Panorama

Intensivstationen stark belastet Inzidenz in Sachsen durchbricht 1000er-Marke

Die Coronavirus-Pandemie erreicht nie dagewesene Höchstwerte. In Sachsen übersteigt die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals die Marke von 1000. Hotspot bleibt der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wo Covid-19-Erkrankte mehr als 75 Prozent der Patienten auf Intensivstationen ausmachen.

Erstmals ist in einem Bundesland die Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 gestiegen. Für Sachsen meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) an diesem Donnerstag einen Wert von 1074,6, am Mittwoch lag die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche in dem Bundesland noch bei 935,8.

Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter in Sachsen 11.581 neue Corona-Infektionen, 42 Todesfälle kamen hinzu. Bundesweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 419,7 (Vortag: 404,5).

Landesweit haben neun der zehn Landkreise in Sachsen einen Inzidenzwert von über 1000. Unterhalb dieses Wertes liegen nur noch die Großstädte Dresden (630,3), Leipzig (869,1) und Chemnitz (972,2) sowie der Landkreis Görlitz (735,6). Bundesweiter Hotspot bleibt der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 1688,0, dicht gefolgt vom Erzgebirgskreis mit 1657,9.

Besonders betroffen sind derzeit die Jüngeren. Die höchste Inzidenz gibt es bei den 0- bis 14-Jährigen, im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge betrug die Inzidenz am Mittwoch 2289,5. Bei den über 80-Jährigen liegt die Inzidenz im Vergleich am niedrigsten, aber immer noch beim sehr hohen Wert von 817,0.

Sachsen ist das Bundesland mit der geringsten Impfquote deutschlandweit. Erst 57,8 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind komplett geimpft. Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass der Staat mit der Organisation von Impfangeboten überfordert ist. Dort, wo geimpft wird, stehen die Leute stundenlang Schlange. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte dazu der "Sächsischen Zeitung": "Auch für mich sind das furchtbare Bilder, die mich sehr ärgern. Im Gesundheitsministerium wird sehr hart daran gearbeitet, die Situation zu verbessern." Es würden Gespräche mit der Ärzteschaft geführt. "Vom Präsidenten der Kassenärztlichen Vereinigung habe ich die Zusage bekommen, dass sie zwischen hundert- und zweihunderttausend Impfungen pro Woche möglich machen wollen", sagte der CDU-Politiker.

Kleeblatt-Konzept soll Abhilfe schaffen

Die Auslastung der Intensivstationen im Bundesland ist hoch. 37 Prozent der Patienten sind an Covid-19 erkrankt. Aktuell 521 Personen sind betroffen, nur noch 114 Betten insgesamt sind auf Intensivstationen frei. Am 24. November 2020, also vor einem Jahr, gab es in Sachsen 345 Corona-Patienten auf den Intensivstationen, dazu waren 316 Betten frei. Im Hotspot Sächsische Schweiz-Osterzgebirge machen die Covid-19-Patienten mehr als 75 Prozent der Intensiv-Patienten aus und belegen mehr als 70 Prozent der verfügbaren Betten.

Sachsen hat aufgrund der kritischen Lage bereits beantragt, dass für sie das Kleeblatt-Konzept angewandt wird, nach dem Patienten auf Intensivstationen anderer Bundesländer verlegt werden. Für 20 Intensivpatienten soll das zunächst geschehen. Aktuell werde geklärt, welche Erkrankten infrage kämen, vorzugsweise aus dem Krankenhaus-Cluster Chemnitz, hieß es vom Gesundheitsministerium. "Noch gibt es diese Möglichkeit. Das werden wir nutzen, auch um Vorsorge zu betreiben. Die laufende Entwicklung können wir kaum noch beeinflussen", sagte Kretschmer der "Sächsischen Zeitung".

Sachsen gehört zum Kleeblatt Ost mit Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg - und auch dort sind die Kapazitätsgrenzen vielerorts bereits erreicht. Wie in Sachsen ist auch in Berlin und Sachsen-Anhalt aktuell weniger als jedes zehnte Intensivbett noch frei. Thüringen meldet zwar noch freie Intensivbetten in einigen Kreisen - diese müssten aber auch frei gehalten werden, um weiter Unfallpatienten versorgen zu können. Sollte im gesamten Kleeblatt die Auslastung zu hoch für eine Verlegung aus Sachsen sein, kann es sein, dass im Austausch mit dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Verlegung auch in andere Gebiete organisiert werden muss.

Verschärfter Lockdown vor Weihnachten?

Kretschmer schließt aufgrund der dramatischen Lage einen Lockdown vor Weihnachten in Sachsen nicht mehr aus. "Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Es wird nur zu verhindern sein, wenn es ein kollektives Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten", sagte er der "Sächsischen Zeitung". Wenn es in der kommenden Woche nicht einen positiven Effekt gebe, "müssen wir diese Diskussion führen".

Bereits jetzt gibt es die Einschränkung großer Teile des öffentlichen Lebens. Bis auf Weiteres sind alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Bars, Clubs und Diskotheken geschlossen. Das Gleiche gilt für Weihnachtsmärkte. Die Beherbergung von Touristen ist untersagt. Ausgenommen sind aktuell Bibliotheken und Geschäfte der Grundversorgung. Auch die Gastronomie darf mit der 2G-Regel bis 20 Uhr öffnen. Für Zugang zum Arbeitsplatz gilt die 3G-Regel.

Quelle: ntv.de, ara/lst/dpa

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