Panorama

Tödliche Messerstiche in NRW Angreifer war wegen Corona auf freiem Fuß

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Der mutmaßliche Angreifer stach sein Opfer an einer Stadtbahnhaltestelle nieder.

(Foto: picture alliance/dpa)

In der Nacht zum 1. Mai stirbt in Bielefeld ein Jugendlicher nach einem wohl willkürlichen Raubüberfall mit einem Messer. Nun wird klar: Der mutmaßliche Angreifer war ein polizeibekannter Intensivtäter, der vor kurzem noch in Haft saß. Dann wurde sein Prozess wegen der Corona-Krise abgesagt.

Nach dem Tod eines 17-Jährigen im nordrhein-westfälischen Bielefeld hat das zuständige Gericht eingeräumt, dass der mutmaßliche Täter womöglich gar nicht auf freiem Fuß hätte sein dürfen. Demnach sei der tatverdächtige 18-Jährige Ende April trotz eines offenen Verfahrens wegen Körperverletzung aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil die Richterin befürchtete, bei der Verhandlung könnten die Corona-Auflagen nicht eingehalten werden, berichtet das "Westfalen Blatt".

Der mutmaßliche Täter soll in der Nacht zum 1. Mai versucht haben, den 17-Jährigen an einer Straßenbahnhaltestelle auszurauben. Im Streit habe er auf das Opfer mehrfach eingestochen und es tödlich verletzt. Der 17-Jährige war mit mehreren Stichverletzungen auf der Straße zusammengebrochen, er starb später in einem Krankenhaus. Am Freitag hätten sich Zeugen gemeldet, die den Streit beobachtet und den mutmaßlichen Täter erkannt hätten, hieß es. Fahnder spürten ihn in einer Wohnung in Bielefeld auf und nahmen ihn fest. Der 18-Jährige sei der Polizei wegen diverser Gewaltdelikte bekannt.

Freilassung trotz "Wiederholungsgefahr"

So sollen gegen den 18-Jährigen bis Herbst 2019 mehr als ein Dutzend Verfahren eingeleitet worden sein, unter anderem wegen schwerer Gewaltdelikte. Im Oktober 2019 erwirkte die Staatsanwaltschaft schließlich einen Haftbefehl. Wie das "Westfalen Blatt" berichtet, ging es dabei ebenfalls um einen Raubüberfall an einer Stadtbahnhaltestelle, bei dem der Angreifer mit einem Nothammer aus einer Stadtbahn auf den Kopf seines Opfers eingeschlagen haben soll.

Für den 3. April 2020 war eine Verhandlung in diesem Prozess angesetzt. Die zuständige Richterin sagte dem Bericht zufolge den Termin jedoch ab, weil sie den Gerichtssaal für zu klein hielt, um die wegen der Corona-Krise vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Anwesenden zu gewährleisten. Außerdem fürchtete sie demnach, mögliche Zeugen könnten aus Angst vor einer Ansteckung nicht ins Gericht kommen. Der 18-Jährige wurde anschließend freigelassen, obwohl der ursprüngliche Haftbefehl ausdrücklich mit der Vielzahl seiner Taten und der Wiederholungsgefahr begründet war.

Die örtliche Justiz prüfte die Corona-bedingte Absage der Verhandlung mittlerweile selbst. Demnach hätte der Termin auch unter Erfüllung der Auflagen und Hygiene-Bestimmungen stattfinden können. Amtsgerichtssprecher Dr. Roland Pohl sagte der "Bild": "Der Gerichtssaal, in dem das Verfahren hätte stattfinden sollen wäre aber groß genug gewesen, um die erforderlichen Sicherheitsabstände einzuhalten."

Quelle: ntv.de, mra