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Tesla-Fans sind Hardcore-Fans Schlange stehen für Tesla Model 3

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Am Donnerstag um 9.30 Uhr vor dem Tesla-Store in Berlin. Käufer des neuen Model 3 versammeln sich. Unter ihnen Elmar Neumann (mit rotem Schal) und Stepan Harcenko, hinter ihm.

(Foto: Holger Preiss)

Dass Leute für eine Autobestellung Schlange stehen, hat es wohl bis dato nur in der DDR gegeben. Heute reihen sich Tesla-Fans vor dem Store in Berlin auf, um das Model 3 zu bestellen. Ein Auto, das noch keiner kennt. n-tv.de will wissen, warum das so ist.

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Auch bei Apple versammelten sich die Fans, um das neue iPhone SE zu kaufen.

(Foto: Holger Preiss)

Am Berliner Kurfürstendamm reihen sich ein Apple-Store und ein Tesla-Geschäft aneinander. Während vor dem Apfelladen bereits ein kleiner Auflauf ist, weil es heute das iPhone SE gibt, wird bei Tesla noch die Leine für die zu erwartenden Massen gespannt. Dem Außenstehenden erscheint das komisch, denn während die einen ihr Produkt sofort mitnehmen können, haben die Kunden des Herstellers von Elektroautos heute nur die Möglichkeit, ein Auto vorzubestellen. Es handelt sich um das von den US-Amerikanern lange als preiswertes Massenauto angepriesene Model 3.

Aber wie sieht es aus? Was erwartet die Kunden bei den technischen Parametern? Weder Größe noch Reichweite sind bekannt. Erst am Freitagmorgen um 05.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit wird Tesla-Chef Elon Musk seinen dritten Streich nach dem Model S und dem Model X präsentieren. Doch noch während diese Gedanken einem durch den Kopf gehen, hat sich die Zahl der Wartenden vervielfacht. Denn wer ganz vorn in der Schlange steht, landet auch ganz vorn auf der Bestellliste. Einem Gerücht zufolge soll, wer hier zu spät kommt, nicht vom Leben, aber von der Zeit bestraft werden. Sechs Monate, so wird gemunkelt, muss warten, wer sich jetzt nicht listen lässt.

Tesla ist cool und innovativ

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Um die Massen zu kanalisieren, wird ein Band gespannt. So viele kamen dann aber doch nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Das Auto hat der Käufer aber auch nach dem halben Jahr Wartezeit noch nicht. Die Produktion beginnt nämlich erst 2017. Um sich seiner künftigen Kundschaft sicher zu sein, verlangt Tesla für die Aufnahme auf die Bestellliste eine Vorauszahlung von 1000 Euro. All das, so glaubt der Betrachter, müsste die Meute doch endgültig abschrecken? Weit gefehlt: Tesla-Fans sind Hardcore-Fans. Und genau deshalb versprüht die Marke auch das, was sich Apple über Jahrzehnte aufgebaut hat. Tesla gilt, wie der Smartphone-Hersteller - und vielleicht im Moment sogar ein bisschen mehr - als cool und innovativ.

Und die Kunden in den Reihen bestätigen dieses Bild. Da ist Elmar Neumann mit seiner Frau. Die beiden sind mit ihrem Tesla Model S aus Leipzig angereist, um sich heute ein Model 3 zu bestellen. Nicht, um den anderen Stromer abzulösen. Nein, der neue Mittelklassewagen soll den im Moment noch als Zweitwagen laufenden Citroën ersetzen. Dass sie über das neue Tesla Modell so gut wie gar nichts wissen, stört die beiden nicht. "Seit ich das erste Mal in den Tesla gestiegen bin, bin ich infiziert", so Neumann. "Ich bin mir einfach sicher, dass ich alles, was ich an dem Model S so liebe, auch im Model 3 wiederfinden werde."

Da kommt kein anderer ran

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Mit der Zeit versammeln sich immer mehr Kaufwillige vor dem Tesla-Store am Kudamm in Berlin.

(Foto: Holger Preiss)

Hinter Elmar Neumann steht Stepan Harcenko in der Schlange. Ein junger Mann um die 20, er nickt bestätigend. Auch er hat sich einmal in einen Tesla gesetzt und muss das neue Model 3 jetzt haben. "Die Wartezeit werde ich mit einem Elektro-Smart überbrücken", erzählt er. "Und wenn der Tesla dann kommt, habe ich hoffentlich das Geld zusammen." In den USA soll das Model 3 immer noch 35.000 Dollar kosten. Viel billiger dürfte es hierzulande auch nicht sein. Eine Stange Geld, die man auch locker in einen BMW i3 oder einen E-Golf investieren könnte.

Aber diese Fahrzeuge reizen weder Neumann noch Harcenko. Die beiden wollen einen Tesla. Und das hat seinen Grund: "Tesla hat fünf Jahre Vorsprung. Da hilft es auch nicht, dass die etablierten Hersteller versprechen, 2020 mit langstreckentauglichen Elektroautos auf den Markt zu kommen", so Hacenko. Nach seiner Meinung ist Tesla dann so weit vorn, dass das kein anderer Autobauer mehr aufholen kann. Diese hier zur Schau getragene Standfestigkeit einer Marke gegenüber dürfte anderen Fahrzeugherstellern die Tränen in die Augen treiben. Denn eines scheint den Tesla-Jüngern völlig fremd zu sein: Kritik.

Eine Sache stört doch?

Oder doch nicht? Harcenko erzählt, dass er letztes Wochenende mit einem Verbrenner von Berlin nach Dresden gefahren ist. Auf freier Autobahnstrecke zwischen 180 und 200 km/h. Bei einer derartigen Fahrweise mit einem Tesla, und da beruft er sich auf Hörensagen, soll nicht nur die Reichweite extrem schrumpfen, sondern auch die Akumulatoren überhitzen. "Aber das ist doch ein typisch deutsches Problem", schallt es aus der inzwischen auf mindestens 25 Leute angewachsenen Reihe. "Nur hierzulande darf man so bekloppt schnell fahren. Außerhalb jedes menschlichen Reaktionsvermögens." Tesla-Vielfahrer Neumann relativiert das etwas. "Also ich bin eher der Cruiser. Ich fahre zwischen 130 und 150 km/h und nutze das, was das Auto mir bietet an Assistenten." Heute Morgen in Sachsen gestartet, hat er auf dem Weg nach Berlin zwar das Lenkrad in der Hand behalten, aber ansonsten hat sein Tesla eigentlich alles alleine gemacht: die Spur gehalten, Geschwindigkeiten angepasst und nach seinem Seitenblick sogar überholt.

Letztlich sind sich alle vor dem Tesla-Store einig, dass die 1000 Euro für die Bestellung extrem gut angelegt sind und das Model 3 mindestens so gut sein wird wie das Model S. Ja eigentlich müsste es viel besser sein, denn die Entwicklung ist ja in den letzten Jahren nicht stehengeblieben. Wer das alles als Außenstehender hört, möchte sich fast von der Begeisterung mitreißen lassen.

Aber wir warten auf die morgige Präsentation. Wir werden Ihnen dann verraten, was das neue Model denn nach Aussagen von Elon Musk so begehrenswert macht und welche technischen Parameter die Käufer erwarten.

Quelle: n-tv.de

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