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Macron gewinnt gegen Le Pen Alle Daten zur Präsidentschaftswahl in Frankreich

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Wahl in Frankreich, Krieg in der Ukraine: Macron verspricht ein "stärkeres Europa".

(Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP)

Richtungsentscheidung im Herzen Europas: Präsident Macron bleibt für weitere fünf Jahre im Amt. Welche Trends lassen sich beim Blick auf die Wahlkarte erkennen? Die Ergebnisse der Frankreich-Wahl im Überblick.

Frankreichs amtierender Staatschef Emmanuel Macron hat die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Im zweiten Durchgang der Wahl erhielt Macron 58,55 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie aus dem vom französischen Innenministerium veröffentlichten Endergebnis hervorgeht. Der liberale Amtsinhaber setzte sich damit klar gegen seine rechtspopulistische und euroskeptische Herausforderin Marine Le Pen durch.

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Die europäischen Partner zeigten sich erleichtert. Inmitten weltpolitischer Krisenzeiten entwickelte sich die Präsidentschaftswahl zur Richtungsentscheidung nicht nur für Frankreich, sondern auch für den weiteren Kurs der Europäischen Union und das gemeinsame Auftreten des Westens gegenüber Russland. "Wir können auf Frankreich fünf weitere Jahre zählen", teilte EU-Ratspräsident Charles Michel am Abend mit.

Macrons Wahlsieg fiel allerdings nicht mehr so glänzend aus wie vor fünf Jahren. Le Pen erreichte bei der Stichwahl immerhin 41,45 Prozent. Der Blick auf die Wahlkarte belegt deutliche Zugewinne der französischen Rechten. Die umstrittene Spitzenkandidatin der Rechtspopulisten konnte im Vergleich zur vorausgegangenen Präsidentschaftswahl in vielen Landesteilen starke Stimmenzuwächse einfahren.

Getrübt wurde Macrons Sieg auch durch die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung. Rund 28 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollten in der Stichwahl keinem der beiden Kandidaten ihre Stimme geben. Der Anteil der Wahlenthaltungen war damit so groß wie seit 1969 nicht mehr. Die Wahlbeteiligung lag jedoch nur wenige Prozentpunkte unter dem Niveau des ersten Wahldurchgangs.

Macron wandte sich am Wahlabend vor der Kulisse des Eiffelturms auch an diejenigen, die ihn nicht aus Überzeugung gewählt hatten, sondern nur taktisch, um einen Sieg Le Pens zu verhindern. "Ich bin mir bewusst, dass diese Stimmen mich für die nächsten Jahre verpflichten", sagte er.

Le Pen räumte ihre Niederlage noch am Wahlabend ein. Für sie war es bereits die dritte Niederlage bei einer Präsidentschaftswahl. Le Pen zeigte sich dennoch kämpferisch. "Die Partie ist noch nicht gelaufen, es stehen noch Parlamentswahlen an", sagte sie mit Blick auf den Urnengang im Juni. Sie werde "den Kampf weiterführen", für Frankreich und für die Franzosen.

Mit 41,5 Prozent sei ihr Wahlergebnis ein "durchschlagender Sieg", betonte Le Pen. Tatsächlich erzielte sie in der Stichwahl das bisher beste Ergebnis der rechtspopulistischen Parteien in Frankreich überhaupt. 2017 war sie Macron noch mit knapp 34 Prozent unterlegen. In der Stichwahl konnte sie ihre Zustimmungswerte damit deutlich ausbauen.

Macron versprach seinen Anhängern am Wahlabend, sich für "ein stärkeres Europa" einzusetzen und Präsident aller Franzosen zu sein. Er müsse nun die Wut derjenigen ansprechen, die für seine Rivalin gestimmt hätten. Auch müsse darauf reagiert werden, dass so viele Wähler den Urnen ferngeblieben seien.

Die Ergebnisse des ersten Wahldurchgangs:

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Die Stichwahl war eine Neuauflage des Wahlduells der beiden von 2017, bei dem allerdings noch rund zwei Drittel der Wähler ihr Kreuz für Macron gesetzt hatten. Im ersten Wahlgang hatte Macron lediglich 27,9 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht.

In einem breiten Bewerberfeld war der amtierende Präsident Frankreichs damit dennoch der mit Abstand aussichtsreichste Kandidat. Le Pen kam bei der ersten Wahlrunde nur auf 23,1 Prozent. Dies war das zweitbeste Ergebnis vor Jean-Luc Mélenchon von den französischen Linken, die 21,9 Prozent für sich verbuchen konnten.

Sein erneuter Triumph über die rechte Euroskeptikerin gilt als richtungsweisend für den weiteren Kurs Frankreichs. Das Land hat derzeit turnusgemäß den Ratsvorsitz in der EU inne und setzt sich für eine engere Kooperation ein - auch in Sicherheits- und Verteidigungsfragen.

Die Umfrageergebnisse im Vorfeld der Wahl:

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Die Atommacht Frankreich ist ein politisches Schwergewicht in Europa. Im Verteidigungsbündnis NATO spielt das französische Militär eine tragende Rolle. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewinnt die Wahlentscheidung weltpolitische Bedeutung.

Le Pen und die Nähe zum Kreml

Le Pen ist eine entschiedene Gegnerin des europäischen Einigungsprozesses. Sie will die Europäische Union durch ein "Europa der Nationen" ersetzen. Ihre Partei, die "Rassemblement National" (vormals "Front National"), erhielt im Vorfeld der Wahl millionenschwere Finanzhilfen aus Russland. Zu Russlands Machthaber Putin pflegte Le Pen in den vergangenen Jahren demonstrativ ein enges Verhältnis. Im Wahlkampf sprach sie sich zuletzt unter anderem auch für ein Ende der Rüstungskooperation mit Deutschland aus. In Zeiten des Ukraine-Krieges hatte Le Pen damit bei westlichen Partnern Frankreichs Sorge vor einem französischen Sonderweg ausgelöst.

Quelle: ntv.de, mmo/cwo/AFP/rts

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