Wirtschaft

Kein Schutz vor Corona New York reicht Klage gegen Amazon ein

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Trotz der Corona-Krise steigen die Umsätze beim weltgrößten Onlinehändler.

(Foto: picture alliance / AA)

Nicht zum ersten Mal steht Amazon wegen Verstößen gegen Corona-Maßnahmen in der Kritik. Nun geht der US-Bundesstaat New York rechtlich gegen den Handelsriesen vor. Auch in zahlreichen weiteren Bundesstaaten wird der weltgrößte Onlinehändler unter die Lupe genommen.

Der Handelsriese Amazon muss sich im US-Bundesstaat New York wegen des Vorwurfs mangelhafter Schutzmaßnahmen für seine Mitarbeiter vor Covid-19 verantworten. Die Generalstaatsanwältin von New York reichte jetzt Klage gegen das Unternehmen ein, nachdem dieses in der vergangenen Woche selbst mit einer Klage versucht hatte, ein Vorgehen der Strafverfolger gegen seine Arbeitsschutzpraktiken abzuwehren.

"Während der gesamten Pandemie hat Amazon wiederholt und beharrlich gegen seine Verpflichtung verstoßen, vernünftige und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um seine Arbeiter vor der Ausbreitung des Virus in seinen Einrichtungen in New York City zu schützen", schrieb Generalstaatsanwältin Letitia James in ihrer Klage vor dem Obersten Gerichtshof des Bundesstaates.

Amazon, so eine Unternehmenssprecherin, "glaubt nicht, dass die Klage der Generalstaatsanwältin ein genaues Bild von Amazons branchenführender Reaktion auf die Pandemie zeichnet."

Mitarbeiter protestieren

James begann mit ihrer Untersuchung, nachdem Amazon im vergangenen Jahr den Arbeiter Christian Smalls entlassen hatte. Smalls gehörte zu einer Gruppe von Mitarbeitern, die im vergangenen März in der Niederlassung in Staten Island kurzfristig die Arbeit einstellten, um auf Forderungen nach besserer Bezahlung und zusätzlichen Schutz gegen die Infektionsrisiken aufmerksam zu machen. Die Protestaktion war eine von mehreren landesweit. Amazon habe nicht ausreichend Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 ergriffen, so der Vorwurf.

Laut Amazon wurde Smalls entlassen, weil er gegen Richtlinien zur sozialen Distanzierung verstoßen hat. Auch habe er eine Quarantäneanweisung ignoriert, nachdem er Kontakt mit einem Mitarbeiter gehabt habe, der positiv auf das Virus getestet worden sei. Smalls ist nicht der einzige Amazon-Arbeiter, der dagegen behauptet, er sei wegen seiner Äußerungen gefeuert worden.

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Amazon-Mitarbeiter protestieren vor der Wohnung von Jeff Bezos.

(Foto: picture alliance / STRF/STAR MAX/IPx)

In seiner eigenen Klage argumentiert Amazon, New York habe nicht das Recht, die Aktivitäten des Unternehmens in seinen Lagerhäusern zu regulieren, dafür seien nach Bundesgesetz Regulierungsbehörden wie die Occupational Safety and Health Administration zuständig, eine Bundesbehörde, die die Sicherheit am Arbeitsplatz überwacht. Amazon erklärte, Generalstaatsanwältin James habe gedroht, das Unternehmen zu verklagen, sollte es Forderungen nach einer Senkung der Leistungsanforderungen sowie der Zahlung einer "großen Summe" an Smalls nicht nachkommen.

Der Fall in New York ist ein Teil jener rechtlichen und arbeitsrechtlichen Probleme, denen Amazon ausgesetzt ist. In einem Verteilzentrum in Alabama findet gerade eine Gewerkschaftsabstimmung von Tausenden Mitarbeitern statt. Kalifornien untersucht, wie das Unternehmen mit Verkäufern auf seinem Online-Marktplatz umspringt, und in Connecticut untersuchen die Behörden, wie Amazon digitale Bücher verkauft und vertreibt.

Quelle: ntv.de, cls/DJ