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"Es ist einfach Angst" Afroamerikaner misstrauen Corona-Impfung

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Nur 5,4 Prozent der Impfstoffe gingen an Afroamerikaner, obwohl sie rund zwölf Prozent der US-Bevölkerung stellen.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

In den USA sind Afroamerikaner aus vielerlei Gründen besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen. Fast die Hälfte der schwarzen Bevölkerung will sich jedoch nicht gegen das Virus impfen lassen. Die Angst, zum Versuchskaninchen für medizinische Experimente zu werden, sitzt tief.

Die USA sind das Land mit den meisten Corona-Toten weltweit, und Schwarze sind besonders stark betroffen. Gary Jackson will sich aber nicht gegen das mitunter tödliche Virus impfen lassen. "Ich bin einfach nicht sicher, ob es für mich das Beste ist", sagt der 39-jährige Afroamerikaner, während er in der Hauptstadt Washington ein Autofenster repariert. "Ich habe das Gefühl, wir sind entweder immer die Letzten oder aber die Versuchskaninchen."

So wie Jackson geht es vielen Schwarzen. Das Misstrauen gegenüber der von Weißen dominierten Medizin ist tief verwurzelt - und das schlägt sich auch auf die neuen Corona-Impfstoffe nieder. Nach Zahlen der US-Gesundheitsbehörde CDC wollen sich 46,5 Prozent der Afroamerikaner nicht impfen lassen. Bei Latinos sind es nur nur 32 Prozent, bei Weißen 30 Prozent. "Es ist einfach Angst", sagt der Sozialarbeiter John Jones III in Los Angeles. "Angst vor Impfungen, Angst, das Versuchskaninchen zu sein. Das sind die Bedenken der Schwarzen."

Dafür gibt es historische Gründe. Über Jahrhunderte wurden Afroamerikaner ohne ihr Wissen und Einverständnis für teilweise gefährliche medizinische Experimente missbraucht. Besonders berüchtigt ist die nach einer Stadt im Südstaat Alabama benannte Tuskegee-Studie. Dabei wurde ab 1932 Hunderten Afroamerikanern vorgemacht, sie würden gegen Syphilis behandelt. In Wirklichkeit wurde ihnen eine medizinische Behandlung vorenthalten, um den Verlauf der Krankheit zu untersuchen. Die Studie lief ganze 40 Jahre lang und wurde erst 1972 nach einem Enthüllungsbericht eingestellt.

Tuskegee wurde zum Sinnbild für rassistische Diskriminierung im US-Gesundheitswesen. Heute macht die radikale muslimische Schwarzen-Bewegung "Nation of Islam" mit Fotos von der Studie Stimmung gegen Corona-Impfungen. "Lasst nicht zu, dass sie euch impfen, mit ihrer Geschichte des Verrats durch Impfungen und Medikamente", heißt es auf den Internetseiten der Organisation.

Ärmere Gegenden stark benachteiligt

Neben dem Misstrauen vieler Schwarzer wurden in den vergangenen Wochen auch Fragen nach der Verteilung der Impfstoffe laut. Berichten zufolge haben ärmere Gegenden mit mehrheitlich schwarzer Bevölkerung einen schlechteren Zugang zu den neuen Vakzinen. Laut vorläufigen Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC gingen im ersten Monat der Impfkampagne nur 5,4 Prozent der Vakzine an Afroamerikaner, obwohl sie rund zwölf Prozent der Bevölkerung stellen.

Das Misstrauen der schwarzen Bevölkerung und der schlechtere Zugang zu Impfstoffen alarmiert Experten. Denn Afroamerikaner sind aus einer Vielzahl von Gründen überproportional hart von der Pandemie betroffen. Die Ausbreitung des Virus lässt sich aber nur eindämmen, wenn möglichst viele Menschen geimpft werden - insbesondere aus den Risikogruppen.

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"Wenn nicht die Menschen geimpft werden, die in den am meisten von der Krankheit betroffenen Gegenden leben, dann wird eine weitere Ausbreitung der Krankheit und Mutation (des Virus) ermöglicht", warnt Gesundheitspolitik-Experte Darrell Gaskin von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Die Gesundheitsbehörden und private Organisationen wollen deswegen gezielt Schwarze ansprechen, um sie von einer Impfung zu überzeugen, und errichten Impfzentren in vorwiegend von Schwarzen bewohnten Gegenden.

"Es ist schwierig, die schwarze Gemeinschaft zu überzeugen", sagt der Afroamerikaner Greg Ashby, der in der texanischen Großstadt Houston zum Impfen gekommen ist. Er selbst hat sich aber für die Spitze entschieden. "Ich weiß, dass wir das wirklich machen müssen, damit sich die Lage ändert. Deswegen bin ich hier."

Quelle: ntv.de, Joshua Melvin, AFP

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