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Das HTC One (M8) ist nicht nur schön.
Das HTC One (M8) ist nicht nur schön.(Foto: kwe)

Schön und alltagstauglich: HTC One (M8) ist einsame Spitze

Von Klaus Wedekind

Das neue HTC One ist das edelste und schönste Android-Smartphone. Doch was nützt die ganze Pracht, wenn es im Alltag nichts taugt? Der Akku schnell schlapp macht, der Empfang miserabel oder die doppelte Kamera nur Blendwerk ist? n-tv.de hat den Test gemacht.

Der erste Eindruck des HTC One (M8) war hervorragend. Mit seinem neuen, runden und schlanken Aluminiumgehäuse sieht es fantastisch aus und fühlt sich großartig an. Sein Full-HD-Display ist einer der besten Bildschirme, die derzeit in Smartphones eingebaut werden, das Innenleben des HTC One bärenstark. Dazu kommen eine rundum gelungene Benutzeroberfläche und interessante Extras wie eine doppelte Kamera oder hochsensible Sensoren. Doch der erste Eindruck trügt oft und erst ein ausführlicher Alltagstest zeigt, ob beim M8 ein attraktives Äußeres nicht über versteckte Schwächen hinwegtäuscht.

Akku hält durch

Das Metallgehäuse lässt sich nicht öffnen, um den Akku zu wechseln.
Das Metallgehäuse lässt sich nicht öffnen, um den Akku zu wechseln.

Eine große Frage nach dem ersten Test des neuen One war, ob der Akku möglicherweise von HTC zu knapp bemessen wurde. 2600 Milliamperestunden sind im Vergleich zu den Kapazitäten anderer Top-Smartphones nicht viel. Das neue Samsung Galaxy S5 hat beispielsweise eine Batterie mit 2800 Milliamperestunden, der Akku des Sony Xperia Z2 bietet sogar 3200 Milliamperestunden. Doch Zahlen bedeuten wenig. Wie das M8 beweist, kommt es vor allem darauf an, wie verschwenderisch oder sparsam ein Gerät mit der Kapazität seines Stromspeichers umgeht.

Die HTC-Ingenieure haben sehr gute Arbeit geleistet. Bei durchschnittlichem Gebrauch  fiel der Ladestand in 15 Stunden nie unter 40 Prozent. Am Tag der intensivsten Nutzung blieb am späten Abend immer noch eine Reserve von 15 Prozent. Weder der normale noch der extreme Energiesparmodus, bei dem das Smartphone die Funktionen aufs Nötigste reduziert, musste aktiviert werden. Die Display-Helligkeit blieb dabei im Automatikmodus auf vollem Anschlag. Zieht man den Regler auf die Mitte, dürfte der Akku auch ohne weitere Einschränkungen noch ein gutes Stück länger durchhalten.

Sehr guter Empfang

Laut HTC besteht das Gehäuse des neuen One zu 90 Prozent aus Aluminium, was einen schlechten Antennenempfang zur Folge haben könnte. Vielleicht findet ein Labor kleine Unterschiede zu Smartphones mit Kunststoffgehäusen, aber im Test zeigte das HTC One in keinem Netz eine Schwäche. Auch die GPS-Ortung funktioniert bemerkenswert gut. HTC hat dies unter anderen dadurch erreicht, dass es Antennen unter den Lautsprecherabdeckungen untergebracht hat, die beim neuen One aus Kunststoff sind.

In zahlreichen Tests musste die Doppel-Kamera auf der Rückseite viel Kritik einstecken. Das liegt nicht an der zweiten Linse zur Tiefenmessung, sondern daran, dass HTC bei der Hauptkamera erneut einen Sensor mit 4,1 Megapixeln verwendet hat. Statt auf viele kleine Pixel zu setzen, die sich auf dem Sensor aneinanderdrängeln und verrauschte Bilder liefern, hat die One-Kamera wenige große Pixel, die bessere Informationen liefern, auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Die Megapixel-Zahl selbst sagt fast nichts über die Qualität von Fotos aus. Es gibt 20-Megapixel-Kameras, die schlechte Bilder machen.

Kleine, aber feine Bilder

Das Bild links wurde mit dem HTC One (M8) aufgenommen, das rechte Foto mit dem Galaxy S5, das eine 16-Megapixelkamera hat.
Das Bild links wurde mit dem HTC One (M8) aufgenommen, das rechte Foto mit dem Galaxy S5, das eine 16-Megapixelkamera hat.(Foto: kwe)

Klar, im A4-Format sollte man die Fotos des One nicht unbedingt ausdrucken, da man dann schon JPEG-Pixel sehen würde. Das ist aber auch bei den meisten 8- oder 20-Megapixel-Aufnahmen anderer Smartphones oft nicht anders. Eigentlich bilden derzeit nur die Kameras von Nokias Lumia-Flaggschiffen Ausnahmen. Wichtiger als die Megapixel-Zahl ist, dass die Kamera in jeder Situation schnell fokussiert und gute Bilder mit realistischen Farben und knackigen Kontrasten liefert. Und das kann das neue HTC One. Auch die neue Dual-Leuchte leistet gute Arbeit, selbst aus großer Nähe aufgenommene Objekte werden nicht überblitzt, die Lichtstimmung meistens sehr gut getroffen.

Von den Effekten, die durch die zweite Kamera möglich sind, ist vor allem Ufocus nützlich. Dabei kann man nachträglich den Schärfebereich festlegen und so beispielsweise Personen oder Objekte hervorheben. Eine nette Spielerei ist Dimension Plus, bei dem ein 3D-Effekt erzeugt wird, wenn man das Gerät kippt. Klasse ist Kopieren und Einfügen. Damit kann man Personen unkompliziert ausschneiden und in andere Fotos einfügen. Insgesamt ist HTC die Kamera-App wieder prima gelungen. Sie bietet viele Funktionen, bleibt dabei aber übersichtlich und sieht gut aus.

Fünf Megapixel für Selbstporträts

Mit Ufocus kann man Objekte hervorheben und langweilige Fotos interessanter machen.
Mit Ufocus kann man Objekte hervorheben und langweilige Fotos interessanter machen.(Foto: kwe)

Leider ist die Kameratechnik laut HTC nicht mit einem optischen Bildstabilisator vereinbar. Zwar löst die Kamera meistens schnell genug aus, aber in manchen Situationen verwackelt man doch leichter. Dafür nimmt das One jetzt im Vergleich zum Vorgänger richtig gute Videos auf und Zeitlupenaufnahmen werden in Full-HD gespeichert. Wer auf Selfies steht, wird von der Frontkamera begeistert sein. Sie macht 5-Megapixel-Fotos, die wesentlich schärfer und rauscharmer als die Selbstporträts von anderen Smartphones sind. Durch einen weiten Winkel des Objektivs gelingen auch Gruppen-Selfies. Bei Dual-Aufnahmen werden beide Kameras für ein Bild-im-Bild-Foto kombiniert.

Die neuen Sensoren, um die sich ein Extra-Schaltkreis des Prozessors kümmert, fallen bisher im Alltag kaum auf. Eigentlich nutzt man nur den Doppel-Tipper zum Aufwecken des Smartphones regelmäßig, gelegentlich auch die Wischgesten, um direkt in Blinkfeed oder Widgets zu starten. Der Schrittzähler für Fitbit ist nur für Spaziergänger interessant. Für Jogger ist das HTC One (M8) zu groß und schwer.

Google pfuscht dazwischen

Die Benutzeroberfläche Sense 6.0 hat im Test gehalten, was sie im ersten Eindruck versprochen hat. Sie sieht blendend aus und ist unkompliziert. Ein Höhepunkt ist die Tastatur, die ein schönes Design und eine gelungene Swype-Tastatur bietet. Was an der Software des HTC One auszusetzen ist, geht zu Lasten von Google. Denn weil die Berechtigungen in Android 4.4.2 zu stark beschnitten wurden, kann der Speicher der microSD-Karte ohne Gefummel nur für Fotos genutzt werden. Musik muss man am Rechner verschieben, um die interne Speicherkarte  zu entlasten, die für eigene Dateien nur rund zehn Gigabyte zur Verfügung stellt. Der Unmut vieler KitKat-Nutzer ist groß, Google wird die Scharte hoffentlich bald mit einem Update auswetzen.

Klingt so gut, wie es aussieht

Zu guter Letzt muss man noch die Klangeigenschaften des neuen HTC-Flaggschiffs loben. Beim Telefonieren hört man seinen Gesprächspartner laut, klar und natürlich und ebenso kommt die eigene Stimme an. Die beiden Front-Lautsprecher sind so gut, dass sie einige Bluetooth-Speaker in den Klang-Schatten stellen. Kein anderes Smartphone bietet einen so satten Sound und gut hörbaren Stereoton.

Das Test-Fazit fällt ganz klar positiv für das neue HTC One aus. Die Doppel-Kamera ist zwar nicht ganz so gut, wie von HTC angepriesen, aber viel besser, als in manchen Tests geschrieben wird. An der Akku-Laufzeit gibt es nichts auszusetzen und auch als Telefon macht das Gerät eine exzellente Figur. Wer ein Top-Smartphone mit außergewöhnlich gutem Design, hochwertigem Metallgehäuse und ausgereifter Software sucht, findet kein besseres Gerät. Der Vergleich mit dem Galaxy S5 hinkt, weil Samsung bei seinem Flaggschiff ein völlig anderes Konzept verfolgt. Zurzeit ist das HTC One einsame Spitze.

Quelle: n-tv.de

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