Panorama

Christian B. als Verdächtiger Hängen Fälle Maddie und Inga zusammen?

In den vergangenen Tagen bestimmt eine spektakuläre Wende im Fall Maddie die Schlagzeilen. Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens gilt ein deutscher Sexualstraftäter nun als verdächtig. Ihm wird auch eine Verbindung zu einem anderen Kriminalfall unterstellt.

Die Staatsanwaltschaft Stendal sucht nach möglichen Verbindungen zwischen dem Fall der vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt verschwundenen kleinen Inga und dem Fall der dreijährigen Madeleine "Maddie" McCann aus Großbritannien. Im Zusammenhang mit dem Tatverdacht im Fall Maddie werde geprüft, ob es Anhaltspunkte für Zusammenhänge gebe und ob sich daraus ein Anfangsverdacht gegen den Tatverdächtigen ergebe, teilte die Staatsanwaltschaft in Stendal mit. Weitere Details wurden nicht genannt.

Wie die "Magdeburger Volksstimme" und "Der Spiegel" berichten, wohnte der Verdächtige Christian B. zur Zeit des Verschwindens in der Nähe der damals fünfjährigen Inga G. Das Mädchen verschwand im Mai 2015 bei einem Ausflug nach Stendal-Wilhelmsdorf spurlos. In den Medienberichten heißt es, B. habe zu dieser Zeit im rund 90 Kilometer entfernten Neuwegersleben gelebt.

Dieser Zusammenhang sei Ermittlern bereits 2016 aufgefallen, als sie ein verwahrlostes Grundstück in Neuwegersleben durchsuchten. Dort stießen sie auf verscharrte Hundeknochen und einen USB-Stick mit kinderpornografischem Material sowie Bildern des verdächtigen B. In einem Wohnwagen auf dem Grundstück hätten die Beamten darüber hinaus Kleidung für Mädchen gefunden, obwohl B. keine Familie hatte.

Dem "Spiegel" zufolge nehmen die Ermittler an, dass B. einen Mitarbeiter des betreffenden Diakoniehauses kannte, aus dessen Nähe Inga verschwunden war. In den Akten der Polizei Stendal sei des Weiteren ein Chatverlauf aus dem September 2013 protokolliert, in dem B. einem Bekannten schrieb, er wolle "etwas Kleines einfangen und tagelang benutzen". Der Bekannte erwiderte demnach, dass dies gefährlich sei. B. habe entgegnet: "Och, wenn die Beweise hinterher vernichtet werden."

Parkplatzrempler in der Nähe zum Tatort

Wie die "Magdeburger Volksstimme" berichtet, waren Kriminalisten dem heute 43-Jährigen seit einer Sendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" aus dem Jahr 2013 auf der Spur. Ein Zeuge im Vermisstenfall Maddie habe ein damals gezeigtes Phantombild erkannt und den Hinweis gegeben, dass B. zum Tatzeitpunkt 2007 in dem portugiesischen Küstenort Praia da Luz gelebt hatte. Dort war die damals Dreijährige aus einer Appartementanlage verschwunden.

Als die Beamten 2016 das Grundstück in Sachsen-Anhalt durchsuchten, glichen sie der "Magdeburger Volksstimme" zufolge die aufgefundenen Spuren auch mit denen im Fall Inga ab. Diese führten seinerzeit jedoch nicht zu brauchbaren Hinweisen. Ein später aufgetauchtes Versicherungsprotokoll von einem Unfall habe dann jedoch belegt, dass Christian B. mit dem Kleinbus eines damaligen Freundes einen Parkplatzrempler auf der Autobahn 2 bei Helmstedt am 1. Mai hatte - einen Tag, bevor Inga verschwand. Der Ort ist rund eine Stunde von dem Diakoniewerk in Wilhelmshof entfernt.

Christian B. soll sich dem Bericht zufolge auf dem Gelände in Neuwegersleben täglich für einige Stunden bis zum 6. Mai 2015 aufgehalten haben. So schilderten es Zeugen. Neuwegersleben befindet sich in der Nähe der A2. Dennoch hätten die damaligen Ermittler keine Zusammenhänge hergestellt, weil sie nicht an eine Verbindung von B. zu dem im Wald abgelegenen Gelände der Diakonie glaubten.

"Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist"

Der 43-Jährige sitzt derzeit in Kiel eine alte Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll bereits 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um Handel mit Betäubungsmitteln. Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Denn zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, im portugiesischen Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

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Laut "Spiegel" weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 Einträge auf. Schon vor rund 27 Jahren, im Oktober 1993, verhängte das Amtsgericht Würzburg eine zweijährige Jugendstrafe gegen den damals noch Minderjährigen wegen "sexuellen Missbrauches eines Kindes, versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes sowie Vornahme sexueller Handlungen vor einem Kind", wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Am Mittwochabend gaben Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend bekannt, dass der Deutsche im Fall Maddie unter Mordverdacht steht. "Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist", bekräftigte der Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, Hans Christian Wolters, am Donnerstag.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa