Panorama

Rennen um Corona-Impfstoff Impfungen in Deutschland ab Anfang 2021?

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Weltweit wird derzeit an 168 möglichen Corona-Impfstoffen gearbeitet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die ersten Corona-Impfungen könnte es Experten zufolge bereits zu Beginn des nächsten Jahres in Deutschland geben. Für die breite Masse werde es aber noch dauern. Weltweit gibt es derzeit fast 170 Projekte. Aktuell schließen sich wieder zwei Branchenriesen zu einer Kooperation zusammen.

Das Paul-Ehrlich-Institut hält es für möglich, dass bereits Anfang 2021 erste Bevölkerungsgruppen in Deutschland gegen Corona geimpft werden können. "Aufgrund der Zusagen von den Herstellern wird es zu diesem Zeitpunkt schon erste Dosen für Verbraucher in Deutschland geben", sagte Institutspräsident Klaus Cichutek den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Ergebnisse aus den aktuellen Prüfungen der ersten und zweiten Phase zeigten, dass einige der Impfstoffe eine Immunreaktion gegen das Virus auslösten.

"Wenn die Daten in den Phase-III-Prüfungen die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe belegen, könnten zu Jahresbeginn erste davon zugelassen sein, womöglich mit Auflagen", sagte Cichutek. Sollte es zur Zulassung kommen, wäre dies nach seinen Angaben der am schnellsten zugelassene Impfstoff der Geschichte in Europa. Dennoch seien verlässliche Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit des Stoffs unerlässlich. Trotz aller Brisanz der Corona-Krise ließen die zuständigen Behörden keine Abweichungen von den Standards der Impfstoffzulassung zu.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet zwar auch damit, dass es bereits 2021 einen Impfstoff geben wird. Jedoch stehe wohl erst ein Jahr später ausreichend Impfstoff zur Verfügung, um die gesamte Bevölkerung damit zu versorgen.

Forscher aus aller Welt arbeiten an 168 Kandidaten

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wird derzeit weltweit an 168 möglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht. Welche Impfung sich am Ende aber durchsetzt, ist noch unklar. Der Schweizer Pharmakonzern Roche und der US-Konkurrent Regeneron wollen nun gemeinsam ein Mittel entwickeln, produzieren und vertreiben, das bereits in der letzten Phase klinischer Tests ist. Der Wirkstoff namens REGN-COV2 kombiniert zwei Antikörper gegen das Virus. Sollte der Impfstoff die klinischen Tests bestehen und durch die Behörden zugelassen werden, will Roche ihn in Europa und anderen Teilen der Welt vertreiben und Regeneron in den USA.

Doch die Konkurrenz ist groß. Russland hat kürzlich erklärt, ein erster Impfstoff stehe nahezu bereit. Die Pilot-Produktion des Gamaleja-Impfstoffs sei abgeschlossen, erklärte die Gesundheitsministerin. Internationale Wissenschaftler und die WHO haben allerdings Vorbehalte aufgrund der Entwicklungsgeschwindigkeit der Forscher geäußert. Russland will schon im September in die industrielle Produktion einsteigen und ab Oktober impfen.

Das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac will im Herbst Ergebnisse der kürzlich gestarteten klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten vorstellen. Erwartet wird dies im September. Die Zulassung werde dann für die erste Jahreshälfte 2021 angepeilt. Haas schloss auch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren nicht aus, wenn die Behörden dem zustimmen.

Der schwedisch-britische Konzern Astrazeneca arbeitet derzeit mit der Universität Oxford an dem Corona-Impfstoff AZD1222. Mit der Firma haben die EU, die USA und Brasilien eine Liefervereinbarung erzielt. Auch Australien hat sich nach eigenen Angaben bereits den Zugriff auf den potenziellen Impfstoff gesichert. "Der Oxford-Impfstoff ist einer der am weitesten fortgeschrittenen und vielversprechendsten der Welt", sagte Premierminister Scott Morrison. Griechenland rechnet für das Jahresende mit der ersten Lieferung des Astrazeneca-Präparats.

Mit dem Mittel von Astrazeneca befinden sich insgesamt fünf potenzielle Corona-Impfstoffe in Testphase III - drei in westlichen Ländern und zwei in China. Weltweit wurden bereits mindestens 5,7 Milliarden Dosen der Mittel vorbestellt.

Quelle: ntv.de, bea/AFP/dpa