Panorama

"Nicht letzte Chance verspielen" Laien warnen Bischöfe vor neuen Fehltritten

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Jesus vor einem Mietshaus im brandenburgischen Neuzelle: Mangelnde Aufklärung von Missbrauch im Erzbistum Köln erschüttert die katholische Kirche in ganz Deutschland.

(Foto: picture alliance / ZB)

Nach dem Debakel um die Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln steigt die Zahl der Kirchenaustritte in atemberaubendem Tempo. Katholische Frauen und andere Laiengruppen sehen die Bischofskonferenz nun am Scheideweg. Die Vertuschung innerhalb toxischer Machtstrukturen müsse endlich aufhören.

Ein Bündnis katholischer Laienorganisationen hat vor der Frühjahresvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eindringlich an die Bischöfe appelliert, angesichts steigender Kirchenaustrittszahlen wieder für mehr Glaubwürdigkeit zu sorgen. "Verspielen Sie die letzte Chance nicht", heißt es in dem Appell, den die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, der Katholische Frauenbund, die Reformbewegungen "Wir sind Kirche" und "Maria 2.0" sowie das Katholische Komitee der Lesben und Schwulen veröffentlichten.

"Die Zeit des Hinhaltens, des Vertuschens, der immer noch schleppenden Aufklärung sexualisierter Gewalt und der toxischen Machtstrukturen muss endgültig vorbei sein", heißt es in der Erklärung. Insbesondere mit Blick auf den sogenannten synodalen Weg seien konstruktive Dialoge und Perspektiven nötig. "Solange nicht eine ehrliche, offene und vollständige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in allen deutschen Bistümern auf wissenschaftlich hohem Niveau und gleichem Standard erfolgt, werden die Reformbemühungen des synodalen Weges ins Leere laufen", heißt es in der Erklärung.

Diese wird auch vom "Eckigen Tisch" und von "MojoRed" unterstützt, zwei Initiativen für Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. In dem seit 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche gibt es wieder scharfe Debatten. Ausgelöst wurden diese durch den auch innerkirchlich kritisierten Aufarbeitungsprozess im Erzbistum Köln. Die Bischofskonferenz will sich auf ihrer ausschließlich digital stattfindenden Vollversammlung damit befassen.

Fall Woelki beschädigt ganze Kirche in Deutschland

Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, warnte als Folge der Debatte um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki vor einem schweren Schaden für die Bemühungen der Kirche um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Die Kommunikation des Kölner Erzbistums und seines Bischofs sei katastrophal und eine Belastung für die gesamte deutsche katholische Kirche, sagte Sternberg der "Augsburger Allgemeinen".

"Jedenfalls strahlt das, was gerade in Köln passiert, aus auf die gesamte katholische Kirche in Deutschland", sagte Sternberg. Er wies allerdings Forderungen von Opfervertretern nach einer unabhängigen Wahrheits- und Gerechtigkeitskommission zurück. "Ob es eine staatliche Kommission braucht, die großteils verjährte sexualisierte Gewalt in allen Bereichen der Gesellschaft aufzuarbeiten hätte, scheint mir fraglich."

Quelle: ntv.de, mau/AFP