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"Lockdown für die Branche" Gaststätten schließen wegen 2G-plus-Regel

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Nur noch geboostete Menschen dürfen die Gastronomie ohne Test besuchen.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

"Die Gastronomie ist ein Problembereich", sagt Bundesgesundheitsminister Lauterbach vergangene Woche. Nur einen Tag später beschließen Bund und Länder angesichts der Omikron-Welle schärfe Einlassregeln für Restaurants und Gaststätten. Diese werfen der Politik vor, ein Bauernopfer zu sein.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat die jüngste Verschärfung der Corona-Maßnahmen für die Branche kritisiert. Beispielsweise in Hamburg sei es deshalb zu vielen Schließungen gekommen. Ursachen seien die seit Montag geltenden 2G-plus-Regel und die "ständigen negativen Aussagen der Politik zu Restaurantbesuchen", sagte der Vizepräsident des Dehoga Hamburg, Niklaus Kaiser von Rosenburg.

Der Verband wirft Bund und Ländern vor, die neuen Regeln in der Branche "als Hebelarm zur Durchsetzung der Impf- und Booster-Kampagne zu missbraucht". Tatsächlich führe die Verlagerung von Kontakten in den privaten Bereich aber zu mehr Infektionen.

Die wirtschaftlichen Folgen bezeichnete von Rosenburg als dramatisch. "Buchungen in Hotels und Gastronomien brechen massiv weg. Im Grunde ein Lockdown für unsere Branche", sagte er. Wer sein Lokal offen halte, tue dies oft, "um die Mitarbeiter zu halten und nicht, weil er betriebswirtschaftlich sinnvoll arbeiten kann".

Nicht alle Länder ziehen mit

Bundeskanzler Olaf Scholz und die Ministerpräsidenten der Länder hatten in der vergangenen Freitag beschlossen, die bestehende 2G-Regel für Restaurants und Cafés zu verschärfen. Geimpfte und Genesene (2G) müssen seitdem einen negativen Test vorlegen oder eine Auffrischungsimpfung nachweisen, wenn sie Einlass verlangen. "Die Gastronomie ist ein Problembereich, da sitzt man ohne Maske oft für Stunden", hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die strengeren Regeln bei "RTL Direkt" verteidigt.

Allerdings ziehen nicht alle Länder mit, Bayern und Sachsen-Anhalt gehen zum Unmut von Scholz einen Sonderweg. "Ich sehe noch Zweifel", sagte er am Mittwoch im Bundestag. Er versuche daher mitzuhelfen, dass die vereinbarte 2G-plus-Regel überall umgesetzt werde. Er werbe dafür, "dass auch in diesen Bundesländern, wo das noch nicht so gesehen wird, alle mitmachen". Neben den bestehenden Alltagsauflagen seien Booster-Impfungen "das zentrale Instrument" für den Kampf gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante.

Branche fordert finanzielle Hilfe

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Um die Branche zu entlasten, fordert der Dehoga daher schnelle Rechtssicherheit bezüglich der Überbrückungshilfe IV und des Kurzarbeitergeldes bei freiwilliger Schließung auch über den Januar hinaus. "Hier darf es für unsere Branche nicht zu zeitaufwendigen Einzelprüfungen kommen, die die Auszahlung von Geldern über Monate verzögert", sagte Hamburgs Verbands-Vize von Rosenburg.

Zudem forderte er für die niedrigeren Lohnsegmente eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, um den Fachkräftemangel nicht durch weitere Abwanderung zu verstärken. Die wiederholten Sonderopfer von Kultur und Tourismus für die Allgemeinwirtschaft und Gesellschaft müssten auch durch besondere Hilfen für diese Bereiche beantwortet werden.

Quelle: ntv.de, chr/dpa

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