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Das neue HTC One in "Gunmetal Grey".
Das neue HTC One in "Gunmetal Grey".(Foto: kwe)

Smartphone aus einem Guss: Das HTC One (M8) ist ein Siegertyp

Von Klaus Wedekind

HTC stellt in London und New York das neue HTC One vor. Viel war schon vorher über das Gerät bekannt, doch erst wenn man das edle Aluminium-Handy selbst in die Hand nimmt, merkt man, wie gut es geworden ist.

Vergleicht man die Top-Smartphones, die in den vergangenen Wochen auf den Markt gekommen sind, fällt auf, dass die Spezifikationen weitgehend austauschbar sind. Die Hersteller sind an einem Punkt angelangt, wo sie sich etwas anderes überlegen müssen, um Käufer von ihren Geräten zu überzeugen. Eine Möglichkeit ist es, ein Smartphone mit allen möglichen Funktionen vollzupacken, ein anderer Weg führt über Design und hochwertige Materialien. HTC hat beim neuen HTC One (M8) versucht, Funktionalität und Design unter einen Hut zu bringen, was wahrscheinlich ziemlich schlau war. Denn wie eine von dem Unternehmen in Auftrag gegebene Studie ergeben hat, spricht ein Produkt vor allem dann Kunden an, wenn es eine Balance zwischen gutem Design und Funktionalität findet. Es soll sie sogar glücklich machen.

Das Gehäuse des HTC One besteht jetzt zu 90 Prozent aus Metall.
Das Gehäuse des HTC One besteht jetzt zu 90 Prozent aus Metall.(Foto: kwe)

Schon das erste HTC One hat verdient einen Preis nach dem anderen abgeräumt. Ein schickeres und edleres Android-Smartphone  lief im vergangenen Jahr nicht vom Stapel. Dazu zeigte es mit einer eigenwilligen Kamera die nötige Extravaganz, die ein Smartphone mit Starqualitäten haben muss. Klar, dass die Erwartungen in seinen Nachfolger hoch waren und man durfte mit Spannung erwarten, ob sie HTC erfüllen kann. Es kann: Das neue HTC One ist noch schöner und interessanter geworden, ohne mit unnötigen Funktionen übers Ziel hinauszuschießen.

Größer, aber nicht dicker

Das Full-HD-Display des One ist auf fünf Zoll angewachsen, wodurch das Smartphone auch insgesamt größer, aber nicht dicker und kaum breiter geworden ist. Mit 146,36 x 70,6 x 9,35 ist das 160 Gramm schwere Gerät daher noch sehr handlich und hosentaschentauglich. Die Gehäuseschale ist jetzt nahezu komplett aus Aluminium gefertigt und HTC hat auf die scharfen Kanten des Vorgängers verzichtet. Da außerdem die Rückseite durch schmalere Seiten etwas bauchiger ist, liegt das neue One noch viel angenehmer in der Hand als der Vorgänger.

Die Verarbeitung des Smartphones ist ebenfalls hervorragend. Das brillante Display geht nahtlos in das Gehäuse über, auch an den Kameras oder Aussparungen für Antennen und Infrarot-Sender spürt der Finger keine Spalten oder Kanten. Viele wird es freuen, dass in dem schlanken Rahmen noch ein Einschub für microSD-Karten Platz gefunden hat. Die auffallenden Stereo-Lautsprecher oben und unten sollen noch besser klingen als beim Vorgänger. HTC hat dafür die Technik verbessert, betont aber, dass gute Lautsprecher auch Platz benötigen. Kleiner habe man das Gerät daher nicht machen können.

Nur das graue Modell hat eine gebürstete Oberfläche, die Modelle in Silber und Gold haben glatte Aluminiumgehäuse.
Nur das graue Modell hat eine gebürstete Oberfläche, die Modelle in Silber und Gold haben glatte Aluminiumgehäuse.(Foto: kwe)

Zum großartigen Design passt auch die Benutzeroberfläche HTC Sense 6.0, die ebenfalls optisch das Beste sein dürfte, was es in der Android-Welt derzeit gibt. Es ist angenehm schlicht und einfach gehalten und unterstützt den Nutzer statt ihn zu verwirren. Einige neue  Features sind dazugekommen, die sich HTC offenbar bei LG abgeguckt hat. So kann man das HTC One jetzt durch einen Doppel-Tipper auf das Display aufwecken und einige Funktionen direkt durch Wischgesten erreichen. Statt separater Sensor-Tasten unter dem Display hat das Smartphone On-Screen-Buttons, die Tasten werden also auf dem Bildschirm eingeblendet.

Bessere Sensoren für Fitness-App

BlinkFeed zeigt jetzt auch auf Wunsch Interessantes aus der Umgebung an und Nutzer haben verschiedenfarbige Themen zur Auswahl. In den HTC-Newsreader integriert ist die Fitness-App Fitbit. Sie wird von neuen Sensoren gespeist, die laut HTC besonders empfindlich sind und sehr genaue Ergebnisse liefern sollen. Kurz nach der Veröffentlichung gibt's BlinkFeed auch als App für andere Geräte im Play Store. Das Gleiche plant HTC mit Zoe, das für Nutzer aus Fotos und Videos automatisch mit Musik unterlegte Clips schneidet. Künftig sollen Zoe-Nutzer dann auch Medien untereinander austauschen können.

Das neue HTC One ist etwas größer als sein Vorgänger mit 4,7-Zoll-Display.
Das neue HTC One ist etwas größer als sein Vorgänger mit 4,7-Zoll-Display.(Foto: kwe)

Schrittzähler und andere Sensoren, die immer aktiv sind, sollen den Akku nur sehr wenig belasten. Dafür sei im Prozessor Snapdragon 801 ein eigener Schaltkreis zuständig, sagte der deutsche Produktmanager Fabian Nappenbach. Die Batterie hat zwar mit 2600 Milliamperestunden nur eine etwas höhere Kapazität als der Akku des Vorgängermodells. Wie das Samsung Galaxy S5 bietet aber auch das neue HTC One einen speziellen Stromsparmodus, der die Laufzeit um bis zu 40 Prozent verlängern soll. Beim "Extrem Power Safe Mode" werden die Funktionen auf das Notwendigste reduziert: Telefon, Nachrichten, E-Mail, Kalender und Taschenrechner. Im Standby-Modus hält das One mit fünf Prozent Ladung angeblich noch bis zu 15 Stunden durch.

Raffinierte Kamera-Kombi

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcom Snapdragon 801, vier Kerne, 2,3 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 16/32 Gigabyte, erweiterbar
  • Nano-SIM
  • Display: 5 Zoll, 1920 x 1080 Pixel (440 ppi)
  • Kameras: hinten 4,1 Megapixel + Tiefen-Kamera, vorne 5 Megapixel
  • Akku: 2.600 Milliamperestunden
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.0 (aptX)
  • Sensoren: Beschleunigung, Näherung, Umgebungslicht, Lage, Barometer
  • Betriebssystem: Android 4.4.2
  • Maße: 146,36 x 70,6 x 9,35 Millimeter
  • Gewicht: 143 Gramm

Auch  bei seinem zweiten Aluminium-One hat HTC wieder eine Kamera eingebaut, die zwar nur eine Auflösung von 4,1 Megapixeln liefert, dafür aber durch besonders große Pixel sehr lichtstark und farbtreu sein soll. Über der Ultrapixel-Kamera sitzt eine zweite 2-Megapixel-Kamera, deren einzige Aufgabe es ist, Tiefe wahrzunehmen. Dadurch kann der Nutzer nachträglich den Schärfebereich einer Aufnahme einstellen und einen 3D-Effekt erzeugen, der sich bei Kippbewegungen zeigt. Außerdem ist es beim neuen HTC One sehr einfach, Personen auszuschneiden und in andere Hintergründe zu montieren. In einem ersten Test hat dies prima funktioniert.

Neu ist auch der Kamerasensor, der bei gleichgebliebener Größe vor allem deutlich schneller sein soll. So schnell, dass HTC auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet hat. Der Sensor soll außerdem bessere Farben und HDR-Aufnahmen liefern. Nutzer können mit dem neuen HTC One HD-Zeitlupenaufnahmen machen und HDR-Videos drehen, normale Clips werden mit 20 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Um auch bei Blitzaufnahmen natürlichere Farben zu erzielen, hat die Kamera zwei LED-Leuchten, die warmes und kaltes Licht entsprechend der Umgebung mischen. Das kennt man vom iPhone 5S, wo der Blitz sehr gute Resultate liefert.

Außergewöhnlich gut ist auch die Frontkamera des Geräts. Sie macht Bilder mit fünf Megapixeln und hat ein Weitwinkelobjektiv, das mit Blende  F/2.0 und BSI-Sensor selbst bei schwächerem Licht noch gute Resultate liefern sollte. Auch mit der vorderen Kamera sind HDR-Aufnahmen und Videos mit 1080p möglich.

Durchlässige Schutzhülle

Eigentlich sollte man so ein schickes Smartphone nicht verstecken, aber wer es schützen möchte, kann ein Case kaufen, das eine interessante Funktion bietet: Sein Cover ist mit 1200 Löchern fein perforiert, durch die Infos wie Uhrzeit, Wetter oder Benachrichtigungen bunt durchscheinen. Anrufe kann man auch mit geschlossenem Case direkt entgegen nehmen, indem man das Smartphone ans Ohr hält.

Unterm Strich macht das neue HTC One einen hervorragenden ersten Eindruck. Es sieht fantastisch aus, fühlt sich großartig an und bietet interessante, aber nicht überflüssige Extras. Wie gut die Kamera tatsächlich ist und wie lange der Akku im Alltag durchhält, muss sich erst noch zeigen. Aber wenn es keine größeren Probleme gibt, ist das neue HTC One ein ganz heißer Kandidat auf das Smartphone des Jahres. HTC will es bereits ab dem 4. April in Grau, Silber und Gold auf den Markt bringen. Die unverbindliche Preisempfehlung ist 679 Euro.

Quelle: n-tv.de

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