Panorama

Kranke Rinder geschlachtet? Frankreich entdeckt Ekelfleisch aus Polen

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Polnische Reporter decken auf: Die Bilder aus dem Schlachthof in Kalinowo schlagen europaweit hohe Wellen.

(Foto: REUTERS)

Ein neuer Lebensmittelskandal schreckt Verbraucher und Behörden in Europa auf: In einem Betrieb im Nordosten Polens sollen kranke Rinder geschlachtet worden sein. Das Fleisch ging anschließend in den Export ins europäische Ausland.

Frankreich hat unwissentlich knapp 800 Kilogramm an verdorbenem Fleisch aus Polen importiert. Die fraglichen Lieferungen gingen an neun Weiterverarbeitungsbetriebe, wie Landwirtschaftsminister Didier Guillaume erklärte. Insgesamt wurden demnach 795 Kilo Fleisch eingeführt. Davon konnten bislang allerdings nur rund 150 Kilo sichergestellt werden. Der Verbleib der übrigen Mengen ist noch ungeklärt. Es sei bisher nicht sicher, so Guillaume, ob verdorbenes Fleisch tatsächlich auch in den Handel gelangt sei. Die Ermittlungen dauern an.

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Fleisch aus Polen: Der EU-Nachbar im Osten zählt zu den großen Rindfleisch-Produzenten Europas.

(Foto: REUTERS)

"Das ist ein fürchterlicher Betrug, ein wirtschaftlicher Betrug", betonte der französische Minister. Die EU-Partner Tschechien und Finnland, die von dem Skandal um Ekelfleisch aus Polen ebenfalls betroffen sind, hatten zuvor bereits intensive Kontrollen von importiertem Rindfleisch angekündigt. Auslöser der europaweiten Ermittlungen ist ein Bericht des polnischen Nachrichtensenders TVN24 über skandalöse Praktiken in einem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien. In dem Schlachthaus sollen kranke Tiere heimlich geschlachtet worden sein. Das Fleisch der Tiere ging anschließend in den Export.

Reporter im Undercover-Einsatz

Der Skandal um womöglich gesundheitsschädliche Fleischlieferungen aus Polen wurde erst durch die Arbeit der polnischen Investigativjournalisten bekannt: Ein Reporter des Senders hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust. So konnte er die Zustände in dem Schlachtbetrieb über mehrere Wochen hinweg beobachten. Kernstück des TV-Beitrags sind heimlich aufgenommene Bilder aus dem Inneren des Schlachthauses in Kalinowo. Zu sehen sind unter anderem offensichtlich kranke Rinder, die entgegen allen Qualitäts- und Gesundheitsvorschriften zur Schlachtung vorbereitet werden.

Von dem Rindfleisch-Skandal sind nach Angaben des polnischen Veterinäramts zahlreiche europäische Länder betroffen. Den Angaben der Behörde zufolge gelangten rund 2,7 Tonnen an fragwürdigem Fleisch in insgesamt zehn EU-Staaten, darunter auch Ungarn, Schweden, Spanien, Portugal und die Slowakei. Deutschland und Österreich sind demnach nicht direkt betroffen. Allerdings könnte weiterverarbeitetes Fleisch aus den betroffenen Abnehmerstaaten theoretisch auch in den übrigen europäischen Handel gelangt sein.

Tonnenweise Rindfleisch

Polen ist ein Großlieferant für Rind- und Schweinefleisch in Europa. Entsprechend groß sind die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen des Fleischskandals. Von den 560.000 im Land produzierten Tonnen an Rindfleisch gehen früheren Angaben zufolge rund 85 Prozent an Abnehmer im Ausland, zum Beispiel in Form von tiefgekühlten Rinderhälften.

Das polnische Landwirtschaftsministerium geht bislang von einem "Einzelfall" aus. Der Betrieb in Kalinowo wurde vorsorglich geschlossen. Landesweit sollen Veterinärämter ihre Kontrollen verschärfen, wie Polens Chefveterinär Pawel Niemczuk erklärte. Die polnische Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andiukaitis kündigte zusätzliche Inspektionen in Polen für die kommende Woche an.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa