vor allem bei hoher Display-Helligkeit sinkt die Anzeige rascher als beim kleineren Tablet. Die von einigen Pro-Nutzern monierten Abstürze während oder nach dem Ladevorgang wurden beim Testgerät bisher nicht festgestellt.

Eine weitere Besonderheit von Apples Tablet-Gigant sind die vier Stereo-Lautsprecher in den Stirnseiten. Sie bieten einen für mobile Geräte außergewöhnlich guten Klang mit viel Volumen und schön definierten Höhen und Mitten. Die Lautsprecher liefern sogar einen hörbaren Bass. Gut gelöst: Egal wie der Nutzer das iPad Pro dreht, sind immer die unteren Speaker für die Tiefen zuständig, die oberen konzentrieren sich auf die höheren Töne. So sind unter anderem bei Filmen Dialoge deutlich besser zu verstehen. Das Soundsystem des Tablets imponiert außerdem durch eine gewaltige Lautstärke.

Für 30 Minuten Laufzeit muss der Pencil nur 15 Sekunden am iPad Pro stecken.
Für 30 Minuten Laufzeit muss der Pencil nur 15 Sekunden am iPad Pro stecken.(Foto: kwe)

Der Stift macht den Unterschied

Größe und Leistung alleine reichen aber nicht aus, um das iPad Pro außergewöhnlich zu machen. Das wird es erst durch den 109 Euro teuren "Pencil", Apples Version eines Stylus, mit dem Nutzer in kompatiblen Programmen frei von Hand schreiben und zeichnen können. Er ist geformt wie ein normaler Bleistift und Apple hat auf Knöpfe für irgendwelche Zusatzfunktionen verzichtet. Je nach Druckstärke zeichnet der Pencil dünnere oder dickere Linien, schräg gehalten kann man mit ihm Flächen schraffieren. Liegt die Hand dabei auf dem Touchscreen auf, ignoriert dies das iPad. Verzögerungen bei der Anzeige von Linien sind nicht wahrnehmbar. So ist kein Handbuch nötig, um den Stift zu nutzen und das Arbeiten mit ihm fühlt sich relativ natürlich an.

Wer kein Künstler oder Grafiker ist, kann den Pencil in Notizen-Apps wie Notability einsetzen.
Wer kein Künstler oder Grafiker ist, kann den Pencil in Notizen-Apps wie Notability einsetzen.

Der Pencil wird zum Laden an den Lightning-Anschluss des Tablets gesteckt oder mit einem Adapter an ein Ladegerät angeschlossen. Sein Stecker befindet sich unter der Kappe am oberen Ende. Beim ersten Anstecken koppelt sich der Stift auch automatisch mit dem iPad.

Für normale Nutzer bietet er aber kaum Vorteile. Zwar kann man auch ohne Talent Notizen-Apps wie Notability mit dem Pencil bedienen oder in Bildbearbeitungsprogrammen exakter arbeiten. Ausreizen können die Pencil-iPad-Pro-Kombination aber nur Spezialisten wie Grafiker, Architekten oder Künstler, für die es im App Store entsprechende Anwendungen gibt, beispielsweise Procreate oder uMake. Aber auch Profis hätten sich gefreut, wenn der Stift wie beim Surface Pro 4 magnetisch am Tablet haften könnte. So droht er ständig, davon zu rollen oder verloren zu gehen.

Auch mit Tastatur kein Notebook

Mit einem Tastatur-Cover kommt das Pro einem Notebook so nahe wie bisher noch kein anderes iPad, ein wirklicher Ersatz ist es aber auch nicht. Apples rund 180 Euro teures Smart Keyboard ist in Deutschland noch nicht erhältlich, das Logitech Create kostet knapp 150 Euro. Die Tastatur-Cover ziehen über einen neuen Anschluss an der Längsseite des Tablets Strom und verbinden sich auch über die drei Pins mit dem Smart Connector. Beide Lösungen bieten aber keine flexiblen Anstellwinkel, Touchpads fehlen und eine Maus kann man nicht anschließen. Außerdem sind Programme für OS X oder Windows oft noch deutlich umfangreicher als iOS-Apps – beispielsweise die Office-Pakete oder Photoshop.

Viele Möglichkeiten, aber teuer

Alles in allem ist das iPad Pro ein hervorragendes, enorm leistungsfähiges Tablet, das vor allem Menschen lieben werden, die mit dem Pencil mehr anfangen können als Strichmännchen zu zeichnen. Auch als kleines Heimkino macht das Gerät viel Spaß und durch weitere Apps, die die Möglichkeiten des Tablet-Giganten richtig nutzen, ist noch viel möglich.

Durch seine Größe ist das iPad Pro aber relativ schwer und eine Spielfilmlänge möchte man es nicht in den Händen halten. Außerdem ist das Gerät sehr teuer. Die einfachste Version mit 32 Gigabyte Speicher kostet rund 900 Euro, für das LTE-Modell mit 128 Gigabyte sind knapp 1230 Euro fällig. Dazu kommen die möglichen Ausgaben für Pencil und Tastatur-Cover.

Quelle: n-tv.de

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