Panorama

Mehr Informationen über Judentum Erste Landespolizei bekommt eigene Rabbiner

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Rabbi Shneur Trebnik soll den Polizisten beibringen, wie jüdisches Leben aussieht.

(Foto: dpa)

Die Polizei in Baden-Württemberg will mehr dafür tun, dass ihre Beamten über das Judentum Bescheid wissen. Dafür entscheidet sich das Land zu einem neuartigen Schritt: Es engagiert Polizeirabbiner.

Baden-Württemberg bekommt nach eigenen Angaben als erstes Bundesland Polizeirabbiner. Sie sollen künftig angehenden Polizeibeamten notwendiges Wissen über das jüdische Leben in Deutschland vermitteln, teilte das Innenministerium mit. Darüber hinaus stünden die Polizeirabbiner allen Beschäftigten der Polizei und deren Angehörigen als Vertrauens- und Ansprechpersonen zur Verfügung.

Für Württemberg wird der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik berufen, für den badischen Landesteil Moshe Flomenmann aus Lörrach, wie ein Sprecher mitteilte. Sie sollen zu Beginn des neuen Jahres ihren Dienst antreten. Das Innenministerium unterzeichnete mit den Israelitischen Religionsgemeinschaften in Baden und in Württemberg eine Vereinbarung, die zunächst für zwei Jahre gilt.

"Die Polizei als Hüterin unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung muss bei der Bekämpfung des Antisemitismus mit allerbestem Beispiel vorangehen", sagte Innenminister Thomas Strobl. "Unsere Polizei steht für Offenheit und Toleranz - und damit fest auf dem Boden der Verfassung", so der CDU-Politiker. Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, sagte: "Ich hoffe, dass unser Land das Vorbild und der Vorreiter sein wird für entsprechende Vereinbarungen in allen Bundesländern."

Viele Deutsche mit antisemitischen Vorurteilen

In Deutschland leben etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens. Die Zahl wuchs seit der Wende durch Zuwanderung von Juden aus Osteuropa spürbar an. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Jüdischen Weltkongresses zeigte, dass 27 Prozent der Deutschen antisemitischen Vorurteilen zustimmen. Die meisten antijüdischen Straftaten verüben Rechtsextreme - wie beispielsweise Stephan B., der im vergangenen Jahr versuchte während des Jom-Kippur-Feiertags in eine Synagoge in Halle einzudringen, um die Gläubigen zu ermorden. Als ihm das nicht gelang, erschoss er zwei Unbeteiligte. Er wurde kürzlich zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, kritisierte 2015 in der "Welt", die "lautstärksten antisemitischen Verunglimpfungen" kämen von Muslimen in Deutschland. Den Antisemitismus von Rechtsextremen sehe er aber als "mindestens so gefährlich, wenn nicht gefährlicher" als den von Muslimen an. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte darüber, dass es auch innerhalb der Polizei rechtsextreme Netzwerke gebe.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa